Wirtschaft

Lagarde wird Zentralbank aus dem "Elfenbeinturm" holen

Die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde wird nach den Worten von Zentralbank-Vize Luis de Guindos für mehr Bodenständigkeit in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit sorgen. "Zentralbanker haben manchmal in einem Elfenbeinturm gearbeitet", sagte de Guindos der spanischen Tageszeitung "El Pais". Lagarde kenne sich mit den politischen Mechanismen der Eurozone gut aus.

Die neue EZB-Chefin will die Zentralbank "bodenständiger" machen SN/APA (AFP)/JOHN THYS
Die neue EZB-Chefin will die Zentralbank "bodenständiger" machen

Die künftige EZB-Präsidentin war früher Chefin des Internationalen Währungsfonds und davor Finanzministerin Frankreichs. De Guindos, der frühere selbst spanischer Finanzminister war, betonte: "Die Entscheidungsträger der EZB müssen den Kontext verstehen, fundierte Entscheidungen treffen auf Basis der Alternativen und angemessen kommunizieren."

Lagarde wird ab November die erste Frau an der Spitze der Euro-Notenbank sein. Zudem sitzt mit ihr erstmals jemand auf dem EZB-Chefsessel, der kein gelernter Ökonom ist. Lagarde kündigte bereits an, den Zwist in der Zentralbank über die jüngsten Schritte zur Lockerung der Geldpolitik überwinden zu wollen. "Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". De Guindos rief alle Ratsmitglieder dazu auf, Zinsentscheidungen zu unterstützen, nachdem diese getroffen worden seien. Es trage nicht zur Wirksamkeit der Geldpolitik bei, wenn darüber öffentlich gestritten werde, mahnte er.

Wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche hatte die EZB unter Führung ihres scheidenden Präsidenten Mario Draghi vergangenen Monat ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg gebracht. Der Einlagezins wurde auf minus 0,5 Prozent gesenkt, es wurden erneute Anleihenkäufe im monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro beschlossen und Erleichterungen für Banken auf den Weg gebracht. Mehrere Ratsmitglieder hatten in den Tagen danach ihre Kritik an Teilen des Pakets öffentlich gemacht. Neben Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gehörten dazu auch die Notenbankchefs der Niederlande und Frankreichs, Klaas Knot und Francois Villeroy de Galhau. De Guindos verteidigte in dem Interview das Paket als Ganzes.

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