Wirtschaft

GameStop-Aktie setzt Höhenflug fort - Buffett-Vize warnt vor "Exzessen"

Nach der spektakulären Spekulationsschlacht zwischen Hobby-Anlegern und Hedgefonds schien die Luft bei GameStop raus. Nun geht die Aktie plötzlich wieder durch die Decke. Warren Buffetts Stellvertreter Charlie Munger sieht eine "irritierende Blase" am Finanzmarkt.

Die Aktie des Videospielehändlers GameStop schoss wieder in die Höhe. SN/ap
Die Aktie des Videospielehändlers GameStop schoss wieder in die Höhe.

Die Aufregung um den kriselnden Videospielehändler GameStop findet am US-Finanzmarkt kein Ende. Nach starken Verlusten in den Vorwochen verdoppelte sich der Aktienkurs des zum Spielball von Spekulanten gewordenen US-Unternehmens am Mittwoch in etwa, ohne dass auf Anhieb ein klarer Grund ersichtlich gewesen wäre. Am Donnerstagmorgen lagen die in Frankfurt gehandelten Titel mit 125 Euro mehr als dreimal so hoch wie zum Schlusskurs am Vorabend bei 40 Euro. Auch im US-Handel hatte die GameStop-Aktie schon deutlich an Wert gewonnen, der Handel mit ihr war mehrmals angehalten worden. Im nachbörslichen Geschäft war sie um 85 Prozent gestiegen. Auch andere bei der Online-Plattform Reddit häufig genannte Aktien nutzten den Rückenwind des jüngsten GameStop-Anstiegs und legten deutlich zu: So kletterten die Papiere des Kinobetreibers AMC Entertainment in Frankfurt um 41 Prozent.

GameStop im Höhenflug: Kleinanleger treiben Kurse in die Höhe

Tatsächlich steckt GameStop eigentlich schon länger in der Krise, doch angetrieben von im Internet organisierten Hobby-Anlegern hatten die Aktien der Firma im vergangenen Monat eine atemberaubende Rally hingelegt - die SN berichteten.

Das wiederum brockte einigen Hedgefonds, die auf einen Kursverfall gewettet hatten, milliardenschwere Verluste ein Ende Jänner hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht, doch der Höhenflug war rasch wieder vorbei. Die Kursturbulenzen rund um GameStop und einige andere Unternehmen an den US-Börsen hatten bereits ein Nachspiel, das weiter andauert. US-Behörden untersuchen die Vorfälle und ermitteln wegen möglicher Marktmanipulationen.

Analysten stocherten im Nebel bei der Suche nach den Gründen für die jüngste GameStop-Kursrallye. Einer schloss einen sogenannten Short Squeeze im großen Stil aus, der im Jänner den Kurs angetrieben hatte. Dabei steigen die Kurse deutlich an, wenn Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt haben, ihre Wetten zur gleichen Zeit auflösen und die Papiere nachkaufen. Es handle sich bei dem Kurssprung nun vor allem um langfristige Käufe mit einigen Deckungskäufen, sagte Ihor Dusaniwsky von der Analysefirma S3 Partners.

Finanzchef von GameStop zurückgetreten

Andere Börsianer verwiesen auf den einen Tag zuvor angekündigten Abgang von Gamestop-Finanzchef Jim Bell. Das sei ein Signal für eine andere Geschäftsstrategie, urteilte Analystin Stephanie Wissink von Jefferies Research. Selbst das Twitter-Foto eines GameStop-Großaktionärs mit einer Eistüte und einem Frosch-Emoji löste Spekulationen aus über eine möglicherweise verborgene Botschaft seines Tweets. "Ich weiß nicht, was ein Eis bedeutet", sagte Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities. "Die Leute suchen nach Signalen."

Buffett-Vize Charlie Munger kritisiert "irritierende Blase"

Angesichts der Zustände an den US-Börsen warnte der langjährige Partner des legendären Staranlegers Warren Buffett, Charlie Munger, vor Exzessen.

Der Vizechef von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway sieht die jüngsten Turbulenzen am US-Finanzmarkt offenbar mit großer Sorge. Kurskapriolen wie bei den Aktien von GameStop seien Anzeichen einer "irritierenden Blase", die irgendwann einmal ein böses Ende nehmen müsse, sagte der 97-Jährige am Mittwoch bei der jährlichen Hauptversammlung des US-Medienkonzerns Daily Journal Corporation.

Charlie Munger, Vize von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway, sieht eine „irritierende Blase“ am Finanzmarkt. SN/ap
Charlie Munger, Vize von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway, sieht eine „irritierende Blase“ am Finanzmarkt.

Börsen-Altmeister Munger hält vom GameStop-Hype indes gar nichts. Der Spekulationsrausch offenbare, so seine Kritik, eine gefährliche neue Kultur, bei der Menschen von Billig-Brokern wie Robinhood ermutigt würden, wie bei Pferdewetten mit Aktien zu zocken. Die vor allem bei jüngeren Anlegern beliebte Discount-Broker geriet nun ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem die Tatsache, dass Robinhood den Handel mit heißgelaufenen Aktien wie denen von GameStop während der Kursexplosion im vergangenen Monat so beschränkte, dass diese nur noch verkauft werden konnten, sorgte für viel Ärger. Den Verdacht von Absprachen mit Hedgefonds wies Robinhood jedoch entschieden zurück.

Auch Bitcoin und Tesla erleben Hoch an der Börse

Charlie Munger übte nun ebenfalls heftige Kritik an Robinhood, aber nicht wegen der Handelsbeschränkungen, sondern weil er die App eher für eine Art Glücksspiel-Anbieter als für einen seriösen Broker hält. Robinhood betreibe ein "dreckiges" Geschäft, bei dem Nutzer mit Gebührenfreiheit gelockt würden, während das Unternehmen für die Vermittlung ihrer Transaktionen Geld von Wall-Street-Akteuren erhalte und deshalb zu möglichst viel und auch riskantem Handel ermutige.

Den Höhenflügen des Elektroautobauers Tesla und der digitalen Währung Bitcoin kann der Buffett-Vize auch nichts abgewinnen. Er wisse nicht, welche Kursrally er schlimmer finde, sagt Munger. Der Bitcoin tauge wegen seiner starken Kursschwankungen nicht als Zahlungsmittel. Tesla-Chef Elon Musk ist großer Fan von Kryptodevisen, das Unternehmen hatte zuletzt für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft und den Kurs der bekanntesten Digitalwährung so weiter befeuert.

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