Wirtschaft

"Kein Staat kann Bitcoin stoppen"

Warnungen sind verallgemeinernd, sagen Experten der Kryptowirtschaft.

 SN/ bitcoin austria

Johannes Grill bedauert als Präsident von Bitcoin Austria, dass es beim Thema Kryptowährungen viele Fehlinformationen gibt. Zur Vorsicht mahnt aber auch er.

Ist Bitcoin nur eine Blase? Grill: Das ist eine Frage des Zeithorizonts. Die jüngsten Entwicklungen beim Kurs sind blasenartig. Wenn sich etwas innerhalb eines Jahres verzehnfacht oder verzwölffacht, dann kann auch wieder Luft rausgehen. Aber die Entwicklung von Bitcoin über acht, neun Jahre hinweg zeigt, da steckt fundiert etwas dahinter.

Genau das wird aber angezweifelt. Hat Bitcoin nur einen Preis oder auch einen inneren Wert? Der innere Wert ist der wahre Nutzen von etwas. Bei Gold ist es der industrielle Nutzen, der Schmuck-Nutzen und der abgeleitete Nutzen wie die Wertaufbewahrung. Beim Bitcoin-System ist der eigentliche Nutzen die Technologie, die uns einen Werttransfer im Internet ermöglicht, ohne dass man eine dritte Partei dazu braucht.

Ob man das als Währung oder Geld bezeichnet, ist eine theoretisch wissenschaftliche Diskussion. In der Praxis kann ich aber mit Bitcoin Werttransfer machen. Das ist der innere Wert. Der Kurs, der eigentliche Preis, ist eine Mischung aus all dem, was die Menschen in Bitcoin projizieren. Die einen sind nur Spekulanten, die anderen finden es spannend, weil bei Bitcoin aufgrund der Mengenbeschränkung keine Inflation möglich ist, und wieder andere sehen Innovationspotenzial. Die Summe dieser Marktteilnehmer ergibt einen Preis.

Haben die Warner vor Bitcoin Unrecht, wollen sie nur ihre eigenen Geschäftsmodelle schützen? Dass man vor Bitcoin warnt, ist verallgemeinernd. Aber selbst wir als Bitcoin Austria weisen die Menschen darauf hin, dass es hier ein hohes Risiko gibt. Bitcoin ist ein hoch volatiler Wert. Diese Warnungen von Finanzmarktaufsicht und Banken sind berechtigt. Ich sehe auch, dass viele Menschen, die bisher ein Sparbuch und einen Bausparvertrag hatten, in Bitcoin investieren und auf schnelles Geld hoffen. Da gibt es viel Naivität und fehlendes Wissen. Warnungen sind berechtigt. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man in einem Atemzug vor Bitcoin, Betrügereien und illegalen Aktivitäten warnt.

Aber die gibt es im Bitcoin-System, oder nicht? Ja schon. Aber wenn ich vor strafrechtlichen Delikten warne und gleichzeitig vor Bitcoin, weil man das damit machen kann, dann müsste ich auch vor dem Euro warnen, weil mit dem Euro kann ich auch Drogen kaufen und betrügen. Und wegen rechtlicher Unklarheiten versuchen Menschen mit schlechten Absichten, Graubereiche bewusst auszunutzen und möglichst viel Geld abzusaugen. Die Verfolgungsbehörden haben mittlerweile aber das Know-how, Geldflüsse nachzuvollziehen. Bitcoin ist nicht anonym, ich kann zwar eine elektronische Geldbörse erstellen, ohne mich zu identifizieren, aber durch die Nutzung erzeuge ich so viele Daten, dass Behörden auf mich Rückschlüsse ziehen können. Das ist ungefähr so anonym wie Internetsurfen.

Fordern Sie eine Regulierung für Bitcoin? Für den Wirtschaftsstandort wäre es höchst attraktiv, wenn wir klare rechtliche Rahmenbedingungen für Kryptobusiness hätten. Zum Beispiel ist bei vielen Dingen nicht klar, ob die FMA zuständig ist, oder ob es sich nur um ein 08/15-Handelsgeschäft handelt. Ein Graubereich ist auch die Unternehmensfinanzierung, da sind wir schnell bei den ICOs (Initial Coin Offering, unregulierte Methode des Crowdfundings, Anm.). Das ist sehr innovativ, aber hier wird viel Missbrauch getrieben. Der Standort Österreich könnte damit punkten, wenn man hier schnell und sinnvolle Regeln erlässt. Zu Tode regulieren bringt aber nichts.

Staaten wie Korea oder China wollen Kryptowährungen verbieten. Besorgt Sie das? Kein Staat der Welt kann Bitcoin wirklich stoppen. Das ist bei einem dezentralen System schwierig. Aber man kann es erschweren, dass etwa Bitcoins in Yuan und retour getauscht werden.

Was ist Bitcoin überhaupt? Lesen Sie hier weiter.

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Aufgerufen am 20.08.2018 um 10:28 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/kein-staat-kann-bitcoin-stoppen-24026590

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