Wirtschaft

Startfreigabe für Lufthansa-Staatshilfe

Am Ende lenkte der Milliardär Heinz Hermann Thiele ein, die Aktionäre stimmten der Rettung der Lufthansa zu.

 SN/AFP

Die Aktionäre der Lufthansa haben am Donnerstagabend mit einer Mehrheit von 98 Prozent dem Rettungspaket und damit den Staatshilfen für die Airline zugestimmt. Laut Vorstandschef Carsten Spohr "sichert die Entscheidung unserer Aktionäre der Lufthansa eine Perspektive für eine erfolgreiche Zukunft. Er bedankte sich für die Unterstützung der Bundesregierung zur Stabilisierung der Lufthansa. Der Verstand sei sich der Verantwortung bewusst, die bis zu 9 Milliarden so schnell wie möglich an die Steuerzahler zurückzuzahlen."

Das Rettungspaket sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zug einer Kapitalerhöhung Aktien für etwa 300 Mill. Euro zeichnet, für den er nur den Nennwert von 2,56 Euro zahlt, rund ein Viertel des aktuellen Aktienkurses. Im Fall einer feindlichen Übernahme könnte der Staat auf eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent kommen. Vorgesehen sind auch stille Einlagen über 5,7 Mrd. Euro und ein KfW-Kredit über 3 Mrd. Euro.

Im Fall einer Ablehnung wäre als Plan B die Insolvenz der Lufthansa auf der Tagesordnung gestanden - samt nicht absehbaren Folgen. Das unterstrichen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag. Ohne Hilfe hätte der Fluggesellschaft schon in den nächsten Tagen die Insolvenz gedroht, sagte Kley, "wir haben kein Geld mehr". Eine Insolvenz wolle man "unbedingt vermeiden", unterstrich Lufthansa-Chef Spohr. Sie berge erhebliche Risken für Mitarbeiter, Kunden und Eigentümer. Daher sollten auch Aktionäre im Sinne der Solidarität "ihren ganz persönlichen Beitrag zur Stabilisierung der Lufthansa leisten", sagte Spohr.

Das konnte man vor allem als Botschaft an Lufthansa-Großaktionär Hans Hermann Thiele verstehen. Der hatte im Vorfeld mit seiner Kritik am Einstieg des Staats für erhebliche Unruhe gesorgt und erst am Tag vor der Hauptversammlung signalisiert, doch dafür zu stimmen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Vielleicht waren es auch die leidenschaftlichen Appelle zahlreicher Lufthansa-Mitarbeiter, die am Flughafen Frankfurt laut für ein Ja zum Rettungspaket demonstrierten und eindringlich vor der Vernichtung von 138.000 Arbeitsplätzen warnten? Oder war es doch mehr die unternehmerische Vernunft, die den 79-jährigen Milliardär Thiele dazu bewog, seine Meinung zu ändern und dem "Stabilisierungspaket" zur Rettung der Lufthansa doch zuzustimmen?

Thiele war in die Lufthansa eingestiegen, nachdem diese wie die gesamte Luftfahrt wegen der Corona-Pandemie ins Trudeln geraten war. Schrittweise hatte er seinen Anteil auf 15,52 Prozent erhöht, damit ist er größter Aktionär. Weil sich weniger als 50 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre zur Hauptversammlung angemeldet hatten, war für Beschlüsse eine Zwei-Drittel-Mehrheit des anwesenden Kapitals erforderlich. Und die konnte es nicht gegen den Willen des Großaktionärs geben.

Ein Gespräch zwischen Thiele mit dem deutschen Wirtschafts- und Finanzminister und Lufthansa-Chef Spohr am Montag war ohne Ergebnis geblieben. Erst am Abend vor der Hauptversammlung schwenkte er um.

Die Lufthansa-Rettung rief auch andere Kritiker auf den Plan. Der irische Billigflieger Ryanair kündigte eine Klage beim Europäischen Gerichtshof an. Das Ja zur Lufthansa-Rettung sei "ein spektakulärer Fall, wie ein reiches EU-Mitglied die EU-Verträge ignoriert, zum Wohl der eigenen Wirtschaft und zum Schaden ärmerer Länder", sagt Ryanair-Chef Michael O'Leary. Berlin verschwende viel Steuergeld, um eine nicht wettbewerbsfähige Airline gesund zu spritzen. Kleinere Mitbewerber würden damit aus dem Markt gedrängt, wettert der Ryanair-Chef, der den in Österreich geplanten Ticket-Mindestpreis von 40 Euro als "staatlich finanziertes Preiskartell" kritisiert.

Die Lufthansa erreichte am Donnerstag zwei andere wichtige Etappenziele auf dem Weg zur Sanierung. Die EU-Kommission gab dem Rettungspaket die Zustimmung, die Lufthansa muss aber Start- und Landerechte an andere Airlines abgeben, um eine Wettbewerbsverzerrung auszuschließen. Zudem einigte man sich mit der Kabinenbesatzung, die ihre Kosten für die Zeit der Krise um 17 Prozent senkt. Eine ähnliche Lösung sei auch bei den Piloten in Sicht, während es sich beim Bodenpersonal noch spießt. Hier könnte es betriebsbedingten Kündigungen geben, stellte Spohr die Rute ins Fenster.

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