Wirtschaft

Fusion von Deutscher-Telekom-US-Tochter steht bevor

Für die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US ist nach Reuters-Informationen eine Fusion mit dem Konkurrenten Sprint im dritten Anlauf zum Greifen nah. Die beiden Mobilfunkanbieter wollten die Transaktion bereits am Sonntag bekanntgeben, sagten am Freitag mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Verhandlungen seien kurz vor dem Abschluss. Sie könnten aber noch in letzter Minute scheitern, wenn der Deutschen Telekom keine endgültige Einigung mit der japanischen Sprint-Mutter Softbank gelingen sollte.

Vorsicht ist angebracht: T-Mobile US und der kleinere Rivale Sprint haben bereits zwei Mal versucht, einen Zusammenschluss zu vereinbaren. Erst im November war ein Anlauf fehlgeschlagen. Grund waren Unstimmigkeiten über die Machtverhältnisse in einem gemeinsamen Unternehmen.

Den Insidern zufolge zeichnet sich nun ab, dass die Deutsche Telekom an dem kombinierten Konzern etwas mehr als 40 Prozent hält. Zugleich solle sie aber die Stimmrechtskontrolle haben und könne damit die neue Gesellschaft in der Bilanz behalten. Für die Telekom ist das wichtig, schließlich hat sich das US-Geschäft zu einem Umsatzgaranten entwickelt. Bisher ist der Bonner Konzern mit 63 Prozent an T-Mobile US beteiligt. Softbank hält 84,7 Prozent an Sprint.

Aus einem Zusammenschluss entstünde ein Konzern mit mehr als 127 Millionen Kunden, der den beiden US-Platzhirschen Verizon und AT&T deutlicher stärker auf den Leib rücken würde. Allerdings könnte das Geschäft noch von den Wettbewerbshütern blockiert werden. Ein erster Fusionsversuch wurde 2014 abgeblasen, nachdem die Regierung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama Kartellbedenken angemeldet hatte.

Den Insidern zufolge könnte Sprint im Zuge des Deals mit 26 Milliarden Dollar (21,54 Mrd. Euro) bewertet werden. Am Freitag schoss der Aktienkurs der Firma um mehr als acht Prozent in die Höhe. Der Börsenwert von T-Mobile US stieg um 0,7 Prozent auf 55 Milliarden Dollar.

Die beiden US-Mobilfunkanbieter und ihre Mutterkonzerne wollten keine Stellungnahmen zu den Informationen abgeben.

Analysten schätzen die Wahrscheinlichkeit diesmal höher ein, dass die Fusion über die Bühne geht. Eine Verbindung würde beiden Unternehmen auch zu einer besseren Position beim Aufbau der Netze für die Zukunftstechnologie 5G verhelfen. Dafür werden hohe Investitionen fällig.

Sprint besitze große Anteile des für das künftige 5G-Netz wichtigen 2,4-Gigahertz-Frequenzbands, sagte Analyst Bill Menezes vom Marktforscher Gartner. Gemeinsam könnten die Firmen ihren 5G-Aufbau deutlich beschleunigen. Ein solches Netz wird benötigt, damit riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit Milliarden Geräte vernetzt werden können. Das ist beispielsweise in der Industrie 4.0 und dem autonomen Fahren nötig.

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