Wirtschaft

Nach Kritik und Morddrohungen zu Pinky Gloves: Gründer geben Ende bekannt

1:0 für Twitter: Nach heftiger Kritik und angeblichen Morddrohungen ziehen die deutschen Gründer von Pinky Gloves die Reißleine. Die Handschuhe, mit denen Frauen während ihrer Periode benutzte Tampons diskret entsorgen sollten, werden vom Markt genommen.

Die Gründer von Pinky Gloves geben auf. Ihnen und ihrem Produkt schlugen Kritik und Hass entgegen.  SN/pixabay
Die Gründer von Pinky Gloves geben auf. Ihnen und ihrem Produkt schlugen Kritik und Hass entgegen.

Die Reaktionen auf die Geschäftsidee Pinky Gloves waren heftig - jetzt haben die beiden Unternehmensgründer auf Social Media und ihrer Website angekündigt, den Verkauf der Handschuhe für Frauen mit Regelblutung einzustellen. "Wir hatten zu keinem Zeitpunkt vor, jemanden zu diskreditieren oder einen natürlichen Prozess zu tabuisieren", schreiben Gründer Eugen Raimkulow und sein Mitgeschäftsführer Andre Ritterswürden unter dem Titel "Wir hören auf mit #pinkygloves".

Sie räumen dabei durchaus Fehler ein: "Die Entwicklung unseres Produkts und die Kommunikation dazu waren nicht durchdacht. Menschen machen Fehler - und mit Fehlern muss man umgehen, man muss daraus lernen und man sollte auch die Chance bekommen, an Fehlern zu arbeiten." Sämtliche Einkaufs- und Vertriebsaktivitäten würden eingestellt.

Pinky Gloves: Was Frauen nicht wollten

Der Handschuh für Frauen war in der vergangenen Woche in der Gründershow "Die Höhle der Löwen" auf Vox vorgestellt worden. Die Pinky Gloves sollten dazu dienen, ein vermeintliches Frauenproblem zu lösen. Die pinkfarbenen Handschuhe sollten es nämlich möglich machen, Damenhygieneartikel in dem Handschuh als blick- und geruchssicherem Müllbeutel diskret wegzuwerfen. Sie hätten in einer WG zusammen mit Frauen gelebt und in dieser Zeit mehrmals benutzte Tampons im Mülleimer entdeckt, die lediglich in Klopapier eingewickelt worden waren, wodurch der feuchte Inhalt aber sichtbar und riechbar wurde, wie die Firmengründer erläuterten. Investor Ralf Dümmel (54) war begeistert und unterbreitete den Gründern aus Olfen in Nordrhein-Westfalen ein Angebot. Er stieg schließlich mit 30.000 Euro Kapital in das Unternehmen ein.

Auf Social Media kam der Pitch nicht gut an. Viele Frauen, aber auch Männer zeigten sich verärgert und nannten das Produkt wenig nachhaltig und auch sexistisch. Ein Vorwurf etwa lautet, die Erfindung konstruiere ein Problem, wo keines sei. Die Periode, ein Thema, das nach wie vor schambehaftet ist, würde damit weiter tabuisiert werden. Unter dem Hashtag #pinkygate schlug den Gründern eine Welle der Empörung entgegen. Die Männer reagierten und sendeten Tage darauf eine Erklärung: "Wir wollten auf keinen Fall zum Ausdruck bringen, dass die Menstruation etwas Ekelhaftes sei." Ihr Produkt solle Frauen das Leben in bestimmten Situationen erleichtern.

Mobbing und Morddrohungen: "Werden auf offener Straße beschimpft"

Doch dabei blieb es nicht. Am Montagabend gaben die Gründer das Ende ihres Unternehmens bekannt. Dabei schrieben die beiden auch über das Ausmaß der Kritik: "Was uns nachhaltig sehr trifft, ist die Tatsache, dass wir einer heftigen Welle an Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sind. Wir werden auf offener Straße attackiert und beschimpft." Und sie versichern: "Wir haben uns die Kritik zu Herzen genommen und sie verstanden."

Investor Ralf Dümmel schreibt dazu auf Facebook: "Als Unternehmer, Investor und vor allem als Mensch finde ich es wichtig, dass man auch Fehler machen darf, denn eine Fehlerkultur und Kritikfähigkeit sind der Grundpfeiler einer jeden gesunden Gesellschaft." Zudem rief er dazu auf, die Gründer nicht mehr zu attackieren: "Was mich nachhaltig sehr schockiert und traurig stimmt, ist die Tatsache, dass Andre, Eugen und ihre Angehörigen einer massiven Welle an Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sind. Das verurteile ich zutiefst und es gibt KEINE Entschuldigung dafür. BITTE HÖRT AUF DAMIT."

Aber auch viele Twitter-User und Kritiker des Produkts verurteilen Hassnachrichten und sprachen sich klar gegen die sogenannte Cancel Culture aus. Ob die Unternehmer nach wie vor im Damenhygienebereich tätig sein werden, ist fraglich. Zu weiteren beruflichen Plänen oder Projekten haben sie bislang nichts bekannt gegeben.

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