Wirtschaft

Siemens stockt bei Gamesa auf 67 Prozent auf

Siemens kauft den streitbaren spanischen Mitaktionär Iberdrola um 1,1 Mrd. Euro aus seiner Windkraft-Tochter Siemens Gamesa heraus. Damit stockt der deutsche Konzern seine Beteiligung an Gamesa von 59 auf 67 Prozent auf. "Die Zeit ist reif, den nächsten Schritt zu gehen,", sagte Vorstandschef Joe Kaeser am Dienstag. Siemens startete mit einem deutlichen Gewinnrückgang ins neue Geschäftsjahr.

Klimaschutz-Debatte beherrscht Hauptversammlung SN/APA (AFP)/CHRISTOF STACHE
Klimaschutz-Debatte beherrscht Hauptversammlung

Mit der Übernahme der 8,1 Prozent, die der spanische Energiekonzern Iberdrola gehalten hatte, wird Siemens einen Anteilseigner los, mit dem es seit der Fusion von Gamesa mit der Windkraft-Sparte von Siemens immer wieder Spannungen gegeben hatte. Gamesa soll Teil des Energietechnik-Konzerns Siemens Energy werden, der heuer abgespalten und separat an die Börse gebracht werden soll.

"Alle Rechtsstreitigkeiten zwischen Iberdrola und Siemens werden beigelegt", betonte der Konzern in der Mitteilung. Die Spanier hatten sich mit Siemens immer wieder über die Führung von Gamesa gestritten. Iberdrola pochte auf mehr Einfluss, erst Siemens-Chef Kaeser konnte den Streit vorübergehend schlichten. Nach dem Ausstieg von Iberdrola hofft Siemens, bei Gamesa direkter durchgreifen zu können. Durch eine engere Kooperation mit Gamesa seien Einsparungen von 100 Millionen Euro im Jahr möglich. Ein Vertrag soll die künftige Zusammenarbeit mit Iberdrola bei Windkraft- und Netz-Projekten regeln.

Siemens zahlt Iberdrola 20 Euro für jede Gamesa-Aktie. Der Preis liegt gut ein Viertel über dem Schlusskurs vom Dienstag, aber unter dem ursprünglich für einem Ausstieg von Iberdrola vereinbarten Betrag.

Der Industriekonzern startete mit einem deutlichen Gewinnrückgang ins neue Geschäftsjahr und verfehlte damit die Expertenerwartungen. Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft, die meistbeachtete Erfolgs-Kennziffer, brach im 1. Quartal (Oktober bis Dezember) um 30 Prozent auf 1,43 Mrd. Euro ein, wie der deutsche Industriekonzern am Mittwoch vor der Hauptversammlung mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt mit 1,88 Mrd. Euro gerechnet. Das vor der Abspaltung stehende Energietechnik-Geschäft zeigte ebenso Schwächen wie das Aushängeschild, die Industrieautomatisierung (Digital Industries). Diese litt unter dem Abschwung in der Autoindustrie und im Maschinenbau und musste einen operativen Gewinnrückgang um ein Drittel hinnehmen.

Joe Kaeser sprach von einem verhaltenen Start ins Geschäftsjahr. Der Nettogewinn ging um 3 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro zurück. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 20,3 Mrd. Euro, während der Auftragseingang mit 24,8 Mrd. Euro um 2 Prozent unter Vorjahr lag. Die Kennzahlen lagen über den Analystenerwartungen. Siemens bestätigte die Prognosen für 2019/20 (Ende September): Der Umsatz soll auf vergleichbarer Basis moderat steigen, der Gewinn je Aktie soll zwischen 6,30 und 7,00 (Vorjahr: 6,41) Euro landen.

"Die unbefriedigende Situation im gesamten Energiegeschäft macht deutlich, wo der primäre Handlungsbedarf liegt", sagte Kaeser. Siemens Energy soll im September separat an die Börse gebracht werden, Siemens will dann die Mehrheit abgeben. Die restlichen Anteile sollen an die eigenen Aktionäre abgegeben werden. Kern der Sparte sind Turbinen und Dienstleistungen für Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke. Der operative Gewinn in diesem Geschäft brach im ersten Quartal um fast zwei Drittel ein, die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa, der Hoffnungsträger für die Energiewende, rutschte sogar in die roten Zahlen. Die Diskussion um den Klimawandel dürfte auch die Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle bestimmen.

Siemens steht eine von Protesten und Kritik begleitete Hauptversammlung bevor. Zum Aktionärstreffen in München haben verschiedene Gruppierungen Proteste gegen den deutschen Industriekonzern angekündigt. Im Zentrum steht dabei die Kritik von Klimaaktivisten an der Beteiligung des Konzerns an einem riesigen Kohlebergbauprojekt des Adani-Konzerns in Australien.

Einen Vorgeschmack bekam Siemens bereits am Dienstag: Aktivisten von Greenpeace besetzten das Dach der Konzernzentrale in München und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift: "Buschbrände beginnen hier". Joe Kaeser sagte, es mute "schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnik-Projekt in Australien zur Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind".

Auch von Investorenseite wird sich Kaeser einiges anhören dürfen. Zuletzt hatte Vera Diehl von Union Investment den Auftrag für das Kohlebergwerk als "kommunikatives Desaster für Siemens" bezeichnet.

Quelle: Apa/Ag.

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