Wirtschaft

Erste liebäugelt mit polnischer mBank

Die deutsche Commerzbank hat ihre Polen-Tochter mBank zum Verkauf gestellt. Als ein Interessent hat am Mittwoch die österreichische Erste Group öffentlich aufgezeigt. Die polnische Commerzbank-Tochter sieht sich vor dem geplanten Verkauf indes mit mehr Klagen wegen Franken-Krediten konfrontiert.

Erste Group blickt Richtung Polen SN/APA (Archiv)/HELMUT FOHRINGER
Erste Group blickt Richtung Polen

Der Trend in den letzten Gerichtsentscheidungen sei zuletzt weniger günstig für die Bank gewesen, sagte mBank-Chef Cezary Stypulkowski am Donnerstag. Anfang Oktober hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Streit um die Vergabe von Schweizer-Franken-Krediten an polnische Hausbauer den Kreditnehmern den Rücken gestärkt. Die mBank sitzt auf Franken-Darlehen von umgerechnet rund 3,4 Mrd. Euro.

Dennoch rechnet Stypulkowski mit einem großen Interesse für das polnische Geldhaus. Die Commerzbank hat im September beschlossen, ihre Polen-Tochter zu verkaufen, um damit ihren groß angelegten Konzernumbau zu finanzieren.

Der mBank-Chef selbst bevorzugt nach eigenen Worten einen ausländischen Käufer, der noch nicht in Polen präsent ist, als neuen strategischen Investor. Unter anderem die österreichische Erste Group und die größte polnische Bank PKO BP haben bereits Interesse an der Commerzbank-Tochter gezeigt.

Am Mittwoch hat der designierte neue Erste-Chef Bernhard Spalt in einer Analysten-Telefonkonferenz ein Interesse der Ersten an dem polnischen Bankhaus deponiert. Spalt sprach von einer "interessanten Gelegenheit" im wachsenden und wichtigen Markt Polen. Er geht auch davon aus, dass das Franken-Kredit-Portfolio kein Teil des Verkaufs sein wird.

Ein wichtiges Thema bei den Verkaufsverhandlungen wird jedenfalls der Umgang mit den Franken-Krediten sein. Wenn es nach dem Willen der polnischen Aufsichtsbehörde KNF geht, muss die Commerzbank das Schweizer-Franken-Hypothekenportfolio behalten.

Wegen der niedrigen Zinsen in der Schweiz hatten viele Polen einst Kredite in Franken aufgenommen, um ihr Haus zu finanzieren. Der Zloty verlor gegenüber der Schweizer Währung jedoch stark an Wert und die Regierung will die Banken nun zwingen, die Darlehen in Zloty-Hypotheken umzutauschen.

Der EuGH hatte vor wenigen Wochen entschieden, dass polnische Bankkunden die Umrechnung in die Landeswährung verlangen können. Gleichzeitig ebnete das Gericht den Weg, dass die polnischen Gerichte die Kreditverträge wegen missbräuchlicher Klauseln für ungültig erklären lassen können. Ein völliger Sieg für die Konsumenten war das Urteil allerdings nicht, da der Ball wieder bei den polnischen Gerichten liegt, die von Fall zu Fall zu entscheiden haben.

Österreichische Banken haben schon längst ihre eigenen unliebsamen Erfahrungen mit Streitigkeiten um Franken-Kredite in Zentral/Osteuropa gesammelt. Dass diese Kredite in Polen bei einem Bankverkauf beim Verkäufer blieben, wurde zuletzt bei Raiffeisen so praktiziert: 2018 hat die Raiffeisen Bank International (RBI) nach mehreren Anläufen ihre Warschauer Tochter Polbank (Raiffeisen Bank Polska) verkauft. Deren Fremdwährungskredite (hauptsächlich Schweizer Franken) über zum Verkaufszeitpunkt umgerechnet rund 3 Mrd. Euro blieben bei der RBI. Diese Altkredite und ihre Rückzahlung bearbeiten nun Mitarbeiter einer eigenen Filiale in Polen. Neugeschäft wird dort keines mehr betrieben.

Der Chef der polnischen Regulierungsbehörde, KNF, Jacek Jastrzebski, hatte schon im September erklärt, dass auch das Franken-Hypothekarportfolio der mBank bei der Commerzbank bleiben soll.

Die Commerzbank hält knapp 70 Prozent an der mBank, die an der Börse aktuell 3,7 Mrd. Euro wert ist. Im dritten Quartal steigerte die mBank ihren Gewinn um gut ein Fünftel auf umgerechnet 84 Mio. Euro.

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