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Ifo-Chef warnt vor Gefahr eines italienischen Euro-Austritts

Ifo-Chef Clemens Fuest warnt wegen der Regierungskrise in Italien vor der Gefahr eines Euro-Austritts des hoch verschuldeten Landes. "Wir müssen befürchten, dass eine Regierung ins Amt kommt, die Italien dann aus dem Euro herausführt, weil die Italiener keine Perspektive innerhalb der Einheitswährung mehr sehen", sagte der Wirtschaftsforscher der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag.

Ifo-Chef warnt vor Gefahr eines italienischen Euro-Austritts SN/APA (Helmut Fohringer)/HELMUT FO
Wieder einmal Bangen um ein Mitgliedsland der Eurozone.

Zudem bestehe das Risiko, dass auch in anderen Ländern das Vertrauen in den Euro erodiere. "Die Ansteckungsgefahr ist groß." Könne sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nicht in der Gemeinschaftswährung halten, würden Investoren auch bei anderen Krisenländern nervös.

Eine kurzfristige Refinanzierungskrise drohe Italien dank der Unterstützung durch die Europäische Zentralbank nicht, sagte der Präsident des Münchner Instituts. Auch keine ungeregelten Bankenzusammenbrüche. Es drohe aber eine Verschärfung der Wirtschaftskrise, ein Einschlafen der Reformen und eine Blockade der Sanierung des angeschlagenen Bankensektors. Das könne längerfristig dazu führen, dass die Staatsverschuldung vollends untragbar werde.

Es sei nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum und dem angekündigten Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi auch damit zu rechnen, dass der Euro unter Druck gerate, sagte Fuest der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Europa insgesamt stehe vor großen Belastungen. "Ich sehe die Gefahr, dass Europa sich auseinanderentwickelt." Der Brexit, das Gefälle zwischen Nord- und Südeuropa sowie Differenzen mit osteuropäischen EU-Staaten seien gefährliche Entwicklungen.

Die Eurogruppe macht sich unterdessen offensichtlich keine allzu große Sorgen wegen der Lage in Italien. Die Stimmung in der Währungsunion sei "eigentlich sehr gut" gewesen. Es "war auch nicht beunruhigend, wenn man sich ansieht, dass die erwarteten Crashes an den Finanzmärkten nicht eingetreten sind", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) Dienstag vor Beginn des ECOFIN.

Er bekräftigte in Brüssel, dass die Finanzmärkte das Nein zum Referendum in Italien bereits eingepreist hätten. "Gestern hat es eine Riesensteigerung für den Euro gegeben, obwohl er die letzten Tage eher nach unten gegangen ist. Das deutet doch auf ein Einpreisen hin."

Natürlich stelle sich die Frage, wie es weiter gehe. Reformen in Italien seien weiterhin dringend erforderlich. Mit dem Referendum hätte dies beschleunigt werden sollen. Aber auch nach dem Scheitern "bin ich überzeugt, dass die konstruktiven Kräfte in Italien weiterhin an Reformen interessiert sind".

Zur Lage der italienischen Banken stellte Schelling fest, er kenne die Zahlen nicht im Detail. Ob eine Rettung der Monte dei Paschi möglich sei, beantwortete der Minister damit, dass dies "durchaus möglich" sei. Die Italiener hätten die "non performing loans (Schrottpapiere, Anm.) ausgegliedert und den Banken dadurch mehr Spielraum verschafft. Daher sehe ich hier nicht die ganz große Problematik."

Schelling: "Wir in Österreich haben auch ein Bankenproblem mit der Hypo Alpe Adria gehabt. Jetzt läuft die Rückkaufaktion. Wir haben das Problem im Griff und gelöst. Alle anderen werden das auch tun müssen. Daher muss die politische Handlungsfähigkeit gegeben sein, und die muss Italien herstellen".

Quelle: Apa/Ag.

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