Wirtschaft

Panik an den Märkten, Politik öffnet die Geldschleusen

Die Zinssenkung der US-Notenbank am Sonntagabend hat nicht verhindert, dass die Börsen weltweit zu einer Talfahrt ansetzten. In vielen Ländern versuchen die Regierungen, mit milliardenschweren Hilfspaketen dagegenzuhalten. Österreichs Wirtschaft steht vor einer Rezession.

Das Coronavirus hat die Börsen rund um den Globus fest im Griff. SN/ap
Das Coronavirus hat die Börsen rund um den Globus fest im Griff.

Dass die US-Notenbank Fed angesichts von Anlegerpanik und Rezessionsängsten wegen des neuartigen Coronavirus am Sonntagabend zu drastischen Mitteln griff, zeigt vorerst keine Wirkung. Die Fed hatte in einer Notfallaktion den Leitzins überraschend um einen ganzen Prozentpunkt auf die Spanne von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt und kündigte ein Maßnahmenpaket in Koordination mit anderen Notenbanken an. Auch Japans Notenbank ergriff weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Krise.

Die Talfahrt an den Märkten konnte das bisher nicht stoppen, es wurde offenbar eher als Signal interpretiert, dass die Coronakrise noch viel weitere Kreise ziehen könnte als bisher angenommen. Nach Asien und Australien stürzten die Börsen auch in Europa beinahe ins Bodenlose ab. Die Börse in Tokio hielt sich noch vergleichsweise gut, der japanische Leitindex Nikkei-225 verlor nur 2,46 Prozent. An der Börse in Sydney schloss der Handel hingegen mit einem Minus von 9,5 Prozent.

In dieser Tonart ging es auch in Europa weiter. Zu Mittag lag der deutsche Aktienindex DAX mit fast acht Prozent im Minus, auch der EuroSTOXX verlor rund acht Prozent. Die Wiener Börse erwischte es mit einem Verlust von fast zehn Prozent noch schlimmer Ein positiver Ausreißer war die Börse in Madrid, wo die Kurse bis zu Mittag um 3,7 Prozent zulegten. Auch an den US-Börsen werden kräftige Verluste erwartet.

Viele Länder stemmen sich mit Hilfspaketen gegen den Absturz. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Krise abzufedern, will die schwedische Regierung 300 Mrd. Schwedische Kronen (28 Mrd. Euro) bereitstellen. Finanzministerin Magdalena Andersson kündigte am Montag an, der Staat werde die betroffenen Unternehmen massiv unterstützen. Die Zahlung von Arbeitgeber-, Einkommen- und Mehrwertsteuer könnte aufgeschoben werden. Außerdem werde der schwedische Staat Teile der Lohnkosten übernehmen, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter beurlauben müssen.

Auch die Parteien im norwegischen Parlament einigten sich am Montag auf ein Rettungspaket von 100 Mrd. Norwegischen Kronen (9 Mrd. Euro). Zwangsbeurlaubte Angestellte sollen 20 Tage lang ihr volles Gehalt beziehen. Selbstständige und Freiberufliche bekommen nach 17 Tagen ohne Einkommen staatliche Leistungen. Unternehmen können die Zahlung von Vorsteuer und Mehrwertsteuer aussetzen.

Auch in Russland kommt die Politik der Wirtschaft zu Hilfe. Die Regierung tut das mit einem Fonds, der vorerst mit 300 Mrd. Rubel (rund 3,6 Mrd. Euro) dotiert ist. Über diesen Fonds sollten "Industrie und Bürger" geschützt werden, hieß es. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt vor allem für die Tourismusbranche und den Flugverkehr gedacht. Kleine und mittlere Betriebe sollen auch leichter Kredite und Subventionen bekommen. In Russland sind nach offiziellen Zahlen bislang etwas mehr als 60 Coronafälle nachgewiesen. Viele Experten glauben aber, dass die eigentliche Zahl in dem Riesenreich wegen fehlender Tests viel höher liegen könnte.

In China hinterlassen die Folgen der Coronavirus-Epidemie deutliche Bremsspuren in der Wirtschaft. Die Industrie stellte im Jänner und Februar um 13,5 Prozent weniger her als ein Jahr zuvor, teilte das Statistikamt mit. Das war der schwächste Wert seit Jänner 1990, als die Aufzeichnungen begannen. Noch im Dezember 2019 - also vor Beginn der Epidemie - hatte es ein Plus von 6,9 Prozent gegeben.

Die Investitionen brachen in den ersten beiden Monaten um 24,5 Prozent ein. Der Einzelhandel meldete einen Umsatzeinbruch von 20,5 Prozent, da die Verbraucher überfüllte Orte wie Einkaufszentren mieden. Die Arbeitslosenquote Chinas kletterte im Februar auf 6,2 Prozent von 5,2 Prozent im Dezember und erreichte damit den höchsten Stand seit der Veröffentlichung offizieller Aufzeichnungen.

"Nach den Daten zu urteilen, ist der Schock für Chinas Konjunktur durch die Coronavirus-Epidemie größer als der durch die globale Finanzkrise", sagte Chefvolkswirt Zhang Yi vom Finanzhaus Zhonghai Shengrong Capital Management.

Konjunktur in Österreich bricht ein

Österreichs Wirtschaft wird wegen der Coronavirus-Krise heuer um 0,6 Prozent einbrechen, befürchten die Ökonomen der Bank Austria. Zuletzt gingen die Experten des Instituts für 2020 von einem BIP-Plus von 1,0 Prozent aus, nach 1,6 Prozent Zuwachs im Vorjahr. Im ersten Halbjahr werde es eine "technische Rezession" geben, danach das Wachstum aber umso kräftiger sein - bis hin zu +2,0 Prozent 2021.

Die restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus in Österreich würden die österreichische Wirtschaft jedenfalls in eine technische und kurze Rezession führen - was bei negativen Quartalswachstumsraten in zwei Vierteljahren hintereinander der Fall ist. Mit 0,6 Prozent BIP-Rückgang werde Österreich 2020 das schwächste Jahresergebnis seit 2009 ausweisen, sagte Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer am Montag. 2021 seien dann zwei Prozent Realwachstum in Reichweite.

Für den öffentlichen Haushaltssaldo gehen die Experten der Bank jetzt für heuer von einem Defizit von 1,2 Prozent des BIP aus, 2019 dürften es 0,5 Prozent Überschuss gewesen sein. Für die öffentliche Verschuldung wird ein Anstieg auf 71,1 (70,4) Prozent erwartet.

Diese neue Prognose sei wegen der Unabwägbarkeiten der Coronaausbreitung und der Intensität der eingesetzten Maßnahmen aber mit hoher Unsicherheit behaftet und das Prognoserisiko tendenziell nach unten gerichtet, betont das Institut.

Quelle: Apa, Dpa, Reuters

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