Wirtschaft

Die nächste Frist für den Verkauf der Alitalia läuft ab

Rom hat die Airline mit einem Überbrückungskrediten am Leben gehalten. Bis Donnerstag läuft die Angebotsfrist

Ob sich diesmal mehr herauskommt als unverbindliche Absichtserklärungen für die verlustträchtige Airline, wird bezweifelt. SN/apa (afp)
Ob sich diesmal mehr herauskommt als unverbindliche Absichtserklärungen für die verlustträchtige Airline, wird bezweifelt.

Man kommt mit dem Zählen kaum noch mit. Sieben Mal hat die italienische Regierung schon die Frist verlängert, um einen neuen Besitzer für die seit zweieinhalb Jahren insolvente Fluggesellschaft Alitalia zu finden. Am Donnerstag ist es wieder so weit. Bis dahin müssen potenzielle Investoren ein verbindliches Angebot auf den Tisch legen.

Ob es anders läuft als zuletzt am 15. Oktober und mehr herauskommt als unverbindliche Absichtserklärungen, ist unwahrscheinlich.

Es geht um fast 11.000 Arbeitsplätze und um ein nationales Symbol. Mit Überbrückungskrediten hat Rom die Alitalia seit der Insolvenz im Mai 2017 am Leben gehalten. Die mit 117 Flugzeugen und weniger als 20 Millionen Passagieren im Jahr eher kleine Airline macht netto jeden Tag rund eine Million Euro Verlust.

Nun sollen die italienischen Staatsbahnen (FS), der von der Benetton-Familie kontrollierte Infrastrukturkonzern Atlantia und die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines einsteigen. Weiterer Partner wäre das Finanzministerium.

Delta, die das nötige Know-how zum Betrieb einer Fluggesellschaft mitbringt, würde sich, so weit bekannt, nur mit zehn Prozent am Kapital der neuen Alitalia in Höhe von einer Milliarde Euro beteiligen. FS und Atlantia, die mit je 37,5 Prozent dabei wären, hatten vergeblich auf einen höheren Anteil der Amerikaner gedrängt.

Lufthansa will nur eine sanierte Alitalia

Viel war in den vergangenen Wochen über einen Einstieg der AUA-Mutter Lufthansa spekuliert worden. Am Dienstag dementierte die Lufthansa Berichte, wonach sie ein Angebot zwischen 150 Mio. und 200 Mill. Euro für den Einstieg in die Airline vorlegen wolle und bekräftigte, dass Europas größte Airline nur in eine restrukturierte Alitalia investieren würde. "Wir haben seit jeher betont, dass Alitalia zuerst saniert werden muss. Danach werden wir an Investitionen denken", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Lufthansa sei jedoch interessiert, zum industriellen Partner des Konsortiums aufzurücken, das Alitalia übernehmen will. Am Dienstagabend meldete auch Atlantia Vorbehalte an und schrieb, dass die Bedingungen für den - weiterhin beabsichtigten - Einstieg noch nicht gegeben seien.

Ob das Modell mit Delta, Staatsbahnen und Atlantia überhaupt trägt, bezweifeln Branchenexperten. "Für den Erfolg der Alitalia ist es essenziell, dass sie einen kommerziellen Partner findet. Wir glauben, diese Rolle für Alitalia spielen zu können. Deswegen habe ich wenig Verständnis, dass es wichtiger zu sein scheint, wer die letzten zehn Prozent investiert als die Frage, wer der richtige kommerzielle Partner ist", sagte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr der dpa.

"Wir werden alles tun, was möglich ist, um sicherzustellen, dass die nationale Fluggesellschaft wieder mit ausgebreiteten Flügeln fliegen kann", hatte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte im Oktober getönt.

Ärger mit Brüssel droht

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist mit rund 135 Prozent des Bruttoinlandsprodukt verschuldet, erlaubt sind nur 60 Prozent. Selbst wenn Rom seine Haushaltszusagen gegenüber der EU-Kommission einhalten sollte, droht wegen Alitalia nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Andrea Giuricin Ärger mit Brüssel. Die Airline erhielt bisher Überbrückungskredite von 900 Mio. Euro, für das kommende Jahr hat die Regierung 400 Millionen vorgemerkt. Da Alitalia die Kredite kaum tilgen kann, würden daraus unerlaubte staatliche Subventionen. "Wir wissen, die Kommission steht noch nicht, aber sie wird reagieren müssen", sagt Giuricin.

Quelle: SN/Apa/Dpa

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