Wirtschaft

Fed senkt Leitzins wegen Coronavirus um 0,5 Prozentpunkte

Als Reaktion auf die Coronavirus-Krise hat die US-Notenbank den Leitzins überraschend um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 bis 1,25 Prozent gesenkt. Die Federal Reserve (Fed) begründete den Schritt am Dienstag mit den Risiken durch die Ausbreitung der Lungenkrankheit. Die Entscheidung ließ die Börsenkurse zunächst weltweit ansteigen, bis Handelsschluss verpuffte der Effekt jedoch weitgehend.

Die Federal Reserve setzt eine überraschende Maßnahme SN/APA (AFP)/KAREN BLEIER
Die Federal Reserve setzt eine überraschende Maßnahme

Der US-Leitindex Dow Jones schloss mit einem Minus von 2,9 Prozent und fiel damit wieder unter die 26.000-Punkte-Marke. Der kurz nach Börsenöffnung verkündete Schritt hatte bei den Börsianern gemischte Gefühle hervorgerufen. Während ein Experte von einer vorsorgliche "Grippeschutzimpfung" gegen das Coronavirus sprach, kritisierten andere die Maßnahme.

Die Epidemie lasse "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität" entstehen, erklärte die Fed. Die Zentralbank verfolge die "Entwicklungen und deren Folgen für den Wirtschaftsausblick genau". Die einstimmige Entscheidung des sogenannten Offenmarktausschusses der Fed zur Senkung des Leitzinses war ungewöhnlich: In der Regel werden Zinsentscheidungen nur bei regulären Treffen des Gremiums gefällt. Dessen nächstes Treffen war eigentlich erst in gut zwei Wochen geplant.

Indes zogen auch die Währungshüter in Hongkong nach. Der Leitzins werde von 2,0 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, teilte die Hongkong Monetary Authority (HKMA) am Mittwoch mit.

Die Börsen reagierten auf die Fed-Entscheidung zunächst mit sprunghaften Aufwärtsbewegungen. Der Dow Jones stieg um 1,4 Prozent, rutschte dann aber bis Handelsschluss deutlich ins Minus. Im Tagesverlauf verlor der US-Leitindex fast 800 Punkte. In der vergangenen Woche hatte der Dow Jones wegen des Coronavirus mehr als 3500 Punkte eingebüßt - es waren die größten Kursverluste seit Oktober 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise.

Die europäischen Börsen schlossen hingegen am Dienstag im Plus. Allerdings fielen die Zugewinne nicht so deutlich aus, wie es zunächst nach der Fed-Entscheidung ausgesehen hatte - die anfänglichen deutlichen Kurssprünge schrumpften im weiteren Handelsverlauf zusammen. In dieser Kursentwicklung spiegelte sich die Skepsis wider, dass niedrigere Zinsraten die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Epidemie kompensieren können.

So legte der Dax zunächst um 200 Punkte zu und lag zwischenzeitlich 3,5 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag. Bei Handelsschluss in Frankfurt am Main lag das Plus aber nur noch bei 1,1 Prozent, ebenso wie der ATX. Damit konnte das österreichische Börsenbarometer nach acht Verlusttagen wieder etwas Boden gutmachen. Auch London und Paris schlossen mit einem Plus von rund einem Prozent.

Fed-Chef Jerome Powell sagte zu der Leitzinssenkung, niemand wisse, wie lange der Coronavirus-Ausbruch anhalten werde. Eine Zinssenkung werde nicht die "Infektionsrate verringern". Die Fed habe "nicht alle Antworten" auf die Krise. "Wir glauben aber, dass unser Handeln der Wirtschaft erheblichen Schwung geben wird", fügte er hinzu.

US-Präsident Donald Trump ging der Schritt der Fed nicht weit genug. Er forderte in einer Botschaft im Internetdienst Twitter eine weitere Senkung und eine Angleichung des Leitzinses an den anderer Zentralbanken weltweit.

Zuvor hatten die sieben großen Industriestaaten (G7) angekündigt, im Kampf gegen die Auswirkungen des Coronavirus "alle angemessenen politischen Maßnahmen" ergreifen zu wollen. Die G7-Finanzminister seien "bereit zu handeln", erklärten sie nach einer Telefonkonferenz, an der auch die G7-Zentralbankchefs teilnahmen. Dies schließe auch die Staatshaushalte belastende Maßnahmen ein.

Die Notenbanken der sieben Staaten würden auch weiterhin ihre Aufgaben erfüllen, also die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum unterstützen sowie die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems aufrecht erhalten, hieß es in der Erklärung. Zu den G7 gehören die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan.

Die Lungenkrankheit Covid-19 sorgt weltweit für Störungen im Wirtschaftskreislauf. Ganze Orte wurden abgeriegelt, Straßen gesperrt, Fabriken geschlossen. Für Europas Fluggesellschaften hat die rasante Ausbreitung des Virus bereits spürbare Folgen. Mehrere Airline-Chefs berichteten bei einem Branchentreffen in Brüssel von einem starken Rückgang der Buchungszahlen.

Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte vor massiven Folgen für die Wirtschaft bei einer Ausbreitung des Virus. "Wir haben eine deutlich erhöhte Rezessionsgefahr", sagte Fuest in Berlin. Derzeit kämen ein "Angebots- und ein Nachfrageschock" zusammen, dies könne eine gefährliche Mischung sein. Fuest rief die Politik zum Handeln auf, etwa durch eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes oder Notkredite für Unternehmen.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 06.12.2021 um 12:38 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/fed-senkt-leitzins-wegen-coronavirus-um-0-5-prozentpunkte-84325510

Kommentare

Schlagzeilen