Wirtschaft

Fed senkt Leitzins wegen Coronavirus um halben Prozentpunkt

Die US-Notenbank machte am Dienstag Spekulationen um ein Eingreifen der Währungshüter ein Ende. Um die Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft zu begrenzen, griff sie zur Zinskeule.

Die US-Notenbank unter Führung von Jerome Powell überraschte am Dienstag mit einer Senkung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt. Zuvor hatte US-Präsident einer starken Zinssenkung das Wort geredet.  SN/ap
Die US-Notenbank unter Führung von Jerome Powell überraschte am Dienstag mit einer Senkung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt. Zuvor hatte US-Präsident einer starken Zinssenkung das Wort geredet.

Im Versuch, die Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft einzudämmen, ist die US-Notenbank am Dienstag vorgeprescht. Sie hat den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, der nun in einer Bandbreite von 1,0 bis 1,25 Prozent liegt. Zwar seien die fundamentalen Daten der US-Wirtschaft stark, das Coronavirus stelle aber ein zunehmendes Risiko dar, teilte die Fed mit. Im Lichte dieser Risiken und um die Ziele der Preisstabilität und der höchstmöglichen Beschäftigung zu erreichen, habe man entschieden, die Bandbreite des Leitzinses um einen halben Punkt auf 1,0 bis 1,25 Prozent zu senken.

Die Entscheidung fiel kurz nachdem die sieben wichtigsten Industriestaaten erklärt hatten, sich gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu stemmen. "Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern", erklärten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7. Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Maßnahmen zu ergreifen.

Zuvor hatte Mark Carney, Chef der britischen Notenbank, die Hoffnung auf Unterstützung durch die Währungshüter genährt. Man werde eine "kraftvolle und rechtzeitige" Antwort auf die Coronavirus-Krise geben. Die Zentralbanken seien dazu in engem Kontakt, sagte Carney am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss. "Es ist angemessen, eine Reaktion zu erwarten, die eine Kombination von haushaltspolitischen Maßnahmen und Zentralbank-Initiativen widerspiegelt".

Österreichs Notenbankgouverneur Robert Holzmann steht geldpolitischen Maßnahmen zurückhaltend gegenüber. Eine Änderung des Leitzinses hätte eher einen psychologischen Effekt, sei aber eine sekundäre Maßnahme. Vorrang hätten fiskalische Stimuli der Staaten, um die Konjunktur zu stützen. Auch bei Langfristkrediten für Banken seitens der EZB sieht Holzmann aber keine Eile. Am Mittwoch findet eine Telefonkonferenz der Finanzminister der 27 EU-Staaten und der Europäischen Zentralbank statt, um das Vorgehen zu koordinieren. Konkrete Maßnahmen sollen aber von den Mitgliedsstaaten selbst beschlossen werden.

In China will der Staat der Wirtschaft heuer Erleichterungen von 1000 Mrd. Yuan (knapp 130 Mrd. Euro) gewähren, etwa über geringere Sozialversicherungsbeiträge. Zudem wolle man die Steuerbelastung für Unternehmen um 510 Mrd. Yuan senken, zitierte Reuters einen hohen Beamten des Finanzministeriumin Peking.

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