Wirtschaft

Ryanair plant ab 1. Juli fast 1.000 Flüge täglich

Europas größter Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden, teilte die Laudamotion-Mutter am Dienstag mit. Täglich würde Ryanair dann fast 1.000 Flüge anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die die Airline vor der Coronakrise angesteuert hatte.

Ryanair will dringend wieder fliegen SN/AFP/OLI SCARFF
Ryanair will dringend wieder fliegen

Voraussetzung sei, dass die Regierungen die Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der EU lockern und an den Flughäfen Sicherheitsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt würden. Seit Ende März hat Ryanair den Großteil seines Flugbetriebs eingestellt und bietet derzeit täglich nur rund 30 Flüge zwischen Irland, Großbritannien und Kontinentaleuropa an.

Um die Übertragung des Coronavirus zu verhindern, sollen die Passagiere am Flughafen und an Bord laut Ryanair Gesichtsmasken tragen. Zudem sollen sie der Airline bei Flügen im Juli und August am Check-in ihre Kontaktdaten und die Dauer ihres Aufenthalts nennen. Ryanair plädiert zudem dafür, dass die Passagiere schon beim Betreten des Flughafens auf ihre Körpertemperatur überprüft werden.

Bei der österreichischen Tochter droht Ryanair-Chef Michael O'Leary weiter, mit Ende Mai die Basis in Österreich zu schließen, wenn die Gewerkschaften weiterhin Verhandlungen verweigern sollten. Zudem soll Laudamotions Flotte von 30 Airbus-Flugzeugen schrumpfen und in den kommenden Jahren durch Boeing-Maschinen ersetzt werden. Alle Bestellungen für die nächsten zwölf Monate wollen die Iren stornieren.

"Wir haben Flugzeuge, die in den nächsten zwölf Monaten ausgeliefert werden sollen, und wir werden fast alle diese Lieferungen stornieren", sagte O'Leary in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich denke, Lauda wird eine Flotte von ungefähr 30 Airbus-Flugzeugen haben - wir würden diese Airbus wahrscheinlich in den nächsten Jahren durch Boeing ersetzen", sagte er, unter der Bedingung, dass Ryanair in den Verhandlungen mit Boeing über eine Entschädigung für die Verzögerungen bei der Auslieferung des 737 MAX "ein akzeptables Ergebnis" erzielt.

Am Ryanair-Neustart werde sich die österreichische Tochter Lauda nicht mit einem Volumen von 40 Prozent beteiligen, sagte Laudamotion-Geschäftsführer David O'Brien zur dpa. Hintergrund seien Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft vida. Derzeit gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Lauda geschlossen werde, so der Manager. Heuer seien zunächst ab Juli Flüge in Düsseldorf und Stuttgart geplant.

Ryanair hat in den vergangenen Wochen mehrmals betont, dass man Wien selbst bei Auflassung der Lauda-Basis nicht verlassen werde. "Die Strecken von Lauda werden dann mit Wetlease-Flugzeugen von Buzz, Malta Air und Ryanair bedient und die Airbusse auf andere Bases verlegt", sagte O'Brien vor zwei Wochen. In Wien sind zur Zeit zwölf Airbus A320 von Lauda und drei Boeing 737-800, betrieben von Ryanair, stationiert.

Am Dienstagabend wurde bekannt, dass Ryanair gegen die Corona-Staatshilfen für Airlines juristisch vorgeht. Die Airline legte vor dem Europäischen Gerichtshof Einspruch gegen staatliche Beihilfen für Air France und SAS ein. Zur Einordnung: Auch in Österreich hat Ryanair als Besitzer der Laudamotion wenig Freude mit etwaigen staatlichen Finanzhilfen für die Lufthansa-Konzerntochter AUA. 

Die Reisebranche ist besonders schwer von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Die Airlines mussten wegen eines europäischen Reiseverbots fast alle ihre Flieger am Boden lassen, weshalb Regierungen Hilfen für staatliche Fluggesellschaften gewährt haben oder diese in Betracht ziehen.

Quelle: Apa/Dpa

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 12:58 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/ryanair-plant-ab-1-juli-fast-1-000-fluege-taeglich-87448039

Kommentare

Schlagzeilen