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Kluft zwischen Arm und Reich in der Eurozone gewachsen

Die Schere zwischen Arm und Reich in der Euro-Zone ist einer EZB-Studie zufolge im Zuge der Schuldenkrise weiter auseinandergegangen. Die reichsten fünf Prozent der Privathaushalte im Währungsraum bauten von 2010 bis 2014 ihren Anteil am Nettovermögen von 37,2 auf 37,8 Prozent aus, während vor allem ärmere Familien Einbußen hinnehmen mussten, wie eine am Freitag veröffentlichte EZB-Umfrage ergab.

Realer Rückgang des Median-Vermögens in Österreich.  SN/APA (Gindl)/BARBARA GINDL
Realer Rückgang des Median-Vermögens in Österreich.

In ihrer Erhebung befragte die Europäische Zentralbank überwiegend im Jahr 2014 rund 84.000 Privathaushalte aus 18 Euro-Ländern sowie aus Polen und Ungarn nach ihren Vermögensverhältnissen. Die vorangegangene Erhebung hatte zu großen Teilen im Jahr 2010 stattgefunden.

Aus der Umfrage geht hervor, dass die Euro-Schuldenkrise in vielen Ländern bei den Haushalten tiefe Spuren beim Nettovermögen hinterlassen hat. So besaß 2014 der mittlere Privathaushalt in der Währungsgemeinschaft, der die reichere Hälfte von der ärmeren Hälfte der Haushalte trennt (Median), ein Nettovermögen von 104.100 Euro. Das liegt zehn Prozent unter dem Wert aus 2010. In von der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Ländern waren die Einbußen besonders herb.

In Österreich stieg das Median-Vermögen (die Hälfte der Haushalte hat mehr, die Hälfte weniger) zwischen 2010 und 2014 um zwei Prozent von 84.200 auf 85.900 Euro. Das ist deutlich unter der Teuerungsrate und bedeutet damit real einen Rückgang. Das Durchschnittsvermögen ging von 291.800 auf 258.400 Euro zurück.

In Portugal schrumpfte das mittlere Vermögen von 2010 bis 2014 um mehr als 16 Prozent auf 71.200 Euro - in Griechenland brach es von 2009 bis 2014 sogar um rund 40 Prozent auf 65.100 Euro ein. Zuwächse verzeichnete dagegen Deutschland: Hier stieg das Nettovermögen um zehn Prozent auf 60.800 Euro.

Insgesamt nahm im Zeitraum 2010 bis 2014 die Ungleichheit in der Vermögensverteilung leicht zu. Das entsprechende Barometer, der sogenannte Gini-Index, stieg laut EZB von 68,0 auf 68,5 Prozent. Bei 100 Prozent würde nur ein Haushalt sämtliches Nettovermögen besitzen.

Die EZB hat auch die Entwicklung der Haushaltseinkommen untersucht. So hat in Österreich das Median-Einkommen nominell stagniert - es lag 2014 bei 35.700 Euro nach 35.600 Euro 2010. Das Durchschnittseinkommen der Haushalte fiel von 48.400 auf 43.300 Euro.

Quelle: Apa/Ag.

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