Wirtschaft

Im Westen wächst Angst vor russischem Gas-Lieferstopp

Der Kreml hat Befürchtungen in Westeuropa zurückgewiesen, dass Russland im Fall von Sanktionen den Gashahn zudrehen könnte. "Russland hat in den schwierigsten Momenten der Konfrontation zwischen Ost und West seine Vertragsverpflichtungen tadellos erfüllt", ließ der Kreml über seinen Sprecher Dmitri Peskow verlauten. Die Ukraine warnt unterdessen vor einem weiteren Anstieg der Gaspreise, falls die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb geht.

Ukraine warnt vor Nord Stream 2 SN/APA/dpa/Stefan Sauer
Ukraine warnt vor Nord Stream 2

"Russland hat noch nie einen Grund gegeben, an seiner Zuverlässigkeit zu zweifeln", sagte der Kreml-Sprecher am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Moskau betont immer wieder, dass auch im Kalten Krieg in der Konfrontation zwischen Sowjetunion und Bundesrepublik das Gas immer geflossen sei. Russland reagierte damit in der Debatte über neue Sanktionen auf Medienberichte, wonach auch ein Gas-Lieferstopp drohen könnte. Peskow bezeichnete dies als "Hysterie" und "Unterstellungen". Der Westen hat Moskau mit Konsequenzen gedroht, sollte Russland in die Ukraine einmarschieren. Russland weist solche Pläne fast täglich zurück.

Unterdessen versucht die Ukraine die Stimmung gegen Russland weiter anzuheizen. Der Chef des ukrainischen Pipeline-Betreibers Gas TSO, Sergiy Makogon, warnte vor einem weiteren Anstieg des Gaspreises, falls die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 genehmigt werden und in Betrieb gehen sollte. Aktuell seien die ukrainischen Pipelines trotz der hohen Preise in Europa nur zu 20 Prozent ausgelastet, sagte Makogon. Russland schicke "so wenig Gas wie möglich." Gazprom bezahle für den Transit von 110 Millionen Kubikmetern pro Tag, transportiere aber nur 50 Millionen. "Das ergibt keinen Sinn, wenn die Gasproduktion in Russland gestiegen ist und die Nachfrage nach Gas in Europa sehr hoch ist."

Tatsächlich sind die russischen Gaslieferungen nach Westen in den vergangenen Wochen deutlich zurückgefahren worden. Der Großteil fließt über den bereits bestehenden Teil der Nord-Stream-Leitung - am Montag waren es 158 Mio. Kubikmeter, nach rund 170 Mio. Kubikmetern kurz vor Weihnachten, wie aus Daten des europäischen Think Tanks Bruegel hervorgeht. Besonders stark zurückgefahren hat Russland den Gas-Transit über die Ukraine, von 109 Mio. Kubikmetern am 22. Dezember 2021 auf zuletzt 47,6 Mio. Kubikmeter pro Tag. Leicht reduziert wurde auch die Liefermenge über die Pipeline Turkstream, von 46,6 auf zuletzt knapp über 36 Mio. Kubikmeter. Über die Yamal-Pipeline durch Weißrussland werden nur noch 5,1 Mio. Kubikemter Gas pro Tag geliefert, vor Weihnachten waren es noch mehr als 20 Mio. Kubikmeter.

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