Wirtschaft

Monsanto-Übernahme durch Bayer offiziell abgeschlossen

Der US-Saatguthersteller Monsanto gehört nun offiziell dem Chemieriesen Bayer. Wie der Leverkusener Konzern am Donnerstag mitteilte, zahlte Bayer den Monsanto-Anteilseignern für die größte Übernahme in der Firmengeschichte 128 Dollar (rund 108 Euro) pro Aktie. Durch die Übernahme im Umfang von 63 Milliarden Dollar will Bayer zum weltgrößten Anbieter von Pestiziden und Saatgut aufsteigen.

Bayer ist offiziell alleiniger Eigentümer von Monsanto SN/APA (AFP)/PATRIK STOLLARZ
Bayer ist offiziell alleiniger Eigentümer von Monsanto

Allerdings könne Bayer Monsanto erst in die eigenen Strukturen integrieren, sobald es die Auflagen des US-Justizministeriums erfüllt habe, erklärte der Konzern. Dafür muss Bayer sein eigenes Saatgutgeschäft sowie weitere Unternehmensteile an den Konkurrenten BASF abgeben. Mit dem Abschluss rechnet Bayer etwa in zwei Monaten. Danach soll auch der Name Monsanto nicht mehr verwendet werden.

Bayer-Chef Werner Baumann erklärte: "Heute ist ein guter Tag: Für unsere Kunden, die Landwirte, denen wir noch besser helfen können, ihre Ernten zu sichern und ihre Ernteerträge zu steigern. Für unsere Aktionäre, weil diese Übernahme ein sehr hohes Wertschaffungspotenzial hat. Und für die Verbraucher und die Gesellschaft insgesamt." Bayer könne künftig "noch besser dazu beitragen, dass mehr gesunde und bezahlbare Lebensmittel produziert werden - und zwar auf nachhaltige Weise."

Bauern drohten "Preisdiktate, eine weitere Einengung bei der Sortenauswahl, mehr Abhängigkeiten und eine Verschärfung der Patentsituation", kritisierte hingegen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), in der vor allem kleine und mittlere Betriebe zusammengeschlossen sind. Bayer katapultiere sich "auf die Nummer eins der Agrargiganten mit einem Marktanteil von rund 27 Prozent bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln sowie 25 Prozent bei den bisher erteilten Patenten auf Pflanzen".

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, und die Sprecherin der Partei für Wettbewerbspolitik, Katharina Dröge, forderten, die Bundesregierung müsse "eine Klage gegen die Zulassung des Zusammenschlusses prüfen". Angesichts des enormen finanziellen Drucks unter dem Bayer nach dieser Übernahme stehe, sei kaum davon auszugehen, dass der Bayer-Vorstand sein Versprechen, höchste ethische, ökologische und soziale Standards zu sichern, einhalten werde.

Die Vereinigung Coordination gegen Bayer-Gefahren warnte vor einer "verheerenden Entwicklung", für die die Landwirte und in der Folge auch die Verbraucher zahlen müssten. Zudem drohten dem Staat geringere Einkünfte, denn Bayer werde mit der "gigantischen Finanzlast", welche auf den Konzern durch die Übernahme zukomme, "seine Steuerverpflichtungen drastisch reduzieren".

Bayer selbst sieht sich durch die Übernahme gerüstet für einen wachsenden Markt: Bis 2050 sollen mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben - für die dann mehr Nahrung auf kleiner werdender Fläche angebaut werden muss. Außerdem mache der Klimawandel neue genügsame und widerstandsfähige Pflanzensorten nötig. Umweltschützer fürchten allerdings, dass Bayer dabei verstärkt auf genveränderte Pflanzen und Pestizide setzen könnte.

Die Fusion von Bayer und Monsanto ist der dritte Mega-Deal in der Chemiebranche. Vergangenes Jahr hatten sich die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont zusammengeschlossen. Außerdem hatte der chinesische Konzern ChemChina den Schweizer Konkurrenten Syngenta geschluckt.

Monsanto ist der derzeit weltgrößte Hersteller von Saatgut, zugleich aber seit Jahren Zielscheibe von Gegnern der industriellen Landwirtschaft. Bayer hatte die Übernahme des US-Unternehmens bereits im Mai 2016 angekündigt. Am Montag erklärte das Unternehmen dann, alle nötigen Freigaben der Wettbewerbsbehörden erhalten zu haben.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 21.10.2018 um 12:11 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/monsanto-uebernahme-durch-bayer-offiziell-abgeschlossen-28911187

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