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Streik legt VW-Werk in der Slowakei lahm

Im Kampf um höhere Löhne haben die Beschäftigten im slowakischen VW-Werk in Bratislava die Arbeit niedergelegt. Zum Auftakt des unbefristeten Ausstands am Dienstag beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als zwei Drittel der rund 12.300 Mitarbeiter.

Die Arbeitern fordern höhere Löhne.  SN/APA (AFP)/VLADIMIR SIMICEK
Die Arbeitern fordern höhere Löhne.

Volkswagen musste die Bänder anhalten, auf denen die Geländewagen VW Touareg und Audi Q7 sowie die Kleinwagen VW Up, Seat Mii und Skoda Citigo produziert werden. Auch die Fertigung der Karosserie für den Porsche Cayenne stand still. Den Produktionsausfall bezifferte Volkswagen nicht.

Der erste Streik in einem großen Automobilwerk in der Slowakei wird von der Regierung unterstützt, die sich für höhere Einkommen einsetzt. "Warum sollte ein Unternehmen, das die hochwertigsten und luxuriösesten Autos mit einer hohen Arbeitsproduktivität baut, seinen slowakischen Arbeitern die Hälfte oder ein Drittel dessen zahlen, was es den gleichen Mitarbeitern in Westeuropa zahlt?", sagte Premierminister Robert Fico.

Volkswagen hatte die Forderung nach 16 Prozent höheren Löhnen als überhöht zurückgewiesen. Das Angebot des Unternehmens von 4,5 Prozent mehr für dieses und 4,2 Prozent mehr für das kommende Jahr zuzüglich Boni lehnte die Gewerkschaft als zu niedrig ab. "Wir verdienen wenigstens eine zweistellige Erhöhung", sagte Gewerkschaftschef Zoroslav Smolinsky. Die VW-Beschäftigten in der Slowakei verdienen im Schnitt 1.800 Euro im Monat, doppelt soviel wie der nationale Durchschnitt. Zum Vergleich: Im Nachbarland Tschechien bringt ein Arbeiter bei der VW-Tochter Skoda umgerechnet rund 1.400 Euro im Monat nach Hause.

Das VW-Werk in Bratislava stellte im vergangenen Jahr rund 390.000 Fahrzeuge her, fast die gesamte Produktion ist für den Export bestimmt. Porsche lässt in der Slowakei die Karosserie für den Cayenne herstellen, zusammengebaut wird der SUV in Leipzig. Die Auswirkungen des Ausstands seien noch nicht absehbar, sagte eine Porsche-Sprecherin.

Der Streik in der Slowakei dürfte auch die anderen Autobauer aufhorchen lassen. Das Land ist der größte Pro-Kopf-Hersteller der Welt. Das Land mit einer Bevölkerung von 5,4 Millionen Einwohnern produziert mehr als eine Million Autos im Jahr. Mehrere große Massenhersteller haben wegen der niedrigen Löhne Teile ihrer Produktion nach Osteuropa verlagert. Seit einigen Jahren steigen die Einkommen jedoch teils kräftig. Der französische Autobauer Peugeot und die südkoreanische Marke Kia hatten die Löhne in ihren slowakischen Werken unlängst um 6,3 beziehungsweise 7,5 Prozent erhöht. Jaguar Land Rover will im nächsten Jahr ein Automobilwerk in der Slowakei in Betrieb nehmen.

Quelle: Apa/Ag.

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