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Lufthansa-Piloten lehnen neues Angebot ab

Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa drohen nach dem Wochenende neue Streiks. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) lehnte am Freitagabend ein neues Angebot des Konzerns mit den Worten ab, es handle sich um "alten Wein in neuen Schläuchen". Am Sonntag werde nicht gestreikt, sagte Cockpit-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg. Danach seien aber weitere Streikmaßnahmen möglich.

Lufthansa-Piloten lehnen neues Angebot ab SN/APA (dpa)/Arne Dedert
Lufthansa-Maschinen bleiben weiter am Boden.

"Das, was Lufthansa uns jetzt geschickt hat, ist schon zwei Monate alt", sagte Handwerg. Denselben Wortlaut habe das Unternehmen in einem offenen Brief an seine Mitarbeiter geschickt. Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens hatte zuvor erklärt, statt einer Lohnerhöhung von 2,5 Prozent könne der Konzern eine Anhebung um 4,4 Prozent sowie eine Einmalzahlung anbieten.

In dem seit Jahren schwelenden Tarifkonflikt mit den Piloten war zuletzt nur noch über die Vergütungstarifverträge verhandelt worden. Nun legte die Lufthansa erneut einen breit gefassten Vorschlag zu diversen strittigen Themen vor. Im Rahmen einer "Gesamtlösung" könnten die Piloten eine "stärkere Vergütungserhöhung" bekommen als bisher anvisiert, erklärte Volkens. Ermöglicht würde dies, "weil wir an anderer Stelle - beispielsweise im Zuge einer modernisierten Altersversorgung - zu Einsparungen kämen".

Zu den Themen, die Lufthansa im Rahmen der "Gesamtlösung" angehen will, gehört auch die umstrittene Übergangsversorgung. Bisher können die Lufthansa-Piloten mit 55 Jahren in einen bezahlten Vorruhestand gehen. Das Unternehmen wollte die Kosten dafür eigentlich nicht mehr tragen. Nun bietet die Fluggesellschaft an, das System "grundsätzlich" beizubehalten, das durchschnittliche Ausscheidealter aber bis 2018 auf 60 Jahre anzuheben.

Handwerg wies das Angebot zurück. Die Vereinigung Cockpit habe die ganze Zeit gesagt, dass sie es nicht akzeptieren werde, wenn die Vergütung mit anderen Elementen vermischt werde, sagte er AFP. Zudem sei die Lufthansa selbst mit dem Argument der Vermischung von Themen gerichtlich gegen die Gewerkschaft vorgegangen, hieß es in einer Mitteilung. Zudem solle die Vergütungserhöhung in anderen Bereichen nicht nur "gegenkompensiert", sondern "überkompensiert" werden.

"Der Konflikt ist weiter offen", sagte Handwerg. Um die Kunden "etwas zur Ruhe kommen zu lassen und damit sie an ihren Zielort kommen", werde am Sonntag nicht gestreikt. Nach dem Wochenende könne es aber zu weiteren Arbeitsniederlegungen kommen. Neue Streiks würden aber wie bisher mindestens 24 Stunden im Voraus angekündigt.

Die Vereinigung Cockpit bestreikt die Lufthansa seit Mittwoch bis einschließlich Samstag. Am Samstag sind alle Langstreckenflüge betroffen: Lufthansa strich 137 Flüge, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen. 30.000 Passagiere müssen umplanen. Es werde auch noch "vereinzelte Streichungen" auf Kurz- und Mittelstrecken geben, erklärte Lufthansa am Freitag. Insgesamt musste die Airline seit Mittwoch fast 2.800 Flüge streichen, mehr als 345.000 Passagiere sind betroffen.

Quelle: Apa/Dpa

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