Wirtschaft

Europa braucht beide Wirtschaftsriesen: USA und China

Coronakrise hin oder her, die Welt wird wirtschaftlich gesehen weiterhin vom konfrontativer werdenden Verhältnis von China und den USA geprägt werden. Die beiden Nationen sind die Hauptkonkurrenten auf den internationalen Märkten, China wird meist Protektionismus und Abschottung vorgeworfen. "Für Europa und Österreich ist ein ausgewogenen Verhältnis zu Beiden von hoher Bedeutung", so Michael Löwy, bei der Industriellenvereinigung (IV) für internationale Beziehungen zuständig.

Ein Blick auf die Skyline von Shanghai SN/APA/PHILIP STOTTER/PHILIP STOTTE
Ein Blick auf die Skyline von Shanghai

Zwar seien Europa und die USA die am engsten verwobenen Wirtschaftsräume, so der Fachmann. "Aber natürlich ist die europäische und österreichische Wirtschaft mittlerweile auch mit China verwoben." Für einen faireren Wettbewerb könne "trotz aller politischen Sorgen und Herausforderungen mit China" ein von Brüssel und Peking fertig ausverhandeltes Investitionsabkommen sorgen, das Menschenrechts-, Demokratie- und Umweltaspekte nicht ausspare. So könne es gelingen, dass sich China mehr für Handel und Investitionen öffnet.

China lag unter den Investoren in Österreich zuletzt auf Platz 3 - mit 12,6 Mrd. Euro hinter Deutschland (49 Mrd. Euro) und Russland (21,4 Mrd. Euro). Erst auf Platz 4 folgten die USA mit 11,6 Mrd. Euro. Die Top 5 voll machte übrigens der für Österreich auch sehr wichtige Partner Italien mit 9,5 Mrd. Euro. Für die Alpenrepublik jedenfalls werde es weiterhin wichtig sein, möglichst ohne Hindernisse weltweit fairen Handel betreiben zu können, so Löwy im Gespräch mit der APA. Dazu gehöre auch, China und dessen Potenzial besser nutzen zu können.

China werden von anderen Handelsnationen oft versteckte Subventionen, erzwungener Technologietransfer bei Joint Ventures und Dumping vorgeworfen. Die USA haben in den vergangenen Jahren Zölle auf manche chinesische Produkte eingeführt, die auch mit Präsident Joe Biden beibehalten wurden. Zuletzt wurden neue chinesische Firmen auf eine schwarze Liste gesetzt: Sie dürfen keine US-Firmen kaufen. "Auch wenn die USA in vielen Bereichen noch Technologieführer sind, China holt stark auf und gewinnt immer mehr Marktanteile. Immer mehr chinesische Firmen sind weltweit tätig", so Löwy.

Die geopolitischen Spannungen zwischen den Konkurrenten haben sich zuletzt vor allem im Südchinesischen Meer verstärkt. Taiwan, das China als Bestandteil des chinesischen Territoriums betrachtet, wird von den USA militärisch beschützt. Es gibt laut Löwy aber auch gemeinsame Interessenlagen zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt. Immerhin gebe es eine gemeinsame Erklärung, wonach etwas beim Klimaschutz zu tun sei. Freilich bleibe abzuwarten, was hier konkret umgesetzt werde, so Löwy. China hat jedenfalls die meisten Kohlekraftwerke aller Staaten weltweit.

Großer wirtschafts- und außenpolitischer Erfolg Pekings war laut Löwy der Abschluss des Freihandelsabkommens RCEP. Hier ist China mit Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, Australien, China, Japan, Neuseeland und Südkorea vereint. Die USA haben ihr CPTPP-Abkommen mit den Ländern Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam. Die Industriellenvereinigung spricht sich neben der Anwendung des EU-China-Investitionsabkommens auch für weitere Freihandelsabkommen der EU aus - etwa mit den USA.

Heuer im ersten Halbjahr exportierte Österreich Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,58 Mrd. Euro nach China und im Wert von 7,95 Mrd. Euro in die USA. Importiert wurden aus China Waren und Dienstleistungen um 9,54 Mrd. Euro, aus den USA um 4,27 Mrd. Euro. Die Direktinvestitionen Chinas in Österreich beliefen sich in diesem Zeitraum auf 2,6 Mrd. Euro, jene der USA auf 10,36 Mrd. Euro. Umgekehrt lagen die heimischen Direktinvestitionen von Jänner bis Juni in China bei 4,8 und in den USA bei 11,45 Mrd. Euro.

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