Wirtschaft

Trump schießt gegen eigenen Notenbankchef

US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed ungewöhnlich offen attackiert. Trump kritisiert vor allem die straffere Geldpolitik des von ihm selbst nominierten Fed-Präsidenten Jerome Powell. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert", sagte Trump in einem Interview.

US-Präsident nahm Powell ins Visier SN/APA (AFP)/SAUL LOEB
US-Präsident nahm Powell ins Visier

Mehr Rückendeckung von den Währungshütern erhofft sich der US-Präsident insbesondere bei harten Verhandlungen im Zollstreit. "Wir werden gewinnen. Aber in dieser Zeit sollte mir die Fed etwas helfen." Er warf China und Europa vor, ihre Währungen zu manipulieren. Auch im Streit mit dem NATO-Partner Türkei zeigte sich Trump hart: "Es wird keine Zugeständnisse geben."

US-Präsidenten haben in der Vergangenheit die unabhängig agierende Federal Reserve (Fed) so gut wie nie öffentlich kritisiert. Mit diesem Tabu brach Trump nun erneut und sorgte am Dienstag für heftige Reaktionen an den Finanzmärkten. Mit seiner Fed-Kritik versetzte Trump dem Dollar einen Dämpfer. Die US-Währung schwächte sich zu anderen Devisen deutlich ab und notierte so schwach wie zuletzt vor knapp zwei Wochen. Der Euro stieg um bis zu 0,6 Prozent auf 1,1543 Dollar.

Im Wahlkampf hatte Trump noch der früheren Fed-Chefin Janet Yellen vorgeworfen, mit einer lockeren Geldpolitik den damaligen US-Präsidenten Barack Obama zu unterstützen. "Nun kommt ein opportunistischer Schwenk", sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Trump befürchtet jetzt offenbar, dass höhere Zinsen der US-Konjunktur schaden können." LBBW-Experte Elmar Völker erwartet dennoch, dass sich die Währungshüter nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. "Die Fed dürfte im September und im Dezember jeweils ihre Zinsen wie signalisiert anheben."

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zwei Mal den Leitzins erhöht, zuletzt im Juni auf die Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. An den Börsen wird mit weiteren Schritten gerechnet, weil die US-Wirtschaft heiß läuft. Die Inflation ist so hoch wie seit sechs Jahren nicht und die Arbeitslosigkeit so gering wie seit rund 20 Jahren - auch dank Trumps radikaler Steuerreform.

Trumps Äußerungen kommen kurz vor der jährlichen Konferenz der weltweit wichtigsten Notenbanker, die sich ab Freitag in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming treffen. Dort werden die Experten sicher auch die Unabhängigkeit der Fed erörtern. Kurzfristig erwarten viele Fachleute zwar keine Auswirkungen von Trumps Äußerungen. Der Präsident präge allerdings das Meinungsklima im Land, sagte Krämer. "Wenn beträchtliche Teile der Wähler gegen die Unabhängigkeit der Zentralbank sind, kann sich dem keine Zentralbank der Welt auf Dauer entziehen." Dann hätte die Fed Gegenwind. "Langfristig ist das gefährlich."

Trumps Mahnungen seien auch ein klares Signal an Kandidaten, die mit einem der noch vielen offenen Posten in der Fed-Spitze liebäugelten, sagte Rentenstratege Guy LeBas vom Finanzdienstleister Janney Montgomery Scott: "Sei für eine lockere Geldpolitik oder suche Dir einen anderen Job."

Die Fed selbst äußerte sich nicht zu Trumps Kritik. Notenbankchef Powell hat jüngst in einem Interview betont, die Fed habe eine lange Tradition der Unabhängigkeit und mache ihre Arbeit "streng unpolitisch". Mit Blick auf Powell als Fed-Chef warf Trump nun im Interview die Frage auf "Bin ich zufrieden mit meiner Wahl? ... Ich werde es Sie in sieben Jahren wissen lassen", sagte er den Reuters-Reportern. Zum Thema Unabhängigkeit der Fed sagte Trump nur: "Ich glaube daran, dass die Fed das tut, was gut für das Land ist."

Quelle: Apa/Ag.

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