Welt

"Die Ölindustrie liebt das Auf und ab"

Konfliktforscher Philippe Le Billon analysiert Folgen der Rohstoffpolitik des neuen US-Präsidenten. Welche Faktoren treiben den Ölpreis längerfristig und warum sind der Öl-Lobby schwankende Preise immer lieber als hohe?

Donald Trump lässt zwei Öl-Pipeline-Projekte, die sein Vorgänger beerdigt hat, wieder auferstehen.

US-Präsident Donald Trump setzt verstärkt auf fossile Treibstoffe, vor allem auf Schieferöl. Welche Auswirkungen hat das auf den Ölmarkt?
Philippe Le Billon: Generell wird das für Öl und den US-Energiesektor insgesamt positiv gesehen, und bis zu einem Grad auch in Russland im Hinblick auf eine Lockerung oder Aufhebung der Sanktionen.
Was könnte das für den Ölpreis bedeuten?
Es gibt mehrere Szenarien. Eine Lockerung der Förderbestimmungen in den USA wird dazu führen, dass man neue Gebiete erschließt. Entschließen sich mehr mehr Firmen zu investieren, käme mehr Öl auf den Markt und der Preis würde sinken. Auf der anderen Seite könnten geopolitische Entscheidungen der Trump-Regierung zu Preissteigerungen führen. Wenn er andere Länder überzeugt, die Sanktionen gegen den Iran zu verstärken, könnten 1,5 Mill. Fass Öl weniger auf den Markt kommen. Ich kann mir vorstellen, dass die USA einen Preis in der Größenordnung um 60 Dollar je Fass Rohöl der Nordseesorte Brent anpeilen (aktuell 55 Dollar ). Das wäre für sie angenehm, aber sie kann es nicht allein entscheiden.
Warum gerade 60 Dollar?
Es ist ein Kompromiss. Damit hätte man in den USA einen Preis von unter 3 Dollar für eine Gallone (3,8 Liter) Benzin, gleichzeitig würde sich der Abbau von Schieferöl in den USA noch immer lohnen, mit dem ja auch Arbeitsplätze verbunden sind. Und der Preis ist nicht so hoch, dass er Ängste vor neuen Rekordniveaus auslösen würde. Viele Analysten erwarten demnächst einen Ölpreis zwischen 50 und 60 Dollar.

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