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Lokführerstreik kostete Deutsche Bahn Millionen

Die Deutsche Bahn beklagt nach dem Streik der Lokführergewerkschaft GDL vom Wochenende einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Die exakten Zahlen würden noch ermittelt, teilte der Konzern am Montag in Berlin mit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor einem Schaden für den Logistik-Standort Deutschland.

Lokführerstreik kostete Deutsche Bahn Millionen SN/APA (EPA)/PAUL ZINKEN
Der Zugverkehr läuft wieder auf Schiene.

Eine Lösung für den festgefahrenen Streit zwischen Deutscher Bahn und GDL zeichnete sich nicht ab. Die GDL erklärte allerdings, in dieser Woche auf Streiks zu verzichten. Durch den Bahn-Streik an den sich am Montag ein Ausstand der Lufthansa-Piloten anschloss, mehrten sich Forderungen nach Einschränkungen für Spartengewerkschaften, die mit ihren Arbeitskämpfen ganze Wirtschaftszweige treffen.

Im Personenverkehr seien während des 60-stündigen Ausstands erhebliche Kosten angefallen, teilte die Deutsche Bahn mit. Neben den Einnahmeausfällen habe man im großem Umfang Erstattungen für ausgefallene Reiseverbindungen, Übernachtungen und Taxifahrten zahlen müssen. Nach Bahn-Angaben bemalten zudem Unbekannte die streikbedingt abgestellten Züge. Allein in Berlin seien 69 S-Bahn-Wagen mit Graffiti besprüht worden.

GDL und Bahn forderten sich gegenseitig auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Spätestens jetzt müsste die Deutsche Bahn verstanden haben, dass kein Weg an inhaltlichen Tarifverhandlungen mit uns für das Zugpersonal vorbeiführt", erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Er bekräftigte, die GDL wolle nicht nur für die Lokführer verhandeln, sondern auch für ihre Mitglieder beim übrigen Zugpersonal.

Die Zugbegleiter werden allerdings auch von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten. Deren Chef Alexander Kirchner betonte, die EVG spreche mit Ausnahme der Lokführer für die Mehrheit des Zugpersonals und habe daher einen Verhandlungsanspruch. Die EVG kündigte an, am Mittwoch die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn fortzusetzen.

Bahn-Sprecher Achim Stauß bekräftige, die Bahn wolle keine verschiedenen Tarifverträge je nach Gewerkschaftszugehörigkeit für die gleichen Berufsgruppen abschließen. "Das würde die Belegschaft spalten und Unfrieden bringen", sagte er Reuters TV. "Wir fordern die GDL dringend auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren." Die Bahn sei bereit mit EVG und GDL gemeinsam zu verhandeln.

Die deutsche Regierung will per Gesetz das Prinzip "ein Betrieb, ein Tarifvertrag" durchsetzen, um zu verhindern, dass vergleichsweise kleine Gewerkschaften das ganze Land durch Arbeitskämpfe lahmlegen können. "Aus ihrer Sicht zeigen diese Streiks, dass es viele gute Gründe gibt, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden", beschrieb der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dann soll nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft gelten, die in einem Betrieb die meisten Mitglieder hat.

Auch der Wirtschaftsrat der CDU forderte eine Reform des Streikrechts. Durch die Arbeitsniederlegungen der GDL und der Pilotengewerkschaft Cockpit werde die gesamte Gesellschaft in Geiselhaft genommen. Dieter Schweer von der BDI-Geschäftsführung bezeichnete die Streiks als unverhältnismäßig: "Es darf nicht sein, dass eine Berufsgruppe ihre strategische Bedeutung ausnutzt und die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht."

Quelle: Apa/Dpa

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