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Deutscher Energieriese RWE enttäuscht die Aktionäre

Die Aktionäre von Deutschlands drittgrößtem Energiekonzern RWE gehen wegen eines Milliardenverlustes zum zweiten Mal in Folge leer aus. Für die vor allem von den Städten und Gemeinden sehnlich erwartete Dividende gebe es "noch keinen Spielraum", sagte Finanzvorstand Markus Krebber am Mittwoch.

Der niedrige Strompreis wirkt sich in der Bilanz aus.  SN/APA (dpa)/Angelika Warmuth
Der niedrige Strompreis wirkt sich in der Bilanz aus.

Mit dem gesparten Geld und mit dem Milliardenerlös aus dem Börsengang der Tochter Innogy wolle der Essener Konzern lieber die 6,8 Mrd. Euro sofort in den Atomfonds zahlen, mit dem sich die deutschen Versorger von den Folgekosten des Ausstiegs aus der Kernkraft befreien können. Rückstellungen dafür und milliardenschwere Abschreibungen auf die Kohle- und Gaskraftwerke führten 2016 zu einem Verlust von 5,7 Mrd. Euro. 2015 hatte das Minus noch bei 170 Millionen gelegen.

Vor allem die an RWE beteiligten deutschen Städte und Gemeinden hatten auf eine Dividende gedrängt. "Sie können davon ausgehen, dass wir massiv enttäuscht sind", kommentierte der Geschäftsführer des Verbandes kommunaler RWE-Aktionäre (VKA), Ernst Gerlach, den erneuten Ausfall der Dividende. Notleidende Städte wie Dortmund, Essen oder Mülheim/Ruhr, die den regelmäßigen Geldsegen von RWE stets fest in ihren Haushalten einplanten, hätten mit dem Dividendenverzicht im vergangenen Jahr schon genügend zur Sanierung des Konzerns beigetragen.

Doch mit ihren insgesamt 23 Prozent an RWE haben die Kommunen kaum Einfluss auf die Entscheidung. "Wir werden uns damit abfinden müssen", sagte Gerlach. Nur die Vorzugsaktionäre, die gut sechs Prozent des Grundkapitals halten, bekommen - wie im Vorjahr - 13 Cent.

"Es ist schon eine Überraschung, dass die Dividende komplett ausfällt", sagte Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment, "aber es ist auch nachvollziehbar. Es würde ein schlechtes Signal senden, wenn man zu generös ist." Analysten hatten im Schnitt mit 26 Cent je Stammaktie gerechnet. Zuletzt hatte RWE den Aktionären für 2014 einen Euro je Stammaktie gezahlt.

Finanzchef Krebber vertröstete sie um ein weiteres Jahr: Mit dem Konzernumbau und massiven Kosteneinsparungen seien die Weichen gestellt, um von 2017 an "wieder verlässlich eine Dividende zahlen zu können". 50 Cent je Stamm- und Vorzugsaktie sollen es werden, in den nächsten Jahren mindestens ebenso viel. "Wir werden das - darauf können Sie Gift nehmen - sehr intensiv nachverfolgen", sagte VKA-Manager Gerlach. "Kurzfristig ist das zwar enttäuschend, mittelfristig aber positiv", sagte Portfoliomanager Daniel Steger von EIC Partners aus der Schweiz. RWE-Stammaktien gaben um 0,6 Prozent nach, die Vorzüge legten dagegen um 0,25 Prozent zu.

Der Börsengang von Innogy hatte RWE 2,6 Mrd. Euro in die Kassen gespült. Das hatte Hoffnungen auf eine Dividende geschürt. Doch Krebber steckt das Geld lieber in den Fonds für die Lagerung des Atommülls, mit dem sich die Energiekonzerne zulasten des Staates von allen weiteren Risiken freikaufen können. Wie die Konkurrenten E.ON und Vattenfall will RWE die fällige Summe schon in diesem Jahr einzahlen, um sich Zinsen zu ersparen. "Die Neuregelung der kerntechnischen Entsorgung ist sinnvoll, bedeutet für RWE aber eine gewaltige finanzielle Kraftanstrengung", erklärte Krebber.

Zudem muss RWE 4,3 Mrd. Euro auf seine konventionellen Kraftwerke abschreiben, den Löwenanteil davon in Deutschland. Grund dafür seien eingetrübte Aussichten im Strom-Großhandel. Die Preise dort sind von 2011 bis 2016 fast ohne Unterbrechung gefallen. Erst Ende des Jahres erholten sie sich - teils wegen des kalten Winters, teils wegen Ausfällen in Kernkraftwerken in Frankreich. Nach Daten von Thomson Reuters liegt der Preis für Lieferung von Strom im Folgejahr an der Strombörse EEX zurzeit zwar um 50 Prozent über dem Tiefstand von 2016. Das ist aber nur die Hälfte dessen, was 2011 bezahlt wurde.

Auch operativ hat sich das Ergebnis von RWE verschlechtert - allerdings nicht überraschend. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging auf 3,1 (2015: 3,8) Mrd. Euro zurück, lag damit aber am oberen Rand der eigenen Erwartungen. Effizienzsteigerungen in der Erzeugung von Strom aus Kohle und Gas hätten die Einbußen im Handel zum Teil wettgemacht. Der bereinigte Nettogewinn schrumpfte auf 0,8 (1,1) Mrd. Euro.

RWE ist in Österreich an der Kärntner Kelag beteiligt. Im Aufsichtsrat sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

Quelle: Apa/Ag.

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