Wirtschaft

NGO: Britische Überseegebiete als Unternehmenssteueroasen

Die Nicht-Regierungsorganisation Tax Justice Network hat sich die Steuervermeidung von Unternehmen angeschaut. Das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie: Besonders die britischen Überseegebiete sind für die Firmen wahre Steueroasen und damit global am stärksten für die Steuervermeidung bei Unternehmenssteuern verantwortlich. Dies geht aus dem neuen "Corporate Tax Haven Index" hervor.

Steuerparadies Bermuda SN/APA (AFP/Getty)/Drew Angerer
Steuerparadies Bermuda

Die British Virgin Islands (Jungfern-Inseln), Bermuda und die Cayman-Inseln, alle drei sind britische Überseegebiete, belegen die ersten drei Plätze in der Aufstellung der Unternehmens-Steueroasen. Am vierten Rang liegen die Niederlande und am fünften Platz die Schweiz, gefolgt von Luxemburg. Auf Platz sieben findet sich mit der Kanalinsel Jersey noch ein Gebiet unter britischer Oberhoheit. Am achten Platz rangiert Singapur, am neunten die Bahamas und am zehnten Rang die frühere britische Kronkolonie Hongkong.

40 Prozent der internationalen Direktinvestitionen werden in diesen zehn Ländern verbucht, die Unternehmenssteuersätze von 3 Prozent oder noch weniger anbieten, so das Tax Justice Network in seinem Bericht. In diesem "Corporate Tax Haven Index" landet Österreich auf Platz 33 - knapp nach den Turks and Caicos-Inseln und noch vor Finnland. Über die Studie hatte zuvor schon der "Kurier" berichtet.

Auf einer weiteren Schwarzen Liste findet sich auch Österreich am zehnten Platz: Die NGO wirft diesen Ländern vor, sie würden bei Steuerabkommen mit anderen ärmeren Ländern Druck ausüben, um die Steuersätze für Firmen niedrig zu halten. Auf Platz eins dieser Negativ-Liste finden sich die Vereinigten Arabischen Emirate, vor Großbritannien und Frankreich.

Durch die Steueroasen für Unternehmen werde eine weltweite Abwärtsspirale bei der Unternehmensbesteuerung befeuert, kritisiert das Steuergerechtigkeits-Netzwerk. Dadurch verlagere sich die Steuerlast immer mehr von den meist vermögenden Aktionären multinationaler Konzerne auf Gruppen mit weniger Einkommen. Und es führe dazu, dass das Steueraufkommen der Konzerne sinke, während ihre Gewinne steigen.

Nach Schätzungen des Tax Justice Network vermeiden multinationale Konzerne jährlich die Zahlung von rund 500 Milliarden US-Dollar (449,1 Milliarden Euro) an Steuern.

Quelle: APA

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