Wirtschaft

Schicke Stromer, dicke SUVs: Welche Highlights die Automesse IAA bringt

Der schwierige Umbruch von klimaschädlichen Verbrennern zu massentauglicher Elektromobilität dominiert die Internationale Automobilausstellung (IAA). Volkswagen geht mit dem ID.3 ins Elektro-Zeitalter. Die wichtigsten Neuheiten im Überblick.

Die größte Show zieht Volkswagen für seinen Kompaktwagen ID.3 ab, der dem Konzern in der Elektrowelt golf- und käferähnliche Verkaufszahlen bringen soll. SN/APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
Die größte Show zieht Volkswagen für seinen Kompaktwagen ID.3 ab, der dem Konzern in der Elektrowelt golf- und käferähnliche Verkaufszahlen bringen soll.

Sind die Autohersteller Teil des weltweiten Klimaproblems oder vielleicht auch ein Teil der Lösung? Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt werden die drängenden Fragen der künftigen Mobilität verhandelt - aber gleichzeitig müssen die Hersteller gegen den ungünstigen Markttrend auch möglichst viele Autos verkaufen.

Umweltschützer wollen Mercedes, BMW und Co. wegen des stetig steigenden Absatzes schwerer Stadtgeländewagen an den Klima-Pranger stellen. Die Hersteller halten mit einer Vielzahl neuer Elektromodelle dagegen.

Neuer Porsche Taycan: "E-Mobilität braucht Fahrspaß"

Auf der IAA wurde das erste reine Elektroauto von Porsche, der Luxussportwagen Taycan präsentiert. Der in Stuttgart gebaute Taycan beschleunigt in seiner stärksten Variante Turbo S mit 761 PS in weniger als drei Sekunden von Null auf 100 Stundenkilometer.

Der Umstieg zu klimaschonender Elektromobilität erfordere attraktive Produkte, für die sich Menschen begeisterten, betonte der Porsche-Chef Oliver Blume. Mobilität sei generell unverzichtbar für die Gesellschaft. "Es geht eher darum, intelligentere Formen der Mobilität zu finden. Am Ende sollte der Spaß am Fahren nicht zu kurz kommen." Die Elektromobilität sei ein erster Schritt. "Vielleicht gibt es in zwanzig Jahren ganz andere Möglichkeiten. Es nutzt uns nichts, wenn wir zehn Jahre diskutieren, und am Ende haben wir gemeinsam nichts erreicht."

Volkswagen geht mit ID.3 ins Elektro-Zeitalter

Nach langer Vorbereitung will Volkswagen jetzt mit dem Elektro-Mittelklassewagen ID.3 die E-Mobilität massentauglich machen. Der Konzern zeigte die Neuentwicklung am Montagabend erstmals der Öffentlichkeit. "Der ID.3 ist mehr als ein neues Modell. Das ist das Auto, das von uns jetzt erwartet wird", sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess in Frankfurt.

Diess sprach von einem "entscheidenden Moment" für das Unternehmen. Die Serienfertigung des ID.3 soll im November im Werk Zwickau anlaufen, für das Frühjahr 2020 sind die ersten Auslieferungen geplant. Zwar hat die VW-Gruppe bereits einige Elektroautos im Programm - etwa den Audi e-tron oder den E-Sportwagen Porsche Taycan, dessen Produktionsstart am Montag war. Eine rein elektrische Großserie zu einem geringeren Einstiegspreis fehlte bisher aber noch.

Der ID.3 basiert auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Diese Technologie, die durch Nutzung vieler gleicher Teile auch Kosten spart, soll in den kommenden drei Jahren bei insgesamt 33 Modellanläufen verwendet werden. "Für die Marke Volkswagen ist der ID.3 der Auftakt einer großen Elektro-Offensive", sagte Diess. Um die bisher teuren Fahrzeuge "aus der Nische zu holen", wird der ID.3 in der Grundversion unter 30 000 Euro angeboten.

VW-Markengeschäftsführer Ralf Brandstätter sieht den Wagen "in einer Reihe mit dem Käfer und dem Golf". Das Modell soll eine CO2-neutrale Klimabilanz haben. Klimaschutz sei heute "nicht Werbung oder ein Claim, sondern innere Haltung", betonte der Manager am Dienstag.

