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Fitch begrüßt stärkere Zentralbank, Nowotny nicht

Die Ratingagentur Fitch befürwortet eine stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Aufsicht über Europas Banken. Dies würde laut der Agentur die Koordination unter den einzelnen Staaten vereinfachen.

Fitch begrüßt stärkere Zentralbank, Nowotny nicht SN
„Ich denke nicht, dass es realistisch ist, in der EZB einen einzigen, einheitlichen Bankenaufseher zu etablieren“, sagt Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny. 

"Das könnte sicherstellen, dass die Regeln konsistent angewendet werden und die Regulierer in Krisenzeiten koordiniert reagieren können", erklärte Fitch am Montag in London. Damit könnte auch mehr Klarheit geschaffen werden, wann die EZB Banken mit Liquidität unter die Arme greifen dürfe. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche für eine zentrale europäische Bankenaufsicht unter Führung der EZB ausgesprochen. Nur bei einer einheitlichen Bankenaufsicht für die Euro-Zone soll der Euro-Rettungsfonds ESM Institute auch direkt mit Kapital versorgen können.

Doch sind Fitch zufolge, vor den geplanten Reformen noch zahlreiche Probleme zu lösen. So müssten die Aufseher die Eigenheiten der Bankensysteme in den verschiedenen Ländern weiterhin zulassen. Die große Frage sei, wie die EZB und die europäische Bankenaufsicht EBA sich die Arbeit teilten und wie die bisher nationalen Einlagensicherungssysteme umgestaltet werden müssten. Bisher hat die EBA allein den Auftrag zur Kontrolle von Europas Banken. Die Ratingagentur warnt auch vor neuen Risiken, wenn die EZB schnell die zusätzliche Aufgabe der Bankenaufsicht übernehmen solle. Sie habe schließlich nie als Aufsichtsbehörde fungiert.

Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hält eine Aufsicht über alle europäischen Banken unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) für nicht machbar. "Ich denke nicht, dass es realistisch ist, in der EZB einen einzigen, einheitlichen Bankenaufseher über Tausende Banken zu etablieren", sagte Nowotny am Montag in Wien. Er sei sich aber sicher, dass eine vernünftige Lösung gefunden werden könne. Die Staats- und Regierungschefs hatten beim EU-Gipfel vergangene Woche vereinbart, dass es künftig eine europaweite Aufsicht über die Banken geben soll - "unter Einbeziehung der EZB". Was das konkret bedeutet, ist allerdings noch völlig unklar.

Vielen Fachleuten erscheint es am realistischsten, dass die Notenbank in Zukunft die größten und wichtigsten Geldhäuser überwachen wird, während sich die nationalen Aufseher um den großen Rest der Institute kümmern. EZB-Direktor Jörg Asmussen hatten Ende Mai bereits einen Kreis von etwa 25 Instituten als so bedeutend eingeschätzt, dass sie den nationalen Aufsehern entzogen werden könnten.

Auch Nowotny äußerte sich in diese Richtung: "Auf jeden Fall werden die lokalen Aufseher, die lokalen Regulierer nationale Entscheidungen treffen, aber die internationale Kontrolle der Qualität (dieser Entscheidungen) könnte der EZB übertragen werden", sagte das EZB-Ratsmitglied. Derzeit besteht die Bankenaufsicht in Europa aus der in London ansässigen EBA, die allerdings keine Durchgriffsrechte auf staatlicher Ebene hat.

Quelle: Apa/Reuters

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