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Eurokurs laut Wolfgang Schäuble für Wirtschaft zu niedrig

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich gegen den Vorwurf aus den USA zur Wehr gesetzt, Deutschland bereichere sich durch den schwachen Euro auf Kosten Amerikas und anderer Länder. "Auch in Washington wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die europäische Geldpolitik nicht von der Bundesregierung gemacht wird, sondern von der Europäischen Zentralbank", sagte der CDU-Politiker.

Schäuble wehrte sich gegen Vorwürfe aus den USA.  SN/APA (dpa)/Daniel Reinhardt
Schäuble wehrte sich gegen Vorwürfe aus den USA.

Auch in der US-Regierung unter Donald Trump werde registriert werden, "dass der deutsche Finanzminister nicht unbedingt ein glühender Fan dieser Geldpolitik ist", erklärte Schäuble gegenüber dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die Europäische Zentralbank (EZB) sei aber unabhängig, und er hoffe, dies bleibe auch in den USA nach dem Ende der Amtszeit von Janet Yellen an der Spitze der Notenbank so.

Schäuble bestritt nicht, dass die Nullzinspolitik den Euro gegenüber anderen Währungen drücke und dies Exporte der deutschen Wirtschaft erleichtere. Die Zentralbank müsse aber eine Politik für ganz Europa machen. "Die ist für Deutschland zu locker. Der Eurokurs ist genau betrachtet für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu niedrig." Er habe EZB-Präsident Mario Draghi zu Beginn seiner expansiven Geldpolitik gesagt, dass dies die deutschen Exportüberschusse nach oben treiben werde. "Ich habe damals versprochen, diesen Kurse nicht offen zu kritisieren. Aber ich will dann für die Folgen dieser Politik auch nicht kritisiert werden."

In Sachen Brexit sieht Schäuble auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU für den Finanzplatz London eine wichtige Rolle in Europa. "Wir wollen Großbritannien nah bei uns halten. Der Finanzplatz London etwa dient der europäischen Wirtschaft insgesamt", sagte der CDU-Politiker.

London biete Finanzdienstleistungen, die es so sonst nicht in Europa gebe. "Das würde sich nach einer Trennung zwar ein Stück weit ändern, aber wir müssen hier mit Großbritannien vernünftige Regeln finden", sagte er. Nach dem Votum für den EU-Austritt wird in vielen Banken in London darüber nachgedacht, zumindest Teile des Geschäfts in andere europäische Finanzzentren wie Frankfurt oder Paris zu verlegen.

Quelle: Apa/Ag.

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