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Offene Abgasrechnung: Audis Milliarden-Risiko in den USA

Die kleineren 2,0-Liter-Motoren sind schon durch. Nun geht es um die großen 3,0-Liter-Maschinen, die von Audi stammen und in etlichen Dickschiffen des VW-Konzerns stecken. Wie teuer wird die nächste Etappe zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals?

Offene Abgasrechnung: Audis Milliarden-Risiko in den USA SN/audi ag
Audi-Vorstand Rupert Stadler.

Bislang blieb Audi im Abgas-Skandal relativ unauffällig im Schatten der Konzernmutter Volkswagen. Das ändert sich spätestens am Donnerstag: Im US-Verfahren um manipulierte Emissionswerte soll der deutsche Oberklasse-Autobauer dem zuständigen Gericht bei einer Anhörung (16.00 Uhr MEZ) konkrete Vorschläge zur Beseitigung einer illegalen Abgastechnik in Zehntausenden Dieselfahrzeugen unterbreiten. An dieser Aufgabe scheitern Audis Ingenieure bisher - eine Lösung könnte womöglich teuer werden.

Worum geht es?

In den USA, wo "Dieselgate" im September 2015 ins Rollen kam, drehte sich die Affäre bislang vor allem um etwa 475 000 VW-Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren. Um den Abgas-Rechtsstreit beizulegen, handelte VW mit US-Klägern den bis dato größten Vergleich der Automobilgeschichte aus: Bis zu 14,7 Milliarden Dollar sollen Kunden und US-Behörden erhalten, weitere 1,8 Milliarden Dollar nimmt der Konzern zur Entschädigung von Autohändlern und US-Bundesstaaten in die Hand.

Doch eine Großbaustelle bleibt offen. Denn den Behörden zufolge haben auch rund 85 000 größere Dieselautos eine verbotene Abgastechnik an Bord. Hier stammen die 3,0-Liter-Motoren von der Konzerntochter Audi, die sich deshalb um die Schadensbegrenzung kümmern muss. Auch in diesem Fall läuft alles auf einen teuren Vergleich hinaus. Nach einer monatelangen Hängepartie stellte der zuständige US-Richter Charles Breyer ein Ultimatum - bei der heutigen Anhörung will er detaillierte Pläne sehen, wie die Fahrzeuge in einen legalen Zustand umgerüstet oder aus dem Verkehr gezogen werden können.

Warum braucht Audi so lange?

Die Vorwürfe gegen die Ingolstädter VW-Tochter waren erst später aufgekommen, deshalb hatte Breyer mehr Zeit für eine Einigung zugestanden. Zudem ist der Fall etwas anders gelagert - obgleich die US-Behörden sowohl VW als auch Audi den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung ("defeat device") zum Austricksen von Emissionstests vorwerfen, sind die Programme nicht identisch. Audi wies die Anschuldigungen zunächst zurück und machte ein Versäumnis beim Zulassungsverfahren für den Konflikt verantwortlich. Betrugsabsichten streitet man ab.

Die Angelegenheit ist technisch hochkomplex - das zumindest betont VW-Anwalt Robert Giuffra immer wieder. Eine Umrüstung aller der Zehntausenden Dieselwagen scheint unmöglich, monatelanges Getüftel der Audi-Ingenieure war bisher vergeblich. Doch Breyers Geduld neigt sich dem Ende zu. Dass die Autos noch unterwegs seien, obwohl sie gegen US-Umweltrecht verstießen, bezeichnete der Richter bereits im August als "untragbar". Bei Audi zeigte man sich zuletzt aber zuversichtlich, nun eine überzeugende Lösung liefern zu können.

Was für ein Szenario droht Audi?

Mittlerweile geht es bei den Verhandlungen vor allem um die Frage, wie viele der größeren Fahrzeuge mit 3,0-Liter-Motoren - teure Dickschiffe wie Porsche Cayenne und VW Touareg, vor allem aber etliche Audi-Luxusmodelle - zurückgekauft werden müssen. "Man muss sich auf eine Größenordnung von zwei bis vier Milliarden Dollar einstellen", schätzt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Er orientiert sich bei seiner Rechnung am bereits geschlossenen Vergleich für die kleineren VW-Fahrzeuge.

Audis Rückstellungen sind bislang deutlich geringer. Doch letztlich würden die Kosten ohnehin bei der Volkswagen AG auflaufen und deren Aktionären zur Last fallen. Sollte eine Einigung mit den US-Behörden ausbleiben, könnte Breyers Gericht einen Prozess gegen den deutschen Autobauer eröffnen. Dass sich der VW-Konzern doch noch auf der Anklagebank wiederfindet, gilt zwar als sehr unwahrscheinlich. Doch als Drohkulisse schwingt dieses Szenario weiter im Hintergrund mit, das machte Klägeranwältin Elizabeth Cabraser bereits deutlich.

Quelle: Dpa

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