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Insolventer Stromanbieter Care Energy führt Betrieb weiter

Knapp einen Monat nach dem Tod von Firmengründer Martin Kristek ist der deutsche Stromanbieter Care Energy pleite. Über die Care Energy AG, die Care-Energy-Holding GmbH und die Care-Energy Management GmbH wurden am Freitag Insolvenzverfahren eröffnet, wie aus dem Justizportal des Bundes und der Länder in Deutschland hervorgeht. Zuerst hatte am Samstag das "Handelsblatt" berichtet.

Der Rechtsanwalt Jan Wilhelm wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Care Energy versorgt nach Angaben des Unternehmens noch rund 12.500 Kunden in Deutschland mit Strom und 2000 mit Gas sowie 12.900 Kunden in Österreich mit Strom. Der Geschäftsbetrieb werde im vorläufigen Insolvenzverfahren fortgesetzt und die Kunden weiterhin beliefert. Von der Insolvenz betroffen seien mehr als 100 Mitarbeiter in Deutschland und Österreich, die meisten davon an den Standorten Hamburg und Bremen. Die Gehälter seien für die kommenden drei Monate gesichert. 

"Vorrangiges Ziel des Insolvenzverfahrens ist es, nach Möglichkeit einen Geschäftsbetrieb im Energiebereich auf Basis der Zusammenarbeit der drei Unternehmen fortzusetzen", erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Wilhelm. "Dabei gilt es, die Unternehmen zu restrukturieren und zu sanieren." 

Nach dem Tod von Kristek am 21. Jänner seien Marc März und Abdelmajid Tareq als Notgeschäftsführer für Unternehmen der Gruppe ernannt worden und hätten nach Einblick in die Zahlen die Insolvenz angemeldet. Der Unternehmensgründer war alleiniger Geschäftsführer gewesen. Die drei Unternehmen könnten nicht wie vorgeschrieben 90 Prozent der bestehenden Forderungen aus liquiden oder kurzfristig zu beschaffenden Geldmitteln decken. 

Das Unternehmen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Kristek lag mit Stromnetzbetreibern, der Bundesnetzagentur sowie Verbraucherzentralen im Clinch. Er warf den Netzbetreibern vor, Stromversorger mit falschen Zahlen zu versorgen, und der Netzagentur, die Betreiber nicht zu kontrollieren.

Zudem hatte Kristek eine verschachtelte und intransparente Unternehmenskonstruktion gefunden, mit der er meinte, als "Energiedienstleister" und nicht als Versorger aufzutreten und damit keine EEG-Umlage zahlen zu müssen. Damit konnte er sich bei der Bundesnetzagentur nicht durchsetzen.

Care Energy war in eine Vielzahl von gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden, Behörden und Lieferanten verwickelt. Umstritten waren auch Abrechnungen und Forderungen an Kunden. Bei Facebook und im Internet fanden sich Betroffene zusammen , die seitenweise Vorwürfe gegen Care Energy verbreiteten.  

Im Sommer 2016 hatte sich die Auseinandersetzung verschärft: Die AG kündigte nach eigenem Bekunden ihren Vertrag mit dem Netzbetreiber Tennet fristlos wegen falscher Mengenprognosen. Im Zuge des Streits wechselten angesichts von Vertragskündigungen automatisch tausende Kunden zum Grundversorger ihrer Region.

Auch der Netzbetreiber 50Hertz stellte die Belieferung von Care Energy wegen fehlender Zahlungen ein. AG-Chef Marco Wiebelt sprach damals von einem Verlust von 75 Prozent der Kunden. Zu vorherigen Spitzenzeiten sollen 200.000 Kunden von Care-Energy-Firmen mit Strom versorgt worden sein.

Quelle: Apa/Dpa

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