Wirtschaft

US-Weihnachtsgeschäft ohne neue Strafzölle für China

Bewegung im Handelskrieg - und Entwarnung für den Weihnachtseinkauf in den USA: Die Preise für Mobiltelefone, Laptops, und Spielzeug aus China werden zunächst wohl nicht steigen. Geschenkartikel wie iPhones, Turnschuhe oder auch manche Kleidungsstücke sind bis 15. Dezember von den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzöllen auf chinesische Güter in Höhe von 10 Prozent ausgeschlossen.

Trump wollte die neuen Strafzölle ursprünglich ab September SN/APA (AFP)/SAUL LOEB
Trump wollte die neuen Strafzölle ursprünglich ab September

Diese Verschiebung teilte die Regierung am Dienstag in Washington mit. Eigentlich sollten die Sonderzölle ab September greifen. Die Atempause im Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften beflügelte weltweit die Börsen.

Für Trump ist es eine erstaunliche Kehrtwende: Bisher hatte er auf eine Eskalation des Handelskriegs mit China gesetzt. Gleichzeitig betonte er, dass die neuen und ab September gültigen Strafzölle sich nicht auf Verbraucher in den USA auswirken würden. "Keine Preiserhöhung, keine Inflation", versprach er. Die jetzige Verschiebung der Importgebühr für Konsumgüter lässt sich indes nur damit erklären, dass die Regierung Preiserhöhungen vor Weihnachten um jeden Preis vermeiden will. Teurere Weihnachtsgeschenke machen keine Politiker beliebter, so offenbar die Logik.

Neben den bis 15. Dezember ausgenommenen Konsumgütern würden bestimmte für die Gesundheit oder die nationale Sicherheit wichtige Produkte permanent ausgeschlossen bleiben, erklärte das Büro des US-Handelsbeauftragten. Eine Aufstellung der Produkte solle in Kürze veröffentlicht werden, hieß es weiter. Eine gut 100 Seiten lange Liste der schon ab September mit Strafzöllen belegten Produkte las sich wie ein Kessel Buntes: Tampons, Windeln, Ingwer, grüner Tee, Speiseeis, Fleisch, Bücher und vieles mehr.

Die Atempause im Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt gab der Börse in New York neuen Schwung. Der Leitindex Dow Jones stieg nach der Ankündigung der US-Regierung zeitweise um fast 500 Punkte oder knapp zwei Prozent. Auch der ATX sowie der deutsche Leitindex DAX drehten ins Plus.

Trump hatte die Strafzölle von 10 Prozent auf Importe im Wert von rund 300 Mrd. Dollar (268 Mrd. Euro) Anfang August trotz laufender Handelsgespräche mit China angekündigt. Die bereits bestehenden Strafzölle von 25 Prozent auf Importe im Wert von rund 250 Mrd. Dollar bleiben davon unberührt. Mit der Einführung der neuen Strafzölle sollten fast alle Importe aus China erfasst werden, inklusive Konsumgüter. Experten rechneten daher mit bevorstehenden Preiserhöhungen für US-Verbraucher.

Die USA und China wollten bisher im September erneut Gespräche zu einem Handelsabkommen führen. Das chinesische Handelsministerium teilte nun auf seiner Internetseite mit, Vizepremierminister Liu He habe am Dienstag mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin telefoniert. Demnach wollen China und die USA bereits in zwei Wochen telefonisch Handelsgespräche führen.

Die vorige Gesprächsrunde der beiden Staaten im Juli war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen, woraufhin Trump die neuen Strafzölle ankündigte. China ließ daraufhin den Kurs seiner Währung Yuan fallen - was den Effekt der Strafzölle mindert, weil chinesische Produkte auf den Weltmärkten billiger werden. Trump zeigte sich verärgert und bezichtigte China offiziell der Währungsmanipulation.

Die jüngste Eskalation des Konflikts zog die Finanzmärkte deutlich ins Minus. Der Handelskrieg bremst das weltweite Wirtschaftswachstum. Die US-Notenbank Fed senkte im Juli auch mit Hinblick auf die Spannungen erstmals seit 2008 wieder ihren Leitzins.

Der Handelskrieg war ursprünglich von der Verärgerung Trumps darüber ausgelöst worden, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Der US-Präsident fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten und den zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen US-Unternehmen sowie staatliche Subventionen.

Ein weiterer Zankapfel sind Chinas Importe von US-Agrarprodukten wie Soja. Für den republikanischen Präsidenten Trump sind sie politisch wichtig, um seine Wähler in ländlichen Bereichen bei der Stange zu halten. Peking wiederum nutzt die Agrarimporte als Trumpf in den Verhandlungen. Nach der jüngsten Eskalation hieß es, China werde künftig keine US-Agrarprodukte mehr importieren. Trump kritisierte am Dienstag erneut, dass die Chinesen nicht wie zuvor zugesagt landwirtschaftliche Produkte importierten. "Bisher haben sie nicht gemacht, was sie versprochen haben", schrieb er auf Twitter. Doch er schien hoffnungsvoll: "Vielleicht wird es dieses Mal anders sein!"

Quelle: Apa/Ag.

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