Wirtschaft

US-Ölpreis stürzt ab - Trump will Reserven aufstocken

US-Präsident Donald Trump will den dramatischen Absturz des Erdölpreises dafür nutzen, die strategischen Ölreserven seines Landes aufzustocken. Seine Regierung wolle die Reserven um bis zu 75 Millionen Barrel erhöhen, sagte Trump am Montag während seines täglichen Briefings zur Coronakrise im Weißen Haus.

Diese Menge an Rohöl soll nach Angaben des Präsidenten jedoch nur aufgekauft werden, wenn der US-Kongress dem zustimmt - oder wenn die Regierung die Kosten durch die Vermietung von Lagerflächen in Bundeseinrichtungen kompensieren kann. Die derzeitigen strategischen Ölreserven der USA belaufen sich auf 635 Mio. Barrel. Erlaubt sind Reserven von bis zu 713,5 Mio. Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Die Reserven sind in vier unterirdischen Depots an der Meeresküste der US-Bundesstaaten Texas und Louisiana gelagert. Sie sind dafür gedacht, während Krisensituationen entstehende Versorgungslücken zu füllen.

Der Erdölpreis war am Montag an der New Yorker Börse erstmals in seiner Geschichte tief ins Negative gerutscht. Der Preis der US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im Mai schloss bei minus 37,63 Dollar pro Barrel. Das bedeutet, dass Händler bereit waren, Käufern Geld zu bieten. Im frühen Handel am Dienstag kletterte der Ölpreis dann wieder nach oben. Auf den asiatischen Marktplätzen verließ der Preis für das Barrel der US-Referenzsorte WTI den Negativbereich und stieg auf 1,10 Dollar pro Barrel.

Auch der Preis für europäisches Rohöl wurde mit nach unten gezogen. Die Nordseesorte Brent kostete am Dienstag im Tief 18,10 Dollar. Zuletzt stand der Preis bei 20,68 Dollar. Das waren 5,45 Dollar weniger als am Vortag.

Weltweit gibt es wegen der Coronakrise auf dem Weltmarkt ein Rohöl-Überangebot von 20 bis 30 Prozent, sagt Christoph Capek, Geschäftsführer des österreichischen Fachverbands der Mineralölindustrie (FVMI). Das Geschäft der fast 3.000 Tankstellenbetreiber in Österreich sei stark zurückgegangen, berichtete er im "Mittagsjournal" des ORF. "Die Absatzrückgänge an den Tankstellen sind sehr markant, man spricht von 70, 80 Prozent Absatzrückgang, und das trifft die Tankstellen natürlich besonders hart", so Capek. Wegen des Ölpreisverfalls sind zwar auch die Treibstoffpreise gesunken, aber die Autofahrer profitieren davon nicht, weil sie derzeit coronabedingt kaum mit dem Auto fahren.

Hauptursache des Preisverfalls waren die weggebrochene Nachfrage nach dem Rohstoff in der Coronakrise. Die Pandemie hat zu einer drastischen Abnahme der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten sowie des Straßen- und Luftverkehrs geführt. Hintergrund des historischen Preisabsturzes am Montag war zudem der Umstand, dass Mai-Terminverträge nur noch bis Dienstag verkauft werden können, die Erdöl-Lager aber nahezu voll sind. Deswegen gibt es nahezu keine Abnehmer mehr.

Quelle: Apa/Ag.

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