Wirtschaft

Ökonomen senken Wachstumsprognosen für Deutschland

Höhere Energiepreise, gestörte Lieferketten: Ökonomen senken nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine und den darauf folgenden Sanktionen reihenweise ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft. Die DZ Bank nahm ihre Vorhersage für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 3,0 auf 1,9 Prozent zurück, die Ratingagentur Scope von 4,4 auf 3,5 Prozent.

Hohe Energiepreise treiben die Inflation und lasten auf der Wirtschaft SN/APA (dpa)/Marijan Murat
Hohe Energiepreise treiben die Inflation und lasten auf der Wirtschaft

"Die verhängten Sanktionen gegen Russland werden auch die Wirtschaft in Deutschland in den kommenden Monaten merklich belasten", begründete DZ-Bank-Ökonom Christoph Schwonke am Freitag den Schritt. "Wir gehen derzeit davon aus, dass das Wachstum zumindest bis zur Jahresmitte einen empfindlichen Dämpfer verkraften muss."

ING-Chefvolkswirt Carsten Breszki erwartet zu Jahresbeginn sogar eine Rezession, da das Bruttoinlandsprodukt bereits Ende 2021 geschrumpft ist und im laufenden ersten Quartal nochmals leicht sinken dürfte - trotz der Coronalockerungen. "In jedem Fall haben wir ein großes Stagflationsrisiko", sagte Brzeski - also eine Mischung aus wirtschaftlicher Stagnation bei gleichzeitig hoher Inflation.

"Die Wachstumsaussichten Deutschlands verschlechtern sich, da die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts die bestehenden Störungen in der Lieferkette und den Inflationsdruck verstärken", heißt es auch im neuen Ausblick der Bonitätswächter von Scope. Die direkten Folgen für den Außenhandel nach den gegen Russland verhängten Sanktionen seien zwar bisher "überschaubar". "Deutschlands exportorientierte Wirtschaft und die Abhängigkeit der Exporteure von internationalen Zulieferern impliziert jedoch, dass der Krieg in der Ukraine zu weiteren Störungen führen wird", schrieb Scope-Experte Eiko Sievert. Besonders betroffen sein dürfte der Automobilsektor, da dieser auch von Zulieferern aus der Ukraine und Russland abhängig sei.

Der private Konsum wiederum dürfte unter den hohen Energiekosten leiden, weil das an der Kaufkraft der Verbraucher nagt. "Die Invasion in der Ukraine wird die ohnehin schon hohen Energiepreise in Europa noch weiter in die Höhe treiben", erwartet Allianz Research. "Wir erwarten für 2022 einen Anstieg der Energierechnung um 30 Prozent." Haushalte mit niedrigem Einkommen seien in Deutschland besonders stark davon betroffen. Im Schnitt werde hier jeder Haushalt etwa 3.400 Euro für Energie ausgeben.

Waren und Dienstleistungen verteuerten sich bereits im Februar vor allem wegen anziehender Energiepreise im Schnitt um 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält im Jahresschnitt 2022 bis zu 6,1 Prozent für möglich, sollte eine Eskalation in der Ukraine zu anhaltend höheren Gaspreisen führen. 2021 waren die Preise mit 3,1 Prozent so kräftig gestiegen wie seit 1993 nicht mehr.

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