Wirtschaft

Oldtimerstatus für DDR-Kultautos Wartburg und Trabi

Und sie fahren immer noch: 30 Jahre nach der Einstellung der Produktion sind von den DDR-Klassikern Wartburg und Trabant noch einige Zehntausend vor allem auf deutschen Straßen unterwegs. Mehr noch: Die Zahl der betagten Gefährte, die als "Plastebomber" (Trabant) oder "Rostlaube" (Wartburg) geschmäht wurden, steigt seit 2015 wieder, besagen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg.

Koffer und Longboard auf Trabant Kombi 601s im ostdeutschen Bautzen SN/APA/dpa-Zentralbild/Robert Micha
Koffer und Longboard auf Trabant Kombi 601s im ostdeutschen Bautzen

Die historischen Autos, von denen die letzten im April 1991 im thüringischen Eisenach und im sächsischen Zwickau gebaut wurden, würden jetzt wieder aus Scheunen, Schuppen oder Garagen geholt, fahrtüchtig gemacht und zugelassen, sagen Fachleute zu den steigenden Zahlen. "Wartburg und Trabi haben nicht nur Kult- sondern jetzt auch Oldtimerstatus erlangt", so der Geschäftsführer der Kölner BBE Automotive GmbH, Gerd Heinemann. Ein Teil von ihnen trage auch das H-Kennzeichen für Oldtimer - bei den noch zugelassenen Wartburg sind es nach seinen Angaben fast 4.000 und damit knapp die Hälfte des aktuellen Bestandes.

Heinemanns Beratungsunternehmen legt jährlich unter anderem eine Studie zum Youngtimer- und Oldtimer-Markt für den Verband der Automobilindustrie (VDA) und andere Organisationen vor. "Der Trabant steigt definitiv im Wert. Und die ganz alten Wartburg sind richtige Schätzchen", findet der Autoexperte.

Nach seiner Einschätzung wird der Markt für die beiden DDR-Oldies noch wachsen. "Weil es sich lohnt, sie fahrtüchtig zu machen. Das ist eine Art Rückbesinnung und fast schon ein kleiner Boom." Für einen Trabant in Topzustand würden durchaus 10.000 Euro gezahlt. Ein historischer Wartburg 311er Coupe kann als restaurierter Oldtimer auf Internetportalen schon mal mit Preisangaben zwischen 26.000 und 50.000 Euro versehen sein.

Für einen Wartburg 1.3 - dem letzten Modell vor dem Produktionsende am 10. April 1991 - sind es immer noch einige Tausend Euro. Erinnert wurde an den Stopp vor 30 Jahren am Samstag von der rührigen Fangemeinde in Eisenach coronabedingt nur virtuell - mit Fotos von individuellen Ausfahrten im kantigen Wartburg. "Die Wartburg-DNA ist in Eisenach immer noch vorhanden", sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Und sie verweist auf mehr als 120 Jahre Automobilbautradition in der Thüringer Stadt, die mit einem Opel-Werk und Zulieferern weitergehe und an die auch ein Museum erinnere.

Den drastische Schwund der DDR-Gefährte und ihre kleine Renaissance dokumentiert das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Wartburg und Trabant wurden die Daten seit 1993 gesondert zusammengefasst - sogar nach den Beständen in den einzelnen Bundesländern, berichtet Sprecherin Diana Christin Thomsen.

Danach waren im vergangenen Jahr bundesweit 8.361 Fahrzeuge aus dem Automobilwerk Eisenach (AWE) zugelassen - 2015 waren es erst 7.244. Vom Trabi, dessen Aus am 30. April 1991 in Zwickau besiegelt wurde, sind demnach derzeit noch 38.137 Exemplare fahrbereit - 2015 waren es noch 32.832. Der überwiegende Teil ist in Ostdeutschland unterwegs.

Zehn Jahre nach dem Ende der Produktion in Eisenach und bei Sachsenring in Zwickau waren immerhin noch rund 52.000 Wartburg und 160.000 Trabis zugelassen. Neben schlichten Alltagsgefährten, die noch wie zu DDR-Zeit beige oder graublau daher kommen, haben sich viele zu Hingucker-Autos gemausert - mal goldfarben lackiert, mal mit auffälligem Leoprint. Viele Trabi- und Wartburgvereine pflegen die alten Autos, deren Bilder nach dem Mauerfall um die Welt gingen.

Insgesamt wächst der Markt für historische Autos in Deutschland, geht aus Zahlen des VDA hervor. Bundesweit gab es danach 2020 erstmals insgesamt mehr als eine halbe Million Pkw mit H-Kennzeichen. Mehr als 3.500 Werkstätten und Autohäuser mit über 9.000 Beschäftigten engagierten sich in diesem Markt. Auch für die DDR-Gefährte gebe es noch ausreichend Ersatzteile, sagt Heinemann. "Viel wurde da in der DDR gehortet."

Die einst volkseigenen Autowerke in Thüringen und Sachsen waren nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt abgewickelt worden. Eisenach und Zwickau bleiben aber Autostädte. Opel, VW, BMW sowie aktuell Tesla sind in Ostdeutschland aktiv. VDA-Sprecher Peter Schubert beziffert die Produktionszahl im vergangenen Jahr in Ostdeutschland auf 480.000 Autos. "Das war nahezu jeder siebte in Deutschland gefertigte Pkw." Wegen der Corona-Pandemie seien das etwa 20 Prozent weniger gewesen als 2019. "Bundesweit hat der Rückgang aber 25 Prozent betragen."

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