Wirtschaft

USA erwägen Verkauf von Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit

Die Vereinigten Staaten ziehen laut US-Finanzminister Steven Mnuchin die Platzierung extrem lang laufender Staatsanleihen in Betracht. Anleihen mit Laufzeiten von 50 bis 100 Jahren seien eine "sehr ernsthafte Erwägung", sagte Mnuchin am späten Mittwochabend dem Fernsehsender Bloomberg TV. 

US-Finanzminister Steven Mnuchin SN/APA (AFP)/NICHOLAS KAMM
US-Finanzminister Steven Mnuchin

"Wenn die Bedingungen stimmen, dann würde ich davon ausgehen, dass wir die Vorteile der langfristigen Kreditaufnahme nutzen und diese auch umsetzen werden." Näher äußerte sich Mnuchin nicht.

Derzeit beträgt die längste Laufzeit amerikanischer Staatsanleihen 30 Jahre. Aufgrund seiner Größe ist die Bedeutung des US-Anleihemarkts für das internationale Finanzsystem von herausragender Bedeutung. Kaum ein Investor, der größere Summen in halbwegs sicheren Wertpapieren anlegen möchte, kommt an amerikanischen Staatsanleihen vorbei. Zahlreiche Versicherungen, Pensionsfonds oder Vermögensverwalter besitzen die Papiere.

Wie Mnuchin andeutet, dürfte ein Grund für die Erwägungen der US-Regierung das derzeit rekordniedrige Zinsniveau in den USA sein. Vor wenigen Tagen ist der Kapitalmarktzins für 30-jährige US-Anleihen erstmals unter die Marke von zwei Prozent gefallen. So sank die Verzinsung des 30-jährigen Bonds zeitweise auf 1,906 Prozent und war damit so niedrig wie nie zuvor. Sie liegt damit unter dem Leitzins der US-Notenbank (Fed). Die Rendite der zehnjährigen Papiere ist weiter unter die der zweijährigen Titel gefallen. Diese sogenannte inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession. 

Ein solch niedriges Zinsniveau könnten sich die USA mit der Platzierung sehr lang laufender Anleihen sichern. Eine andere Frage ist, ob Investoren bereit sind, derart lang laufende Papiere zum derzeitigen Zinsniveau zu erwerben. Jüngste Erfahrungen aus Österreich oder Großbritannien, die ebenfalls ungewöhnlich lang laufende Staatsanleihen verkauft hatten, lassen trotz niedriger Zinsen auf eine rege Nachfrage schließen. Ein Grund dafür ist die sehr hohe Anlegernachfrage nach Sicherheit - eine Folge zahlreicher politischer Risiken in der Welt.

Österreich hatte 2017 als erster Staat eine syndizierte hundertjährige Anleihe begeben, bei der die Papiere über Banken an Investoren verkauft werden. 

Wie Mnuchin in dem Interview außerdem sagte, denken die USA derzeit nicht über Interventionen an den Devisenmärkten nach. Dies könne sich in der Zukunft aber ändern. Er ergänzte, solche Eingriffe seien effektiver, wenn das Finanzministerium dabei gemeinsam mit der Notenbank (Fed) und US-Alliierten vorgehe. US-Präsident Donald Trump hat den Dollar-Kurs im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen wiederholt als zu hoch und damit schädlich für die heimische Exportwirtschaft bezeichnet.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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