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Großfusion in Zigarettenbranche - Lucky Strike will Camel

In der Tabakindustrie bahnt sich eine Elefantenhochzeit an: Der britische Konzern British American Tobacco (BAT) will sich den US-amerikanischen Camel-Hersteller Reynolds American einverleiben. BAT hält bereits 42,2 Prozent an Reynolds und bietet für die übrigen Anteile 47 Mrd. Dollar (42,8 Mrd. Euro). Die Fusion würde laut BAT den größten börsennotierten Tabakkonzern der Welt entstehen lassen.

Großfusion in Zigarettenbranche - Lucky Strike will Camel SN/APA (dpa/Symbolbild)/Nicolas Arm
Lucky Strike würde Camel schlucken.

Zu BAT gehören unter anderem die Marken Lucky Strike, Dunhill und Kent. Reynolds produziert neben Camel- auch Newport-Zigaretten. Die Kombination der beiden Unternehmen stärke das Geschäft für die Zukunft, betonte BAT-Chef Nicandro Durante

Durch die Komplettübernahme würde BAT nach eigenen Angaben "eine Spitzenposition auf dem US-Tabakmarkt" bekommen. Auch die Präsenz in Schwellenländern in Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien würde sich verbessern. Die meisten internationalen Tabakkonzerne richten ihre Tätigkeit zunehmend auf diese Länder aus, um die nachlassende Nachfrage in Westeuropa auszugleichen.

BAT erhofft sich außerdem bessere Geschäfte mit E-Zigaretten, deren Verkaufszahlen in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen sind. Reynolds hatte im vergangenen Jahr den Konkurrenten Lorillard übernommen, der auch E-Zigaretten produziert.

Die von BAT gebotenen 56,60 Dollar pro Aktie entsprechen einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Reynolds-Schlusskurs am Donnerstag. Die Gesamtsumme von 47 Mrd. Dollar soll sich den Angaben zufolge zusammensetzen aus 27 Mrd. Dollar in BAT-Aktien und 20 Mrd. Dollar in bar.

Formale Gespräche zwischen beiden Firmen über die mögliche Fusion gab es bisher nicht. Die US-Gesetze verpflichteten BAT, das Offert zur Komplettübernahme sofort öffentlich zu machen, nachdem sie dem Reynolds-Management übermittelt worden war.

BAT steigerte seinen bereinigten Umsatz in den ersten neun Monaten um gut acht Prozent, während der Absatz der wichtigsten Marken um fast zehn Prozent wuchs, wie das Unternehmen mitteilte. Das BAT-Geschäft läuft demnach rund, obwohl die Branche immer strengere staatliche Auflagen zum Gesundheitsschutz zu spüren bekommt. So müssen die Hersteller in der EU Schockbilder auf Zigaretten- und Tabakpackungen anbringen, die vom Rauchen abschrecken sollen.

Durch gestiegene Tabaksteuern und Rauchverbote ist der Zigarettenabsatz in Deutschland und anderen europäischen Ländern in den vergangenen Jahren eingebrochen. 2015 verkaufte BAT nach eigenen Angaben in Westeuropa 23 Milliarden Zigaretten - 17 Prozent weniger als 2011. In Bayreuth stellte der Konzern im Sommer seine Zigarettenproduktion ein und strich 950 Stellen.

BAT-Aktien notierten am Freitag 2,8 Prozent fester. Im Jahresverlauf hat die Aktie sich um 27 Prozent verteuert, bei Reynolds betrug das Plus 2,2 Prozent.

Quelle: Apa/Ag.

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