Wirtschaft

Fiat Chrysler will 50/50-Zusammenschluss mit Renault

Der US-italienische Autokonzern Fiat Chrysler will mit dem französischen Traditionshersteller Renault fusionieren. Bei einem Zusammenschluss würde einer der größten Autokonzerne der Welt entstehen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. VW wollte die Ankündigung am Montag nicht kommentieren.

Die Firmen wollen einen weltumfassenden Konzern erschaffen SN/APA (AFP)/MARCO BERTORELLO/LOIC
Die Firmen wollen einen weltumfassenden Konzern erschaffen

Fiat Chrysler (FCA) schlägt nach eigenen Angaben vor, dass beide Unternehmensgruppen je die Hälfte an dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen halten. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von 5 Milliarden Euro.

Renault bestätigte, den Vorschlag erhalten zu haben. Der Renault-Verwaltungsrat signalisierte auch umgehend Interesse. "Der Verwaltungsrat hat nach sorgfältiger Prüfung des freundlichen FCA-Vorschlags entschieden, die Gelegenheit eines solchen Zusammenschlusses mit Interesse in Augenschein zu nehmen", teilte der französische Autobauer am Montag mit.

Der Plan könne die Position der Renault-Gruppe in der Industrie stärken und zusätzlichen Wert für die Allianz schaffen. Renault ist bereits in einem Bündnis mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi verbunden. Das französische Unternehmen erklärte weiter, die Ergebnisse der Prüfung würden zu gegebener Zeit mitgeteilt.

An den Börsen wurden die Pläne begrüßt. Die beiden Konzerne verbuchten am Vormittag ein teils deutliches Kursplus - aber auch andere Autowerte profitierten zunächst von den Fusionsplänen.

"Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde einen globalen Autohersteller schaffen, herausragend in Bezug auf Umsatz, Volumen, Rentabilität und Technologie sowie von Vorteil für die Anteilseigner der Unternehmen", teilte Fiat Chrysler weiter mit. Unerwartet kommt das Offert nicht: Es habe bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, um Produkte und Regionen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren, berichtete Fiat Chrysler.

Der französische Hersteller Renault ist seit langem mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi in einer Allianz verbunden. Zusammen verkauften sie im vergangenen Jahr 10,76 Millionen Fahrzeuge. Mit dem US-italienischen Autoriesen FCA kämen die Hersteller auf mehr als 15 Millionen. Sie würden damit deutlich Volkswagen (10,83 Millionen) überholen.

FCA führt unter anderen die Marken Alfa Romeo, Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep oder Maserati und hat rund 199.000 Beschäftige. Er begründete den angestrebten Zusammenschluss unter anderem mit den rasanten Veränderungen in der weltweiten Branche, Stichworte sind dabei Elektroautos oder das autonome Fahren.

Fiat Chrysler versicherte, es sollten keine Fabriken geschlossen werden. Als Vorteil werden auch die unterschiedlichen Stärken gesehen. Während Renault in Europa, Russland oder Afrika stark sei, sei FCA vor allem auf dem amerikanischen Kontinent verankert.

Renault wollte sich nach Informationen aus Japan enger an Nissan binden und strebte eine Fusion an. Nissan-Chef Hiroto Saikawa hatte aber unlängst deutlich gemacht, dass man einen Zusammenschluss für unnötig halte.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire drängte erst in der vergangenen Woche darauf, die Allianz zwischen Renault und Nissan zu festigen. "Wir brauchen solide, starke und gefestigte Industriekonzerne", hatte er gesagt.

Der französische Staat hat bei Renault ein gehöriges Wort mitzureden, denn er hält 15 Prozent der Anteile. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Nissan ist seinerseits zu 15 Prozent an Renault beteiligt.

"Das ist ein schlecht überlegter und schlecht gemachter Plan", schäumte am Montag ein Nissan-Vertrauter, gefragt nach der Reaktion auf das geplante Zusammengehen.

So richtig gut funktioniert hat die seit 1999 bestehende "Allianz" zwischen Renault und Nissan sowieso nicht mehr - nun rechnen Beobachter damit, dass sich die Partner noch weiter voneinander entfernen könnten.

"Nissan scheint nicht informiert worden zu sein", sagt der Analyst Satoru Takada von der Beratungsfirma TIW in Tokio. "Das ist unangenehm für sie und könnte unnötiges Misstrauen bei Nissan-Managern gegenüber Renault schaffen."

Die Fusionspläne mit Fiat Chrysler (FCA) platzen zudem in eine heikle Phase: Der Gewinn von Nissan sank im abgelaufenen Geschäftsjahr auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren, die Prognose für das laufende Jahr ist düster. Der ehemalige Verwaltungsratschef Carlos Ghosn wartet derzeit in Japan auf seinen Prozess - Nissan wirft ihm eine Vielzahl von Finanzdelikten vor, sein ehemaliger Ziehsohn Hiroto Saikawa machte sogar Ghosns "exzessive Investitionen" für die schlechten Zahlen mitverantwortlich.

Ghosn war die Klammer, die Renault und Nissan zusammenhielt. Seit seiner Verhaftung im November ist die Beziehung zwischen den Franzosen und den Japanern deutlich abgekühlt.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 23.09.2020 um 06:34 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/fiat-chrysler-will-50-50-zusammenschluss-mit-renault-70876453

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