Wirtschaft

Espressokocher-Hersteller Bialetti steckt in der Krise

Der legendäre italienische Espressokocher-Hersteller Bialetti steckt in der Krise und hat Gläubigerschutz beantragt. Ein Gericht in Brescia setzte für den 14. November eine Anhörung an. Bialetti bemüht sich unterdessen um ein Darlehen von 17 Mio. Euro von dem US-Hedgefonds Och-Ziff.

Eine Ikone der Kaffeemaschinen: Bialetti-Espressokocher gibt es in vielen Farben und Formen. SN/APA/AFP/VINCENZO PINTO
Eine Ikone der Kaffeemaschinen: Bialetti-Espressokocher gibt es in vielen Farben und Formen.

Der achteckige Espressokocher Moka wurde 1933 von Alfonso Bialetti entwickelt. Er revolutionierte die Kaffeegewohnheiten Italiens und weltweit.

In den ersten sechs Monaten des Jahres brach der Umsatz um 12,1 Prozent ein, der Nettoverlust betrug 15,3 Millionen Euro. Seit Juli musste Bialetti 19 Läden schließen, davon 15 im Stammland Italien. Das Traditionsunternehmen ist hoch verschuldet, Ende September waren es 68,9 Millionen Euro. Beim italienischen Fiskus ist die Firma mit mehreren Millionen Euro an Steuerzahlungen in Verzug.

Auf wachsende Bereiche konzentrieren

Die "angespannte finanzielle Lage" und ein verändertes Konsumverhalten auf dem heimischen und dem ausländischen Markt hätten zu enormen Produktions- und Lieferschwierigkeiten geführt, erklärte Bialetti. Das Unternehmen produziert nicht nur Espressokocher, sondern verkauft auch elektrische Kaffeemaschinen, Tassen und Kaffee sowie kleinere Küchengeräte.

Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, will sich Bialetti künftig auf die wachsenden Bereiche konzentrieren - etwa Kaffeekapseln und Kaffee, wo die Verkäufe im ersten Halbjahr um 13,1 Prozent zulegten. Auch der Umsatz mit dem klassischen Modell Moka Express läuft weiterhin gut.

Der achteckige Espressokocher Moka wurde 1933 von Alfonso Bialetti entwickelt. Das Design der Maschine blieb bis heute nahezu unverändert. SN/APA/AFP/VINCENZO PINTO
Der achteckige Espressokocher Moka wurde 1933 von Alfonso Bialetti entwickelt. Das Design der Maschine blieb bis heute nahezu unverändert.

Die Moka Express war die erste Espressokanne für den Privathaushalt, die nach dem Percolator-Prinzip arbeitet. Der Begriff "percolare" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "filtern" oder "seihen". Der Espresso-Klassiker ist heute Bestandteil der meisten italienischen Küchen (cucina italiana). Das Design der Maschine blieb nahezu unverändert.

Espresso ohne hohen Druck

Erfinder Alfonso Bialetti arbeitete in Frankreich in einer Aluminiumfabrik, bevor er 1918 nach Omegna-Crusinallo, Italien, zurückkehrte und dort seine eigene Maschinenfabrik eröffnete. Bialetti kam auf die Idee, Espresso nicht unter dem hohen Druck herzustellen, den die Barmaschinen durch eine gespannte Feder (heutzutage mittels Pumpe) erzeugten, sondern das Wasser nur durch den geringen Dampfdruck in der Kanne durch den Kaffee zu pressen - angeblich, nachdem er Waschmaschinen gesehen hatte, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionierten.

Zuhause einen Espresso wie im Café

Bis 1933 hatte er die technischen Probleme gelöst. Im Design einer klassischen italienischen Kaffeemaschine ähnlich, brachte er die vollkommen aus Aluminium gefertigte Moka Express auf den Markt. Der Werbung nach ermöglichte sie ohne die geringsten technischen Fertigkeiten in casa un espresso come al bar (zu Hause einen Espresso wie im Café). Bialetti aber hatte nicht die Geschäftsfertigkeiten, um die Kaffeemaschine im großen Stil zu vermarkten. Er verkaufte die Moka Express persönlich vor allem an Markt- und ähnlichen Ständen. Daher war die Maschine zunächst nur regional bekannt.

Der "Mann mit dem Schnauzbart"

Bialettis Sohn Renato erkannte das Potenzial der Moka Express, meldete ein Patent an und vermarktete sie professionell. In der Folge baute Bialetti die weltweit größte Fabrik für Kaffeemaschinen auf. Renato Bialetti trat als "Mann mit dem Schnauzbart" selbst in der Werbung auf. Sein Konterfei ist als Comicfigur auf allen Espresso-Kannen des Unternehmens zu sehen. Als der Unternehmer im Jahr 2016 93-Jährig verstarb, ließen seine Kinder die Asche ihres Vaters in einer Espresso-Kanne bestatten.

Eine Bestattung im Espressokocher – Renato Bialetti ließ sich 2016 auf besondere Art bestatten. SN/ap
Eine Bestattung im Espressokocher – Renato Bialetti ließ sich 2016 auf besondere Art bestatten.
Quelle: Apa/Afp

Aufgerufen am 19.10.2019 um 09:44 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/espressokocher-hersteller-bialetti-steckt-in-der-krise-59767930

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