Wirtschaft

Euro-Notenbanker für neue Finanzstabilitäts-Instrumente

Finnlands Notenbankchef Olli Rehn fordert für die Geldpolitik neue Instrumente zur Sicherung der Finanzstabilität. In Europa nehme der Anteil von Investmentfonds, Versicherern und Anbietern von Verbraucherdarlehen an der Kreditvergabe immer stärker zu, sagte das EZB-Ratsmitglied am Freitag in Helsinki. "Finanzsysteme wandeln sich und die Veränderungen bringen neue Risiken."

Die Politik in Europa müsse deshalb rasch neue Maßnahmen zum Schutz vor Finanzkrisen auf den Weg bringen. Ansonsten gerate sie in Gefahr, die "Auseinandersetzungen der Vergangenheit" zu führen. Als rein "theologisch" bezeichnete Rehn die Debatte, ob die Sicherung der Finanzstabilität im Mandat der Europäischen Zentralbank (EZB) formell verankert werden sollte.

Seit der Finanzkrise sind Hedge- und Geldmarktfonds, Investmentfonds, Börsenhändler und Versicherer immer stärker in Bereiche der Finanzwirtschaft vorgedrungen, die wie die Kreditvergabe bisher traditionellen Banken vorbehalten waren. Zu den neuen Entwicklungen, die überwacht werden müssten, gehört Rehn zufolge, dass Investmentfonds inzwischen größere Kreditrisiken eingehen und in weniger liquide Finanzinstrumente investieren würden. In einigen Ländern verlören zudem traditionelle Kreditprodukte an Bedeutung. Konsumentenkredite würden dagegen aggressiv vermarktet, warnte der Notenbanker, der als einer der Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi gilt. Draghis Amtszeit endet im Oktober nach acht Jahren.

Die Sicherung der Finanzstabilität in Europa liegt derzeit vor allem bei den Behörden der einzelnen Länder. Schon seit einiger Zeit gibt es unter Notenbankern die Diskussion, wie stark die Geldpolitik bei der Sicherung der Finanzstabilität eingebunden werden soll.

Quelle: Apa/Ag.

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