Wirtschaft

Thomas-Cook-Insolvenz: Österreich plant keine Urlauber-Rückholung

Nach der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook bleiben weiterhin Fragen offen. Auf was Betroffene nun achten müssen.

Notfallpläne sollen Rückholaktion ermöglichen SN/APA (AFP)/ERIKA SANTELICES
Notfallpläne sollen Rückholaktion ermöglichen

Nach der Insolvenz von Thomas Cook will Großbritannien 135.300 britische Touristen in den kommenden 13 Tagen nach Hause fliegen. Am Montag seien bereits 14.700 gestrandete Urlauber zurückgeholt worden, teilte die Flugbehörde in London mit. Zusammen mit der Regierung und Luftfahrtkonzernen arbeite man rund um die Uhr an den Notfallplänen, um die größte Rückholaktion in Friedenszeiten zu stemmen. Für Dienstag seien 74 Flüge angesetzt, um 16.500 Urlauber zurück zu fliegen. Weltweit sind bis zu 600.000 Urlauber gestrandet, nachdem der älteste Reisekonzern der Welt hoch verschuldet in die Knie gegangen war.

In Österreich ist laut Außenministerium keine von der Regierung koordinierte Rückholaktion von Thomas-Cook-Urlaubern wie in Großbritannien geplant. "Ich sehe dazu im Moment keine Veranlassung, dass das notwendig werden könnte", sagte Außenministeriums-Sprecher Peter Guschelbauer gegenüber Ö1.

Eine solche Rückholaktion forderte am Montag die Vize-ÖVP-Klubobfrau und Ex-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Auch der freiheitliche Konsumentenschutzsprecher Peter Wurm hatte sich dafür stark gemacht, betroffene Touristen ohne ökonomischen Schaden sicher wieder nach Österreich zurückzubekommen. Rund 4.600 Gäste aus Österreich sollen sich laut Thomas Cook Austria von Montagnachmittag in diversen Urlaubsdestinationen befinden.

Von Absicherung sind Pauschalreisen umfasst, nicht Einzelbuchungen

Die von der Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook betroffenen österreichischen Pauschalreisenden können Buchungs- und Zahlungsbestätigungen beim zuständigen Abwickler Allianz Partners (AWP) bis spätestens 17. November 2019 einreichen. Für Kunden der Thomas Cook Austria AG wurde eine 24-Stunden-Hotline (+43 1 525 03 6853) eingerichtet, teilte AWP in einer Aussendung mit.

Weitere Informationen gibt es auch auf der Website www.allianz-travel.at. Zu Thomas Cook gehören auch Veranstaltermarken wie Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin. Allianz Partners ist in Österreich der Abwickler für die Reiseinsolvenzversicherung von Thomas Cook Austria gemäß Pauschalreiseverordnung. "Das bedeutet, dass Allianz Partners im Falle einer Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit die Ansprüche der Reisenden schnellstmöglich aufnimmt und Auszahlungen an die Kunden der Thomas Cook Austria AG vorbereitet. Die Reisenden erhalten ihre vollen Ansprüche erstattet, sofern die Höhe der Versicherungsdeckung dazu ausreicht. Ansonsten werden die Reisenden entsprechend aliquot entschädigt", schreibt der Abwickler. Von der Absicherung umfasst seien sämtliche Pauschalreisen, aber nicht einzelne Flug-oder Hotelbuchungen.

Was Urlauber jetzt tun sollten

Allianz Partners empfiehlt Reisenden von Thomas Cook Austria, deren Reiseantritt noch bevorsteht, vor der Abreise mit der Fluglinie und dem Hotelbetreiber abzuklären, ob alles planmäßig durchgeführt wird. "Wurde die Reise bereits bezahlt und angetreten, dann ist grundsätzlich davon auszugehen, dass auch der Rückflug stattfinden wird. Sollte dennoch ein Rückflug definitiv nicht stattfinden, können die betroffenen Reisenden entweder selbst, über ihr Reisebüro oder auch über Allianz Partners einen Rückflug buchen", so der zuständige Abwickler. Es sei "ebenso ist nicht auszuschließen, dass Reisende vor Ort aufgefordert werden, die Hotelrechnung erneut zu begleichen".

Auch Belege für alle während der Reise notwendigen Zusatzkosten für die Fortsetzung der Reise oder des Rücktransports können beim Abwickler eingereicht werden. Unterlagen sollten entweder per E-Mail an thomascook.at@allianz.com oder per Post an AWP P&C S.A., Service Center - Stichwort "Thomas Cook", Pottendorfer Str. 23-25, 1120 Wien gesendet werden.

Ein knappes Statement der Thomas-Cook-Marke Neckermann Österreich gibt es seit gestern früh. "Die Verhandlungen zur geplanten Rekapitalisierung der Thomas Cook Group plc sind gescheitert. Daher hat die Thomas Cook Austria AG jeglichen Verkauf von Reisen gestoppt und kann die Durchführung von gebuchten Reisen nicht gewährleisten. Unser Abwickler die AWP P&C S.A steht ab sofort als Ansprechpartner für alle Anfragen betreffend Buchungen und z.B. Reisepreisforderungen zur Verfügung", heißt es auf der Website von Neckermann Reisen Österreich. "Wir loten derzeit letzte Optionen aus. Sollten diese scheitern, sehen wir uns gezwungen einen Insolvenzantrag zu stellen."

