Wirtschaft

Unilever prüft höheres Offert für Glaxosmithkline-Sparte

Um die Konsumgütersparte des Pharmariesen Glaxosmithkline ist Medienberichten zufolge ein milliardenschwerer Poker entbrannt. Der Konsumgüterkonzern Unilever hat nach eigenen Angaben ein Auge auf die Sparte geworfen und erwägt der Finanzagentur Bloomberg zufolge eine Erhöhung seines zuletzt 50 Mrd. Pfund (60 Mrd. Euro) schweren Kaufangebots.

GSK sieht Konsumgüter-Sparte mit 60 Mrd. Euro unterbewertet SN/APA/dpa/Sven Hoppe
GSK sieht Konsumgüter-Sparte mit 60 Mrd. Euro unterbewertet

Glaxosmithkline und der mit einem Minderheitsanteil an der Sparte beteiligte Pharmakonzern Pfizer hingegen bestünden auf ein Offert in Höhe von 60 Mrd. Pfund, berichtete die "Financial Times" am Sonntag. Im Hintergrund stünden Investoren, die auf einem höheren Preis oder alternativ einem Börsengang der Sparte beharrten. Ein Transaktion dieses Umfangs wäre weltweit die größte seit Beginn der Coronavirus-Pandemie.

Unilever habe mit Banken über eine Finanzierung eines möglichen höheren Offerts gesprochen, meldete Bloomberg und berief sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Unilever könnte nach einer Übernahme der Sparte Teile davon an Finanzinvestoren und andere Käufer weiterveräußern und die Erlöse ebenfalls zur Finanzierung der Übernahme verwenden. Dazu waren von beiden Unternehmen zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Unilever war bei Glaxosmithkline mit einem milliardenschweren Gebot für die Sparte auf Widerstand gestoßen. Mit dem Offert von rund 50 Mrd. Pfund würden die Sparte und ihre Aussichten fundamental unterbewertet, hatte Glaxosmithkline am Samstag erklärt. Die Vorbereitungen für den zur Jahresmitte geplanten Börsengang der Sparte würden fortgesetzt. Unilever hatte das Angebot bestätigt und die Frage einer möglichen Erhöhung offengelassen.

An der Konsumgütersparte des britischen Unternehmens Glaxosmithkline ist der US-Pharmakonzern Pfizer mit 32 Prozent beteiligt, seit beide Firmen ihre entsprechenden Geschäfte im Jahr 2019 zusammengelegt haben. Einem Bericht der "Sunday Times" zufolge lehnte auch Pfizer das Angebot der britisch-niederländischen Unilever als zu niedrig ab. Mit Marken wie Sensodyne-Zahnpasta, dem Schmerzmittel Voltaren oder Otriven-Nasenspray erlöste die Sparte zuletzt 10 Mrd. Pfund und steuerte damit fast ein Drittel zum 34 Mrd. Pfund schweren Jahresumsatz von Glaxosmithkline bei.

Glaxosmithkline erhielt nach eigenen Angaben insgesamt drei Angebote von Unilever, das letzte davon am 20. Dezember. Dies habe 41,7 Mrd. Pfund (50 Mrd. Euro) und 8,3 Mrd. Pfund (10 Mrd. Euro) in Form von Unilever-Aktien umfasst. Unilever erklärte, GSK Consumer Healthcare sei ein führendes Unternehmen der Verbrauchergesundheit und würde deswegen strategisch gut zu Unilever passen. Der für Langnese-Eis, Knorr-Saucen oder Signal-Zahnpasta bekannte Konzern ließ offen, ob er einen weiteren Anlauf nimmt: "Es kann keine Gewissheit darüber geben, dass eine Vereinbarung zustande kommt."

Im vergangenen Jahr hatte bereits der aktivistische Investor Elliott einen Verkauf der Consumer-Health-Sparte gefordert. Wenn sich Glaxosmithkline komplett davon trenne, könne dies den Aktienkurs um 45 Prozent nach oben treiben, hatte Elliott vorgerechnet. Auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) spaltet sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten ab. Derzeit gibt es weltweit eine Welle von Auf- und Abspaltungen. Sie folgen der Theorie, dass Mischkonzerne an der Börse oft niedriger bewertet werden als ihre Einzelteile.

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