Wirtschaft

Lieferengpässe bei Vanille und schlechtere Qualität

Rund drei Monate vor dem Eintreffen der neuen Vanille-Ernte aus dem Hauptexportland Madagaskar gibt es Lieferprobleme bei dem begehrten Gewürz.

Der Anteil des aromahältigen Vanillin in den Schoten hat sich in den vergangenen Jahren stark verringert. SN/fotolia/13711447
Der Anteil des aromahältigen Vanillin in den Schoten hat sich in den vergangenen Jahren stark verringert.

"Im Moment ist Vanille knapp", berichtete der deutsche Vanille-Importeur und Großhändler Berend Hachmann aus Hamburg. Beliefert würden derzeit nur noch Stammkunden, so dass es in den Supermärkten zu Engpässen kommen könne. Die im Ursprungsland derzeit angebotenen Vanille-Qualitäten neigten oft zur Schimmelbildung. "Das wollen wir unseren Kunden nicht anbieten", sagte Hachmann.

Ausgerechnet der seit Jahren anhaltende Anstieg der Vanillepreise ist nach Ansicht von Experten für die Qualitätsmängel verantwortlich. Als Reaktion darauf und aus Angst vor Diebstählen werde Vanille oft viel zu früh geerntet, hieß es. Der Chef der Vanille-Exporteure aus Madagaskar, Georges Geeraerts, hatte vor Kurzem zudem einen stark gesunkenen Anteil des wertvollen Vanillins in den Schoten beklagt.

Während der Anteil bei guter Qualität zwischen 1,8 und 2 Prozent liege, habe sich der Durchschnittswert in den vergangenen drei Jahren halbiert - auf nun nur noch 0,9 Prozent bis 1 Prozent. Madagaskar, der Inselstaat vor der Ostküste Afrikas, ist mit einem Anteil von vier Fünfteln der mit großem Abstand weltweit wichtigste Vanille-Exporteur.

Die Vanilleschote entwickelt ihr Aroma erst spät

Vanillekapseln würden erst sehr spät beginnen, ihr Aroma voll zu entwickeln, sagt Geeraerts. Während die Kapsel ihre Größe bereits nach drei Monaten erreiche, seien dazu weitere sechs Monate notwendig. Von besonderer Bedeutung seien insbesondere die letzten beiden Monate. Doch so lange wollten viele nicht warten.

"Hochwertige Vanille ist nicht mehr zu bekommen", stellte auch der Hamburger Vanille-Großhändler und Importeur Bernd Hachmann fest. "Die Kunden haben seit sechs bis sieben Jahren keine gute Vanille mehr gesehen", so der Experte. Das Aroma sei einfach schwächer. Durch die anhaltende Knappheit werde die Ware den Händlern jedoch nach wie vor "aus den Händen gerissen". Wegen einer Naturkatastrophe in Madagaskar ist der Vanillepreis nach Angaben von Hachmann seit 2017 noch einmal um 100 Euro auf derzeit rund 600 Euro pro Kilo gestiegen. Damit ist das Gewürz teurer als manches Edelmetall.

Madagaskar werde versuchen, das Qualitätsproblem mit Exporteinschränkungen in den Griff zu bekommen, kündigt Geeraerts an. So lange noch nicht ausreichend gereifte Kapseln geerntet würden, dürfe Vanille nur mit einer Erlaubnis des zuständigen Ministeriums ausgeführt. Erste kleinere Erfolge dieser Maßnahme seien schon zu erkennen, meinte er.

Ein ganz andere Idee zur Lösung kommt dagegen aus den Niederlanden. Bereits in absehbarer Zeit könnte dort der kommerzielle Anbau von Vanille im Gewächshaus beginnen, sagt Forscher Filip van Noort von der Universität Wageningen. Voraussetzung sei jedoch, dass sich bis dahin genügend Geldgeber für das ehrgeizige Projekt fänden. Das Produkt soll unter dem Namen "Nedervanille" vermarktet werden.

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