Peterleithner: "Pauschaltouristen abgesichert"

Unzufrieden mit der Informationspolitik rund um Thomas Cook Austria ist der Parlamentarier und Konsumentenschützer Peter Kolba von der Liste Jetzt. "Der Spitzenpunkt der Frechheit ist es aber, wenn man in Kürze abreisenden Pauschalreisenden rät, sie sollen selbst abklären ob Airline, Hotelier und andere Leistungsträger noch leistungsbereit seien", so Kolba in einer Aussendung.

Der Präsident des Österreichischen Reiseverbands und TUI-Austria-Prokurist, Josef Peterleithner, erwartet für die Pauschaltouristen von Thomas Cook Austria keine großen finanziellen Risiken. Der Reiseveranstalter sei in Österreich mit über 20 Mio. Euro abgesichert. "Das wird ausreichend sein, um die Sicherheit, die finanzielle Sicherheit also der Gäste zu gewährleisten. Das ist auch der Vorteil einer Pauschalreise, wenn man im Reisebüro bucht", sagte der Branchensprecher am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radios. Wenn es Thomas Cook in Österreich nicht mehr geben sollte, dann wäre "das ein schwerer Schaden für die gesamte Branche".

Als einzige der fünf Fluggesellschaften von Thomas Cook hielt der deutsche Ferienflieger Condor den Betrieb am Montag aufrecht. Nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns kämpft auch die einst zur Lufthansa gehörende Traditionsmarke ums Überleben. Die deutsche Bundesregierung berät derzeit, ob der Fluglinie ein Kredit gewährt werden soll.

Thomas Cook Skandinavien nimmt Flugbetrieb wieder auf

Trotz der Insolvenz hat die skandinavische Fluggesellschaft Thomas Cook Airlines Scandinavia ihren Flugbetrieb am Dienstag wieder aufgenommen. Die ersten Flieger von Helsinki nach Teneriffa und von Göteborg nach Palma de Mallorca seien am Morgen abgehoben, teilte ein Sprecher der Thomas-Cook-Tochter Ving der Deutschen Presse-Agentur mit. Laut den Webseiten der Abflughäfen starteten die beiden Passagiermaschinen jeweils um kurz nach 7.00 Uhr.

Ving hatte am späten Montagabend mitgeteilt, dass der Flugbetrieb am Dienstag wieder laufen sollte. Das galt auch für andere skandinavische Töchter der Thomas Cook Gruppe, darunter Tjaereborg, Globetrotter und Spies. Weil sie unabhängige und profitable Teile der Gruppe seien, könnten sie "mit Hilfe unserer Banken, Gläubiger und Bürgen den Betrieb fortsetzen", sagte der Geschäftsführer von Thomas Cook Nordeuropa, Magnus Wikner.

Pleite für Griechen "stärkster Schlag seit der Finanzkrise"

Griechische Tourismusverbände gehen davon aus, dass die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook den Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte. Der Tourismusverband Sete rechnet mit Einbußen von 250 Millionen bis 500 Millionen Euro. Eine andere Berechnung, die des Verbands Hellenischer Hoteliers (GTP), schätzt den Verlust für die griechische Tourismusbranche auf 300 Millionen Euro. Es sei für die Wirtschaft "der stärkste Schlag seit der Finanzkrise", schrieb am Dienstag die Wirtschaftszeitung "Naftemporiki".

Im Ranking der fünf wichtigsten Destinationen von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei, 2018 brachte das Unternehmen rund 2,8 Millionen Besucher ins Land. Vor allem Hoteliers auf Kreta, Rhodos und Kos arbeiteten laut GTP eng mit den Briten zusammen. Zudem betrieb Thomas Cook in Griechenland vier eigene Hotels und beschäftigte 640 Mitarbeiter. Was nun mit den Beschäftigten und den Hotels geschieht, sei unklar, berichten griechische Medien.

Pleite trifft auch TUI-Kunden

Die Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook trifft in Großbritannien auch Kunden des Hauptkonkurrenten TUI. TUI-Urlauber aus dem Land, die bis 31. Oktober auf Flüge mit Thomas Cook Airlines gebucht waren, können ihre Reise nicht antreten, sagte ein TUI-Sprecher am Dienstag in Hannover. Für bereits verreiste Kunden, deren Flüge wegen der Insolvenz ausfallen, würden Ersatzflüge angeboten.

TUI arbeite an Maßnahmen zur Unterstützung, teilte der Konzern bei der Vorlage seiner Buchungszahlen für die Sommersaison mit. Der Thomas-Cook-Konzern hatte in der Nacht zum Montag Insolvenz angemeldet. Dessen deutsche Fluglinie Condor fliegt allerdings noch weiter und hofft auf einen Überbrückungskredit der deutschen Regierung. Auch TUI-Kunden könnten weiterhin mit Condor fliegen, sagte der Sprecher.

Quelle: Apa/Ag.

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