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Ryanair will in Frankfurt landen - Lufthansa-Aktie sinkt

Der irische Billigflieger Ryanair will nun auch an der Lufthansa-Heimatbasis in Frankfurt starten und landen. Der dortige Flughafenbetreiber Fraport und Ryanair kündigten am Dienstag eine gemeinsame Pressekonferenz für Mittwochvormittag an Deutschlands größtem Flughafen an. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX soll erstmals ein Flugangebot von Frankfurt aus vorgestellt werden.

Ryanair will in Frankfurt landen - Lufthansa-Aktie sinkt SN/APA (dpa)/Thomas Frey
Neue Basis in Hamburg, nun soll auch Frankfurt dazukommen.

Die Lufthansa-Aktie reagierte mit Kursverlusten auf die Nachrichten. Nachdem die Ryanair-Pläne am frühen Nachmittag durchgesickert waren, sackte der Kurs aus der Gewinnzone zeitweise um mehr als zwei Prozent ins Minus. Zuletzt lag die Lufthansa-Aktie noch 0,86 Prozent unter ihrem Schlusskurs vom Vortag. Die Aktionäre des Frankfurter Flughafen indes jubelten: Fraport-Aktien stiegen um knapp drei Prozent.

Bisher meidet Ryanair ebenso wie viele andere Billigflieger den Frankfurter Flughafen. Als Grund hatten die Iren bisher die im Vergleich zu anderen Airports deutlich höheren Gebühren sowie die langen Wendezeiten für die Flugzeuge auf dem Boden genannt.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) zufolge will Ryanair zunächst zwei Flugzeuge in Frankfurt stationieren, die als erste Ziele Palma de Mallorca und das südspanische Alicante anfliegen sollen. Die Iren profitierten dabei vom Neukundenrabatt des Betreibers Fraport, der Ryanair zudem eine 35-Minuten-Drehzeit zwischen Landung und Start zugesagt haben soll.

Damit wären nach vorläufigen Berechnungen bis zu sechs tägliche Starts von Frankfurt möglich. Die Strecke Frankfurt-Mallorca wurde im abgelaufenen Sommer von Lufthansa, der Niki-Mutter Air Berlin, der Thomas-Cook-Tochter Condor, dem Lufthansa-Ableger SunExpress sowie der TUI-Fluglinie Tuifly bedient. Alicante wurde nur einmal die Woche von der Lufthansa angeflogen.

Für den Flughafen Frankfurt ist das Andocken von Ryanair ein Durchbruch, da bisher keine der großen Günstig-Airlines Frankfurt angesteuert hat. Bekannteste Vertreter sind Vueling, die nach Barcelona fliegt, und die isländische Wow Air. "Wir waren da lange sehr zurückhaltend. Langfristig werden wir um den Markt nicht herumkommen", hatte Fraport-Chef Stefan Schulte vor einem Monat in einem Interview mit Reuters gesagt. An dem Flughafen kommen Billigflieger derzeit auf einen Anteil von vier Prozent, an anderen Drehkreuzen seien es 20 Prozent bis 30 Prozent. "Daran kann man die Entwicklung ablesen, die wir in Frankfurt in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwarten."

Fraport könne den Neulingen mit finanziellen Anreizen und schnellen Abfertigungszeiten entgegenkommen. Gleichzeitig will der Konzern durch neue Airlines die Abhängigkeit vom Großkunden Lufthansa verringern, der 60 Prozent der Passagiere stellt. Und die Verhandlungen mit Ryanair liefen offenbar schneller als gedacht: Ursprünglich wollte sich Schulte bis zum Frühjahr Zeit lassen, um den ersten großen "Low Cost Carrier" in Frankfurt zu präsentieren.

Wann und mit welchem Flugangebot Ryanair antritt, blieb in den Einladungen noch offen. Sprecher verwiesen auf die geplante Pressekonferenz. Der Winterflugplan ist gerade angelaufen. Jetzt beginnen die Planungen für den Sommerflugplan, der Ende März mit Einführung der erneuten Sommerzeit in Kraft tritt.

Die Iren fordern die Lufthansa damit an deren wichtigstem Drehkreuz heraus. Bisher fliegt Ryanair vom Flughafen Frankfurt-Hahn, der etwa 120 Kilometer von der Großstadt entfernt in Rheinland-Pfalz liegt. In Hamburg eröffnete Ryanair am Dienstag eine neue Basis. Die Iren stationieren in der Hansestadt zunächst zwei Maschinen vom Typ Boeing 737-800. Völlig neu im Hamburger Streckennetz sind damit die bulgarische Hauptstadt Sofia, die bereits seit September angeflogen wird, sowie Mailand-Bergamo und London Stansted.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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