Wirtschaft

PSA und Fiat Chrysler einig über Großfusion

In der kriselnden Autobranche soll ein neuer Champion entstehen: Fiat Chrysler und die Opel-Mutter PSA wollen zum viertgrößten Autokonzern der Welt verschmelzen. Zusammen könnten sie die Herausforderungen der Ära klimafreundlicher Mobilität meistern, erklärten der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und sein französischer Rivale Peugeot SA (PSA) am Donnerstag.

Entsteht durch Fusion mit Opel-Mutter ein neuer Autogigant? SN/APA (dpa/Archiv)/Frank Rumpenhor
Entsteht durch Fusion mit Opel-Mutter ein neuer Autogigant?

PSA-Boss Carlos Tavares, der den neuen Konzern führen soll, sagte diesem eine "strahlende Zukunft" voraus. Politiker wie der französische Finanzminister Bruno Le Maire lobten, dass die beiden Hersteller zusammen eine dringend notwendige "kritische Größe" erreichen. Regierungen und Gewerkschaften sorgten sich aber auch über Stellenabbau, da die Fusion in eine Zeit des Abschwungs in der Branche fällt.

Nicht nur in Frankreich und Italien erklärten die Regierungen, mit Argusaugen auf die Beschäftigung zu achten, sondern auch in den deutschen Opel-Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz. Die bis Mitte 2023 geltende Jobgarantie für Opel dürfe nicht aufgeweicht werden, erklärte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Seine rheinland-pfälzische Amtskollegin Malu Dreyer (SPD) sagte dem "SWR", es dürfe nicht noch einmal zu Stellenabbau kommen. Bereits bei der Integration von Opel in den PSA-Konzern hätten die Opelaner einen großen Beitrag geleistet.

So wie bei der Übernahme von Opel vor zwei Jahren hieß es zur Fusion jetzt, es solle ohne Werksschließungen Milliarden an Kostensenkungen geben. Dennoch ist die Zahl der Opelaner von rund 19.000 vor dem Wechsel von General Motors zu PSA mittlerweile fast um ein Drittel geschrumpft - durch freiwilliges Ausscheiden und den Verkauf eines Teils der Entwicklung. Das trug neben einer sparsameren Produktion mit PSA-Technik dazu bei, dass Opel nach 18 Jahren Verlust im ersten Halbjahr 700 Millionen Euro Betriebsgewinn erzielte.

Opel müsse jetzt noch stärker im internen Wettbewerb um Investitionen kämpfen, erklärte Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Daher sei es sinnvoll, wenn sich die deutsche PSA-Tochter in der Entwicklung neue Themen sichere wie Assistenzsysteme oder Fahrzeug-Vernetzung. Die IG Metall pochte auf die Eigenständigkeit von Opel. Bezirksleiter Jörg Köhlinger erklärte, Spekulationen über negative Folgen für die Opel-Standorte schadeten nur.

Durch den Zusammenschluss entstünde der weltweit viertgrößte Autobauer nach Volkswagen, Toyota und Renault-Nissan mit einem Absatz von 8,7 Millionen Fahrzeugen, 170 Mrd. Euro Umsatz, 11 Mrd. Euro Betriebsergebnis und 410.000 Beschäftigten. Tavares würde künftig ein Imperium von 16 Automarken regieren - neben Fiat und Chrysler, Peugeot, Citroen und Opel-Vauxhall etwa die US-Marke Jeep bis hin zu den Luxuswagen von Maserati.

Eine Stärke von PSA ist die kostengünstige Entwicklung und Produktion von Elektroautos. Das könnte FCA nützen, die schon länger auf Partnersuche sind, um Milliardeninvestitionen in E-Mobilität und die anderen Technologietrends stemmen zu können. Für Fiat Chrysler sei das die Rettung, erklärte Jürgen Pieper, Autoexperte vom Bankhaus Metzler. "Das Unternehmen ist doch technologisch sehr stark zurückgefallen und hätte alleine enorme Schwierigkeiten, bei E-Mobilität und anderen Zukunftsthemen mit den anderen mitzuhalten." FCA kann mit seiner starken Marktstellung in den USA mit profitablen SUV- oder Pick-up-Modellen punkten. Trotz eines leichten Umsatzrückgangs verdiente FCA im dritten Quartal vor Steuern mit 2 Mr. Euro um 5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In Nordamerika habe Fiat Chrysler Rekordergebnisse erzielt.

Die Aufsichtsgremien beider Unternehmen strebten einen Konzern an, der jeweils zur Hälfte den Anteilseignern von FCA und PSA gehört, teilten die Unternehmen weiter mit. Neben Tavares als operativem Chef soll John Elkann (43), Ururenkel des Fiat-Gründers Gianni Agnelli senior, als Verwaltungsratschef den Autoriesen leiten. Eine erste formelle Vereinbarung zur Fusion soll in den kommenden Wochen erarbeitet werden. Bei FCA hat die Holding der Gründerfamilie Agnelli als Großaktionär das Sagen, bei den Franzosen sind mit jeweils gut zwölf Prozent die Familie Peugeot, der französische Staat und über den Fahrzeughersteller Dongfeng auch China die größten Anteilseigner.

PSA und FCA waren schon im Frühjahr im Gespräch, doch Elkann versuchte zunächst erfolglos einen Zusammenschluss mit Frankreichs Nummer eins Renault. Tavares sei jetzt die treibende Kraft gewesen, sagten mit den Vorgängen Vertraute. Der 61-Jährige Portugiese hat einen Ruf als harter Sanierer, der Peugeot vor der Pleite rettete. "Yes he can", schrieb Max Warburton, Analyst von Bernstein Research, mit Blick auf den komplexen Zusammenschluss von PSA und FCA. Während andere Top-Automanager Ferraris, Flugzeuge oder Weingüter anhäuften, sammele Tavares nur seine Quittungen. Er habe jahrelang über einen Deal mit FCA gegrübelt und studiert, was er tun müsse - Marke für Marke, Region für Region, Produkt für Produkt. "Es gibt detaillierte Schlachtpläne im Safe der PSA-Zentrale", vermutet Warburton. "Jetzt kann's losgehen."

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