Wirtschaft

Frankreich erwartet noch stärkeren Konjunktureinbruch

Frankreich erwartet wegen der verlängerten Ausgangsbeschränkungen infolge der Coronakrise einen noch stärkeren Konjunktureinbruch und mehr neue Schulden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte heuer um acht Prozent fallen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire am Dienstag dem Sender BFM TV. Bisher war von einem Minus um sechs Prozent ausgegangen worden.

Bruno Le Maire sieht auch Rekord-Neuverschuldung SN/APA (AFP)/LUDOVIC MARIN
Bruno Le Maire sieht auch Rekord-Neuverschuldung

Steuerausfälle und Konjunkturprogramme dürften zugleich die Neuverschuldung der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone in Rekordhöhe treiben. Das Staatsdefizit werde bei neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, sagte Haushaltsminister Gerald Darmanin. "Ein solches Defizit hat unser Land seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie erlebt", sagte er dem Sender France Info. Bisher waren die Planungen von minus 7,6 Prozent ausgegangen.

Frankreich hatte zuvor die wegen der Pandemie geltenden Ausgangsbeschränkungen um vier Wochen verlängert. Bis 11. Mai müssten sich die Bürger noch an die derzeit geltenden Regeln halten, hatte Präsident Emmanuel Macron am Montagabend gesagt. Seit dem 17. März dürfen die Franzosen Häuser und Wohnungen nur verlassen, um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen, Lebensmittel zu kaufen oder allein im Freien etwas Sport zu treiben.

"Die Eindämmungsmaßnahmen sind länger, als man hätte voraussehen können", sagte Le Maire. "Offensichtlich werden sie sich stärker auf unser Wachstum auswirken." Trifft seine Konjunkturprognose zu, würde die Krise Frankreich wirtschaftlich viel stärker treffen als etwa Deutschland: Die führenden Institute sagen Europas größter Volkswirtschaft 2020 einen nur etwa halb so starken Konjunktureinbruch von 4,2 Prozent voraus.

Die französische Regierung hat jüngst ihr Antikrisenpaket auf mindestens 100 Milliarden Euro mehr als verdoppelt und will notfalls nachlegen. "Wenn wir mehr tun müssen, dann werden wir mehr tun", sagte Le Maire. "Wir werden da sein." Das Paket erlaubt es Firmen, die Zahlung von Milliarden an Steuern und Lohnnebenkosten aufzuschieben. Ein Solidaritätsfonds von sieben Milliarden Euro steht für Kleinunternehmen bereit. Er wurde bereits von 900.000 Firmen in Anspruch genommen. Le Maire forderte auf große gewerbliche Immobilienbesitzer auf, ihren Teil zur Krisenbewältigung beizutragen. Diese könnten und sollten mehr tun, "um denen zu helfen, die ihre Mieten nicht bezahlen können", sagte der Minister.

Quelle: Apa/Ag.

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