Wirtschaft

Visa und Paypal Paroli bieten: Europas Banken arbeiten an eigenem Zahlungssystem

Das Pan European Payment System soll den dominanten Anbietern aus den USA Konkurrenz machen. Noch gibt es aber viel Geheimniskrämerei um das Projekt.

Amerikanische Anbieter dominieren den Markt. SN/dpa/dpaweb
Amerikanische Anbieter dominieren den Markt.

Zahlreiche große Banken in Europa arbeiten offenbar an einem gemeinsamen Zahlungssystem, um den dominanten US-Anbietern wie Visa, Mastercard oder auch Paypal Paroli zu bieten. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag am Rande einer Bankenkonferenz in Paris.

Carlo Bovero, für Kartenzahlung zuständiger Manager bei der französischen Großbank BNP Paribas, sprach von Diskussionen von Banken, die "einen großen Teil Europas repräsentieren".

Die Initiative hat den AFP-Informationen zufolge bereits einen Namen: Pan European Payment System Initiative. Ziel ist, den Kunden alle Zahlungsmethoden unter einem Dach anzubieten. Auch dem wachsenden Einfluss chinesischer Konzerne solle die europäische Initiative etwas entgegensetzen.

Den Informationen zufolge soll ein großer Teil der französischen Banken bei der Initiative mitmachen, aus Deutschland sei die Deutsche Bank dabei. Auf Anfrage wollte kein Institut die Pläne bestätigen.

EZB sollte eigene Digitalwährung prüfen

Der Anstoß für die Initiative sei von der Europäischen Zentralbank (EZB) gekommen. Dort werden - als Antwort auf die Libra-Pläne des US-Internetkonzerns Facebook - auch Überlegungen für eine eigene Digitalwährung angestellt. Die EZB und die anderen EU-Notenbanken könnten sinnvollerweise entsprechende Möglichkeiten ausloten und konkrete Schritte in diese Richtung prüfen, hieß es in dem Entwurf eines Dokuments der finnischen Ratspräsidentschaft.

Über das Papier, in das die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag einsah, wird möglicherweise an diesem Freitag auf einem Treffen der EU-Finanzminister gesprochen. Der deutsche Privatbankenverband BdB hatte in Reaktion auf die Facebook-Pläne vergangene Woche gefordert, schnell Vorbereitungen für einen digitalen Euro zu treffen.

Facebook hat mit seinem Libra-Projekt weltweit Politiker, Aufsichtsbehörden und Notenbanken aufgeschreckt. Experten trauen dem Internet-Netzwerk mit seinen rund 2,5 Milliarden Nutzern zu, damit das Finanzsystem auf den Kopf stellen zu können. Denn Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern dürften damit viel schneller und günstiger werden. Anders als die Cyberwährung Bitcoin soll sich Libra an einem Korb von Währungen orientieren und damit weniger schwankungsanfällig sein. In vielen Ländern waren die Pläne auf großes Misstrauen gestoßen.

Quelle: Apa/Afp

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