Wirtschaft

OPEC-Minister wollen die Ölförderung drosseln

Das Coronavirus setzt der Weltwirtschaft zu und brachte zuletzt den Ölpreis stark unter Druck. Die OPEC schlägt nun vor, die tägliche Fördermenge um 1,5 Millionen Fass zu kürzen.

 SN/ap

Das Ölkartell OPEC will angesichts der Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf die Weltwirtschaft eine deutliche Verringerung der aktuellen Rohölförderung erreichen. Am Donnerstag teilte das Kartell der Erdöl exportierenden Länder mit, dass man eine Förderkürzung um 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag für das zweite Quartal anstrebe.

Eine Million Barrel sollen dabei die 14 OPEC-Staaten einsparen, 500.000 Barrel die zehn Kooperationspartner, darunter Russland. Die Kürzung entspräche insgesamt rund 1,5 Prozent der weltweiten Ölproduktion. Ob Russland dem zustimmt, ist fraglich. Am Freitag beraten die OPEC-Staaten mit ihren Kooperationspartnern über den Vorschlag.

Am Donnerstag sind die Preise für Rohöl gestiegen. Auf dem Markt wurde die Aussicht auf milliardenschwere Finanzhilfen in den USA zur Eindämmung der Coronakrise als Grund für die Erholung genannt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 51,90 US-Dollar. Das waren 77 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI stieg um 62 Cent auf 47,40 Dollar.

Das US-Repräsentantenhaus hatte Finanzhilfen von 8,3 Milliarden Dollar beschlossen. Das Geld soll helfen, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus unter Kontrolle zu bringen. Der US-Senat muss dem Gesetz noch zustimmen. Auf dem Ölmarkt keimt die Hoffnung, dies könnte den zuletzt stark gesunkenen Preis stabilisieren.

In Wien treffen am Donnerstag die Minister des Ölkartells OPEC zusammen, um über die künftige Produktionsstrategie zu beraten. Auf der Agenda der Minister der 14 Staaten stehen mögliche neue Förderbeschränkungen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht sogar davon aus, dass erstmals seit zehn Jahren die Nachfrage nach Rohöl sinken wird, auch die OPEC selbst hat ihre Prognose für die Ölnachfrage zuletzt nach unten korrigiert. Daher scheint es unvermeidlich, das Förderlimit zu senken, um den Preis und damit die Einnahmen für die Ölförderländer zu stützen.

Allerdings stünden die OPEC und ihre Partner dabei in einem Dilemma, erklärt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. "Wenn sie viel kürzen, wird man nicht glauben, dass sich die Länder diszipliniert daran halten. Wenn sie zu wenig kürzen, wird es keinen Einfluss auf den Markt haben." Ein Komitee der OPEC und ihrer zehn Kooperationspartner ("OPEC+") hatte Mitte Februar empfohlen, 600.000 Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag weniger zu fördern. Die starken wirtschaftlichen Auswirkungen durch das neuartige Coronavirus wurden aber erst einige Tage später wirklich deutlich, eine Kürzung in dieser Größenordnung könnte also als kleiner Tropfen auf einem heißen Stein enden.

"Ich gehe davon aus, dass es eine erneute Kürzung geben wird - um eine Million Barrel pro Tag", sagt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Saudi-Arabien sei sicher bereit, auch über eine stärkere Kürzung zu verhandeln. Die Frage sei aber, wie innerhalb des Ölkartells die Lasten verteilt würden.

Die OPEC und ihre Partner versuchen seit Anfang 2017, den Ölpreis mithilfe von Förderlimits zu stabilisieren. Zuletzt hatten sich die zuständigen Energie- und Ölminister im Dezember auf schärfere Beschränkungen verständigt: Die 24 Staaten beabsichtigen aktuell, 1,7 Millionen Barrel pro Tag weniger Öl zu fördern als noch im Oktober 2018. Hinzu kommt eine freiwillige Kürzung um 400.000 Barrel pro Tag, die allein von Saudi-Arabien gestemmt wird. Im Jänner förderten die 14 OPEC-Staaten 28,9 Millionen Barrel Öl pro Tag - das entspricht fast 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion.

Das aktuelle Förderlimit ist seit Jahresbeginn in Kraft, verfehlte aber durch die unerwarteten Auswirkungen durch das neue Coronavirus die vorgesehene Wirkung: Trotz der Kürzung ging der Ölpreis in die Knie. Zum Jahreswechsel lag der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bei mehr als 65 US-Dollar, am Mittwoch kratzte er schon an der Marke von 51 US-Dollar. Ähnlich entwickelte sich der Preis der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI), der von rund 62 US-Dollar Anfang Jänner auf unter 47 US-Dollar am Mittwoch absackte.

Allerdings dürfte selbst eine Kürzung der Förderung kaum Auswirkungen auf die Entwicklung der Weltwirtschaft haben, sagt de la Rubia. Die OPEC könnte sich auch dafür entscheiden, die Marktkräfte wirken zu lassen. Wenn die Ölpreise weiter sinken, würde auch der große Konkurrent USA leiden, wo Öl über Fracking gefördert wird, eine Methode, die sich vor allem bei höheren Ölpreisen rechnet. Wenn man den Preis auf dem gegenwärtig tiefen Niveau belasse, könnte die Weltwirtschaft "vielleicht etwas rascher wieder auf die Beine kommen und der Marktanteil der OPEC würde nicht schrumpfen", sagt de la Rubia. Allerdings dürfte diese Strategie innerhalb der OPEC nicht mehrheitsfähig sein.

Das Coronavirus beeinflusst auch das Treffen der OPEC-Minister unmittelbar. Das Ölkartell hat sich dazu entschlossen, Medienvertreter sicherheitshalber nicht ins Gebäude zu lassen, auch die Zahl der Delegierten sollte möglichst klein gehalten werden.

Quelle: SN-Wie, Dpa

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