Wirtschaft

Volkswagen stellte den neuen Golf 8 vor

Mit der achten Auflage seines wichtigsten Modells Golf will Volkswagen den Vorsprung als weltgrößter Autohersteller ausbauen und die digitale Vernetzung in der Kompaktklasse verankern. "Von einem neuen Golf wird in der gesamten Automobilindustrie erwartet, dass er den Maßstab setzt", sagte Konzernchef Herbert Diess am Donnerstagabend bei der Vorstellung des Wagens in Wolfsburg.

Volkswagen verknüpft große Hoffnungen mit dem Golf 8 SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
Volkswagen verknüpft große Hoffnungen mit dem Golf 8

Das Kompaktfahrzeug, das ab Anfang Dezember zunächst in Deutschland und Österreich verkauft wird, soll hohe Erwartungen erfüllen: Es hat neben dem Elektroauto ID.3 eine zentrale Bedeutung für VW. Als reines E-Modell wird es den Golf allerdings künftig nicht mehr geben.

Es sind neben Benziner-, Diesel- und Erdgasmotoren verschiedene Hybridantriebe im Programm. "Die Dieselmotoren haben wir komplett überarbeitet", sagte Markengeschäftsführer Ralf Brandstätter. Der Selbstzünder werde mit zwei sogenannten SCR-Systemen angeboten, die die Abgase gründlicher reinigen. "Die Stickoxid-Emissionen können so um bis zu 80 Prozent reduziert werden." Mit neuen Hybridmotoren peile man eine durchschnittliche Minderung des CO2-Ausstoßes um bis zu 20 Prozent an. Ziel sei es, hier Standards für die gesamte Branche zu setzen, meinte der VW-Manager zur "Hybrid-Offensive" des Konzerns.

Viel zu hohe Stickoxid-Emissionen waren der Dreh- und Angelpunkt des Abgasskandals. Schärfere CO2-Vorschriften der EU wiederum sind im Klimaschutz die zentrale Herausforderung der Autobranche.

Diess sieht verbesserte Verbrennungs- und Hybridmotoren als "wichtigen Zwischenschritt, um unseren Anteil von 1 Prozent am weltweiten CO2-Ausstoß bis 2050 auf null zu senken". Dass man beim Golf nun keinen ausschließlichen E-Antrieb mehr anbietet, liegt laut VW vor allem an der parallel anlaufenden ID-Familie. "Aus unserer Sicht ergänzen sich diese Produkte", sagte Brandstätter.

Der Vorgänger Golf 7 führte unter anderem den Modularen Querbaukasten (MQB) als Plattform auch für andere Autos bei der Kernmarke und weiteren Töchtern ein. Durch die Verwendung gleicher Teile sparte der Konzern große Summen und schuf einheitliche technische Standards.

Der 8er soll nun vor allem die Digitalisierung im Auto voranbringen. "Alles geht über Sprachsteuerung, über einen Klick oder einen Touch", erklärte Brandstätter. Diess sprach von einem "Tablet auf Rädern". Dazu gehört auch die Car2x-Kommunikation, wobei der Wagen Daten mit anderen Fahrzeugen oder der Verkehrsinfrastruktur austauscht.

Seit dem Start der ersten Auflage 1974 verkaufte VW weltweit rund 35 Millionen Golf, derzeit entfällt knapp ein Zehntel der abgesetzten Konzernfahrzeuge auf das Modell. In die Entwicklung der neuen Generation flossen insgesamt etwa 1,8 Milliarden Euro.

Wenn die Elektroserie ID im November im umgebauten Werk Zwickau in die Produktion geht, steht für VW viel auf dem Spiel. Das Unternehmen steckt Milliarden in die E-Mobilität, eine hinreichend hohe Nachfrage ist dabei auf längere Sicht allerdings noch nicht ausgemacht. Der Golf soll als wichtigstes Massenmodell daher weiterhin eine verlässliche Stütze für das klassische Hauptgeschäft bilden.

Volkswagen zieht die Produktion mit der neuen Generation nun am Stammsitz zusammen, rund 8.400 Menschen arbeiten hier allein am Golf. Pro Jahr kann VW in Wolfsburg laut Produktionsvorstand Andreas Tostmann bis zu 450.000 Stück bauen - deutlich mehr als 2018 mit rund 320.000 Golf-Modellen.

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