Wirtschaft

OPEC senkte Ölbedarfsprognose 2020 um fast 7 Prozent

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat wegen der Einbrüche bei Konjunktur und Ölnachfrage infolge der Coronavirus-Krise ihre Prognose für den weltweiten Ölbedarf im heurigen Jahr um fast sieben Prozent gesenkt. Das sei ein "historischer Rückgang", so die OPEC am Donnerstag. Stark absacken werden 2020/21 wohl auch die Investitionen in den Ölsektor.

Der Rückgang ist in dieser Form noch nie dagewesen SN/APA (AFP)/YASSER AL-ZAYYAT
Der Rückgang ist in dieser Form noch nie dagewesen

Für das Gesamtjahr geht die OPEC nun von einem Minus bei der Ölnachfrage von 6,8 Mio. Barrel pro Tag auf durchschnittlich 92,82 Mio. Fass täglich aus. Damit ist die OPEC freilich weniger pessimistisch als die Internationale Energieagentur (IEA), die am Mittwoch 9,3 Mio. Fass Rückgang prognostiziert hatte.

Im Vormonat hatte die OPEC für 2020 noch mit einem Zuwachs von durchschnittlich 0,1 Mio. auf 99,73 Mio. Barrel täglich gerechnet. 2019 dürfte die globale Ölnachfrage ihren Angaben zufolge um 0,83 Mio. Barrel auf im Schnitt 99,67 Mio. Fass/Tag gestiegen sein.

Am stärksten wird der Rückgang mit etwa 20 Mio. Fass/Tag für den Monat April angenommen. Für das gesamte zweite Quartal wird von einem täglichen Minus von etwa 12 Mio. Barrel ausgegangen - die niedrigste Nachfrage seit 30 Jahren.

Gegenüber dem Vormonatsbericht von März wurde die Ölnachfrage von der OPEC diesmal in allen Regionen zurückgenommen, wobei die meisten Abwärtskorrekturen für das erste Halbjahr 2020 erfolgten. Für das zweite Halbjahr wird ein höherer Verbrauch als im ersten Halbjahr angenommen - im Sinne einer erwarteten langsameren Erholung der Ölnachfrage im Vergleich zu den Vormonaten.

Für die OECD-Staaten wurde die Ölnachfrage-Prognose um 3,7 Mio. Barrel/Tag nach unten revidiert und für die Nicht-OECD-Länder um 3,2 Mio. Fass/Tag.

Im Bemühen, das derzeitige krasse Ungleichgewicht auf dem globalen Ölmarkt zu mildern - also die zu hohe Förderung dem geringeren Bedarf anzupassen -, haben sich OPEC- und Nicht-OPEC-Länder ("OPEC+") wie berichtet am 12. April darauf verständigt, ihre Gesamtrohölproduktion zu senken.

Beginnend mit Anfang Mai soll die Förderung zwei Monate lang um, so die OPEC, "historische" 9,7 Mio. Barrel pro Tag vermindert werden, gefolgt von einer Anpassung um 7,7 Mio. Fass täglich bis Ende 2020 sowie 5,8 Mio. Barrel pro Tag bis Ende April 2022, wird im Monatsbericht erinnert. Im März dürfte die Weltölförderung dem Bericht zufolge um 0,62 Mio. auf 99,86 Mio. Fass/Tag gestiegen sein.

Durch den Ölpreisverfall werden die weltweiten Investitionen für Exploration und Produktion (E&P) im Jahr 2020 erheblich zurückgehen, heißt es. Gehe man von einem Basisszenario von 34 Dollar (rund 31 Euro) pro Barrel im Jahr 2020 aus, prognostiziere Rystad Energy einen Rückgang um 17 Prozent oder um bis zu 93 Mrd. Dollar auf rund 450 Mrd. Dollar, die niedrigste Summe seit 13 Jahren.

In einem Niedrigölpreis-Szenario, in dem Brent heuer im Schnitt 25 Dollar pro Fass kostet, könnten die weltweiten Investitionen auf rund 380 Mrd. Dollar fallen und weiter auf fast 300 Mrd. Dollar im Jahr 2021, was ein 14- bzw. 15-Jahres-Tief darstellen würde, heißt es im Bericht der OPEC.

Brent verteuerte sich heute am Rohölmarkt zwar bis zum Nachmittag um 4,2 Prozent, blieb mit einem Preis von 28,84 Dollar je Barrel (159 Liter) aber in Sichtweite des 18-Jahres-Tiefs von Ende März.

Quelle: APA

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