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Über 100.000 Passagiere von Lufthansa-Streiks betroffen

Die Piloten der Lufthansa planen am Mittwoch einen großen Streik. Insgesamt seien davon rund 100.000 Passagiere betroffen, teilte die Airline mit. Der angekündigte Streik trifft auch Wien: 22 Flüge fallen aus. Die AUA reagiert mit dem Einsatz größerer Flugzeuge von Wien nach Frankfurt und München. Bereits am Dienstag verhinderten die Flugbegleiter der Lufthansa-Tochter Eurowings rund 60 Flüge.

Über 100.000 Passagiere von Lufthansa-Streiks betroffen SN/APA (AFP)/CHRISTOF STACHE
5.400 Lufthansa-Piloten sind zum Streik aufgerufen worden.

Der angekündigte Streik trifft auch die Flüge nach Wien massiv. Elf Rotationen, als elf Ankünfte und elf Abflüge von Wien, in Summe 22 Flüge, fallen aus, teilte der Flughafen Wien auf APA-Anfrage mit. Betroffen sind sieben Verbindungen nach Frankfurt und vier nach München. In Summe werden von der AUA dank größerer Maschinen über den Tag 300 Sitze mehr angeboten. Ob es am Donnerstag noch Nachwehen geben wird, sei heute noch nicht zu sagen. AUA und Flughafen Wien empfehlen Fluggästen, sich auf der Homepage der Lufthansa bzw. der Online-Anzeige von Ankünften und Abflügen in Schwechat am Laufenden zu halten.

Das Unternehmen hatte am Dienstag noch versucht, mit einer einstweiligen Verfügung den 14. Pilotenstreik in Folge juristisch zu stoppen. Wie das Gericht entscheiden wird, war gegen Abend noch offen. Eine Entscheidung sollte aber noch am Dienstag fallen. Im Kern gehe es um die Frage, ob die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit geforderte Gehaltssteigerung ab dem 13. Dienstjahr für Co-Piloten rechtmäßig sei, sagte Martin Becker, Richter am Frankfurter Arbeitsgericht

Ob die Lufthansa im Falle einer Ablehnung ihres Ansuchens gegen den Streik in die zweite Instanz gehen würde, ließ ein Sprecher offen. Das Landesarbeitsgericht Hessen hatte den vorerst letzten Pilotenstreik der Vereinigung Cockpit im September 2015 für rechtswidrig erklärt, weil dort tariffremde Forderungen erhoben worden waren. Die VC hatte daraufhin Streik Nr. 13 abgebrochen und in der Folgezeit vermieden, über tariffremde Themen, wie die Ausweitung der Billigtochter Eurowings, öffentlich zu reden. Der aktuelle Streik bezieht sich allein auf Lohnforderungen.

Dem Lufthansa-Sonderflugplan zufolge würde dem Streik am Mittwoch fast jeder zweite Flug der Marke Lufthansa zum Opfer fallen. Von den 876 streikbedingt gestrichenen Flügen sind 51 Interkontinentalverbindungen. Insgesamt kommt die Marke Lufthansa auf rund 1.800 Flüge pro Tag. "2124 von rund 3.000 geplanten Flügen der Lufthansa Group finden statt", heißt es in der Mitteilung. Darin sind allerdings auch Flüge von Konzerngesellschaften enthalten, die von der VC nicht bestreikt werden, wie zum Beispiel Brussels, Swiss, Eurowings oder AUA.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt sprach sich für eine Schlichtung ausgesprochen und stellte sich damit auf die Seite des Unternehmens. "Wir halten das für den richtigen Weg", sagte der CSU-Politiker am Dienstag nach einem Luftverkehrstreffen in Berlin.

Man könne sich fragen, wie oft die Partnerseite sich diesem Wunsch verweigern könne. Derzeit sei das Verkehrsministerium zwar nur in der Beobachterfunktion im Tarifstreit. "Das muss aber nicht ewig so bleiben."

Lufthansa-Chef Spohr sprach indes von 75.000 betroffenen Passagieren, zuvor war auch von 100.000 die Rede. Der Ausstand koste das Unternehmen pro Tag einen höheren, einstelligen Millionen-Betrag, sagte der Manager.

Die Piloten der Airline hatten den Streik am Montag angekündigt. Erstmals war in der laufenden Tarifauseinandersetzung im April 2014 gestreikt worden. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Tarifgehälter von rund 5.400 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. 

Die VC verlangt Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Der vorherige Tarifvertrag ist Ende April 2012 ausgelaufen, wirkt aber mit unveränderten Tarifgehältern fort. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte in der vergangenen Woche den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, in eine Schlichtung zu den offenen Gehaltsverhandlungen einzusteigen. Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Lohnplus von 2,5 Prozent für den 20 Monate längeren Zeitraum bis Ende 2018 angeboten. Auch andere Tarifthemen wie die Übergangsrenten sind noch ungelöst.

Bei der Eurowings-Gruppe fiel schon am Dienstag wegen eines 15-stündigen Streiks der Flugbegleiter etwa jeder siebente Flug aus. Betroffen waren rund 4.100 Passagiere. An den beiden Streikorten Düsseldorf und Hamburg gelang es der Gewerkschaft Verdi nach eigener Zählung, 62 von 128 geplanten Flügen und damit fast die Hälfte zu verhindern.

Hintergrund sind die abermals gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Eurowings-Geschäftsführung über die Arbeitsbedingungen der rund 460 Beschäftigten der deutschen Eurowings-Teilgesellschaft. Nicht bestreikt wurden Maschinen der Schwestergesellschaften Germanwings und Eurowings Europe. Ver.di verlangt für die Flugbegleiter je sieben Prozent mehr Gehalt und Zulagen sowie eine bessere Anrechnung der Dienstzeiten am Boden und eine Beteiligung an den Bordverkäufen.

Bei der deutschen Eurowings konkurriert ver.di mit der Kabinengewerkschaft UFO um die Vorherrschaft und das Recht, einen Tarifvertrag abzuschließen. Auch die UFO hat bereits einen Streik bei Eurowings veranstaltet und führt dort ebenfalls Tarifverhandlungen.

UFO hat eine Dreier-Schlichtung vorgeschlagen, um zu einem einheitlichen Tarifergebnis zu kommen. Dies wird auch vom Unternehmen unterstützt. Doch ver.di scheint nach den Worten ihres Bundesvorstandsmitglieds Christine Behle dazu nicht bereit zu sein: "Als mitgliederstärkste Gewerkschaft bei Eurowings bestehen wir auf einen eigenständigen Tarifabschluss", erklärte sie zum Streikaufruf. Möglicherweise wird die Fluggesellschaft damit zum ersten Testfall des neuen Tarifeinheitsgesetzes.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 19.09.2018 um 02:51 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/ueber-100-000-passagiere-von-lufthansa-streiks-betroffen-865654

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