Mercedes zeigt elektrische S-Klasse "EQS"

Daimler bangt trotz neuer Elektroautos weiter um das Erreichen der Klimaschutzziele in Europa. Die Pkw-Tochter Mercedes-Benz könne mit ihrem Angebot an rein elektrischen Modellen und Hybridwagen die Ziele zur Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes zwar erreichen, erklärte der Daimler-Chef. Doch könne man den Kunden nicht vorschreiben, was sie kaufen. Auf der Messe geben die Schwaben über die bisherigen Modelle der neuen Elektromarke EQ, das SUV EQC und den Van EQV, einen Ausblick auf die Mercedes-E-Autos der Zukunft - ein Konzeptfahrzeug zur vollelektrischen Luxuslimousine EQS.

Byton stellt Serienmodell mit Riesen-Display vor

Auch die chinesischen Autobauer setzen auf E-Antriebe. Die chinesische Elektroauto-Firma Byton hat ihr erstes Fahrzeug mit einem bisher einzigartigen Riesen-Display im Cockpit zur Serienreife gebracht. Auf der IAA in Frankfurt zeigte Byton das Produktionsmodell des SUV M-Byte. Die ersten Fahrzeuge sollen Mitte 2020 in China ausgeliefert werden, sagte Byton-Chef Daniel Kirchert. Im ersten Halbjahr 2021 folgen die USA und Europa.

Die Auslieferungen sollen damit drei Monate später als ursprünglich geplant beginnen. Zugleich soll der Wagen nun in Europa zeitgleich mit den USA auf den Markt kommen und nicht danach. "Das hat nichts mit dem Handelsstreit zu tun, sondern wir sehen, dass jetzt in Europa die Post abgeht", sagte Kirchert. Das sei vor zwei, drei Jahren nicht absehbar gewesen.

In den USA wäre Byton nach aktuellem Stand von einem Zusatzzoll von 30 Prozent betroffen. Auch wenn das 2021 noch der Fall sein sollte, würde Byton an einem Markteintritt festhalten, sagte Kirchert. Man würde dann zwar weniger Fahrzeuge verkaufen, "aber das Produkt hätte immer noch einen Markt, selbst mit dem höheren Preis". Der M-Byte soll 45.000 Euro vor Mehrwertsteuer kosten.

Auch die Chinesische Marke Hongqi setzt auf E-Antriebe.

 Hongqi, eine chinesische Luxusautomarke, ist auf der IAA präsent. SN/AP
Hongqi, eine chinesische Luxusautomarke, ist auf der IAA präsent.

SUV-Boom ist noch längst nicht vorbei

Die dicken SUV-Dinger sind auf der geschrumpften IAA aber immer noch an jeder Ecke präsent. Schließlich wächst das Segment weltweit, und die Firmen verdienen mit größeren Autos mehr als bei den ausgereizten Kleinwagen. Stark umlagert von Fotografen und Kameras ist der neue "Defender" von Land Rover - die britische Geländewagen-Ikone, die im 21. Jahrhundert auch mit einem "Urban Pack" angeboten wird. Dazu dichtet die Marketing-Abteilung: "Erobern Sie den Großstadtdschungel. Mit dem Urban Pack zieht der Defender in der Stadt mit Stil, Selbstvertrauen und Gelassenheit alle Blicke auf sich."

Auch Opel bekannte sich grundsätzlich zu den SUVs in seinem Programm. Das Segment kleinerer Stadtgeländewagen wird nach Einschätzung von Vorstandschef Michael Lohscheller weiter wachsen. "Die Kunden fragen insbesondere diese kleinen SUVs stark nach", sagte er. Die zum französischen PSA-Konzern gehörende Marke werde ihren SUV-Anteil von jetzt 30 Prozent steigern. Die kompakten Autos könnten unter anderem mit elektrischen Antriebe und niedrigem Verbrauch gefahren werden.

Für die kommenden Tage sind Proteste rund um das Frankfurter Messegelände angekündigt. An den ersten Publikumstagen am Samstag und Sonntag (14./15. September) soll es große Demonstrationen geben. Die Autogegner verlangen von der Industrie nicht nur die Entwicklung von mehr reinen Elektroautos, sondern auch leichtere und kleinere Wagen. Die Gefahr für Fußgänger durch SUVs wurde hitzig debattiert, nachdem in Berlin vier Menschen bei einem Unfall gestorben waren.

Quelle: SN-Bu, Apa, Dpa

Aufgerufen am 17.09.2019 um 01:30 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/schicke-stromer-dicke-suvs-welche-highlights-die-automesse-iaa-bringt-76058056

Kommentare

Schlagzeilen